menu
menu
Kindererziehung

So reagieren Eltern richtig, wenn eine Freundschaft ihrem Kind schadet

Sophia Sichtermann
09/07/2026 04:18:00

„Nicht akzeptieren“

Was können Eltern tun, wenn sie andere Kinder für einen schlechten Einfluss halten? Ein Experte erklärt, wann Eltern handeln sollten und wann nicht.

Hamburg – Die meisten Eltern wünschen sich nur das Beste für ihre Kinder – eine möglichst sorgenfreie Kindheit, Hobbys, die ihnen Freude bringen, und eine gute Schulbildung, die sie aufs Leben vorbereitet. Ein Aspekt wird für Kinder immer wichtiger, je älter sie werden: Freundschaften. Während sie sich anfangs an Eltern und Geschwistern orientieren, nimmt das soziale Leben außerhalb der Familie immer mehr Raum ein. Umso wichtiger ist manchen Eltern deshalb, mit welchen Freundinnen und Freunden sich ihr Kind umgibt.

Eltern dürfen und sollten ihrem Kind Fragen zu Freundschaften stellen. (Symbolbild)

Im besten Fall handelt es sich dabei um ausgeglichene Freundschaften, in denen die Kinder Spaß beim Spielen haben und einander unterstützen. Doch was, wenn Eltern vermuten, dass eine Freundschaft ihrem Kind nicht guttut? Ein Vater hat auf Instagram eine Liste geteilt, wie Eltern „schlechte“ Freunde erkennen können. Ein Warnzeichen könne sein, wenn das eigene Kind geärgert und geneckt wird, „auch nur zum ‚Spaß‘“, schreibt der Vater im Beitrag. Mit der Zeit könne das Kind sich selbst kleinmachen, um nicht das Ziel von weiteren Witzen zu werden.

Professor: Eltern können Freundschaften der Kinder nicht kontrollieren

Weitere Warnzeichen seien etwa, wenn ein Kind andere mit Aussagen wie „Wenn du mein Freund bist, machst du XY“ zu manipulieren versuche. Oder, wenn sich die Freunde nur meldeten, wenn sie etwas brauchten. Einige Eltern halten die Liste für hilfreich: „Ich werde das an meine Kinder weitergeben“, schreibt eine Mutter. Eine andere Person gibt zu bedenken, dass es sich bei den „schlechten Freunden“ ebenfalls nur um Kinder handle, die womöglich „Liebe und ein gutes Vorbild“ benötigten. Ein weiterer Nutzer meint: „Eltern müssen sich aus Lernerfahrungen ihrer Kinder heraushalten.“ Sie könnten zwar darüber sprechen, was gute Freundschaften ausmacht, wie man selbst ein guter Freund ist, wie man für sich einsteht, „aber geht aus dem Weg und lasst die Kinder selbst die Erfahrungen machen“.

„Wenn Eltern sich um die Freundschaften ihrer Kinder sorgen, lässt sich das nicht mit Kontrolle lösen – sondern, indem sie wirklich mit dem Kind in Kontakt bleiben“, sagt Christian Huber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Huber ist Professor für Rehabilitationswissenschaft, Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung, an der Bergischen Universität Wuppertal. Eltern sollten darauf achten, ob eine Freundschaft ihrem Kind guttut. Und sie dürften ruhig Rückmeldung geben – „Immer wenn du mit ihr oder ihm gespielt hast, geht es dir danach nicht gut – da bist du traurig, niedergeschlagen. Warum ist das so? Fühlst du dich wirklich wohl dabei?“ Eltern könnten spiegeln, Fragen stellen und Interesse zeigen.

Kommunikation zwischen Eltern und Kind sei in jedem Fall der Schlüssel. „Nachfragen, das Verschließen nicht immer akzeptieren – sondern wirklich dranbleiben und Gesprächsangebote machen.“

Eltern sollten nicht auf Bestätigung ihrer Teenager warten

Allerdings könnten Eltern von außen nicht immer einschätzen, ob eine Person ihrem Kind guttut. Es gebe Freundschaften, die Eltern nicht schätzten – „die Kinder oder Jugendlichen können jedoch einen guten Draht zueinander haben und von der Freundschaft auch profitieren“, erklärt der Experte.

Besonders bei Jugendlichen sei es wichtig, ihnen die Bedenken mitzuteilen, sie dann aber wieder in Ruhe zu lassen. Eltern sollten „eine Balance finden und den Jugendlichen nicht auf die Nerven gehen, sonst vertrauen sie sich nicht mehr an“. Wenn die Pubertierenden etwas gesagt bekämen, das sie nicht hören wollten, würden die meisten zunächst mit Abwehr reagieren. Schlafen sie eine Nacht darüber, denken sie möglicherweise im Stillen: „Eigentlich hatte meine Mutter oder mein Vater recht.“ Die Eltern müssten allerdings nicht auf Bestätigung bestehen – je stärker sie das tun, desto abwehrender könnten Jugendliche werden. (Quellen: Instagram, eigene Recherche)

Artikel von Werra Rundschau