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Wassernot spitzt sich zu: Ab welchem Verbrauch drohen 1000 Euro Bußgeld?

Sven Trautwein
26/06/2026 07:20:00

Hitzewelle in Deutschland

Die Hitzewelle treibt den Wasserverbrauch auf Rekordniveau. In Ostwestfalen-Lippe greift jetzt der Ausnahmezustand – mit Verboten und harten Bußgeldern.

Kassel – Deutschland stöhnt unter einer Hitzewelle. Regional werden Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet – und das setzt die Trinkwasserversorgung in Teilen des Landes massiv unter Druck. Wasserversorger in München und Mainz haben ihre Bürger bereits eindringlich zum Sparen aufgerufen. Denn: An besonders heißen Tagen steigt der Wasserverbrauch sprunghaft an – in München etwa um rund 20 Prozent im Vergleich zu einem normal temperierten Junitag.

Die Hitzewelle treibt den Wasserverbrauch auf Rekordniveau. In einigen Regionen greift jetzt der Ausnahmezustand – mit Verboten und harten Bußgeldern. (Symbolbild)

Während freiwillige Appelle in manchen Regionen noch ausreichen, ist in anderen Teilen Deutschlands längst der Punkt überschritten, an dem Bitten genügen. In Nordrhein-Westfalen (NRW) ist die Lage so ernst geworden, dass Kommunen nun verbindliche Nutzungsverbote erlassen haben – mit handfesten Konsequenzen bei Zuwiderhandlung.

Ausnahmezustand in Ostwestfalen-Lippe: 100.000 Menschen betroffen

Besonders dramatisch ist die Situation beim Wasserbeschaffungsverband (WBV) „Am Wiehen“ in Ostwestfalen-Lippe (OWL). Der Verband versorgt als Vorlieferant die Trinkwasserversorgung der Kommunen Bad Oeynhausen, Hille, Hüllhorst und Löhne – und damit rund 100.000 Menschen. Am 22. Juni 2026 beschlossen die Bürgermeister der vier Mitgliedskommunen, die Wasserampel von „Rot“ auf „Ausnahmezustand“ zu schalten. Gleichzeitig wurde eine ordnungsbehördliche Verordnung erlassen, die seit dem 24. Juni gilt.

Der Grund: Die Schaltung auf „Rot“ hatte kaum Wirkung. Am 18. Juni wurden im Verbandsgebiet noch rund 20 Millionen Liter Trinkwasser verbraucht – am Folgetag sogar über 20,2 Millionen Liter. Selbst Regenfälle am 21. Juni konnten den Verbrauch nicht nennenswert senken: Auch da wurden noch rund 19,9 Millionen Liter abgegeben. „Die Verbrauchsmengen haben ein Niveau erreicht, das sich allein über Freiwilligkeit nicht mehr beherrschen lässt“, sagte Verbandsvorsteher Michael Kasche laut der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZFK).

Was jetzt verboten ist – und was droht

Die ordnungsbehördliche Verordnung legt klar fest, was ab sofort nicht mehr erlaubt ist:

Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro – verhängt vom Ordnungsamt. Das ist keine leere Drohung: Die Behörden sind aktiv angewiesen, Verstöße zu ahnden.

Warum die Lage so ernst ist: Die Technik ist in Gefahr

Hinter den Verboten steckt mehr als Symbolik. Der WBV „Am Wiehen“ hat nach eigenen Angaben alle Reserven mobilisiert: Eigene Brunnenanlagen laufen auf Hochtouren, alle Zulieferer bewegen sich an der Grenze des Möglichen, und über zusätzliche Partner wurden kurzfristig mehr als 650.000 Liter pro Tag organisiert, so Focus.de. Dennoch sinken die Hochbehälterstände kontinuierlich – weil deutlich mehr entnommen wird, als nachfließen kann.

Hochbehälter sind der Puffer im Trinkwassersystem: Sie sorgen für konstanten Druck und Versorgungssicherheit auch in Stoßzeiten. Fällt der Füllstand zu stark, drohen Druckprobleme, Versorgungsengpässe und technische Schäden an den Anlagen. Laut WBV soll der Füllstand im zentralen Hochbehälter nicht unter 1,50 Meter sinken – andernfalls drohten „erhebliche, langwierige Schäden im technischen System“.

Wie lange gilt der Ausnahmezustand?

Wie lange die Verordnung in Kraft bleibt, ist offen. Der WBV weist darauf hin, dass auch unabhängig von der akuten Hitzeperiode einzelne Zulieferer dauerhaft geringere Mengen liefern – die Gesamtlage bleibt also angespannt. Die Verordnung könnte damit weit über den Sommer hinaus bestehen bleiben.

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Das Szenario in OWL könnte dabei Schule machen: Auch anderswo in Deutschland steigt der Druck. In Mainz etwa laufen erste Brunnen des Wasserwerks Petersaue trocken, weil der Rheinpegel sinkt. Mehrere weitere Versorger – darunter der Wasserbeschaffungsverband Usingen im Hochtaunuskreis und die VGW in Rheda-Wiedenbrück – haben ihre Wasserampel auf „Gelb“ gesetzt.

So können Sie Wasser sparen – und das Bußgeld vermeiden

Wer keinen Strafzettel riskieren und zugleich die Versorgung für alle sichern will, kann mit wenigen Maßnahmen viel bewirken.

Das entlastet nicht nur das Versorgungsnetz, es senkt auch die eigene Wasser- und Abwasserrechnung. Vögeln und Insekten bietet sich bei Hitze eine Vogeltränke an – wenn Sie diese Fehler vermeiden. (Quellen: ZDF, Zeitung für kommunale Wirtschaft, Focus.de, eigene Recherche) (str)

Artikel von Wetterauer Zeitung