Raps als Energieträger
Der Raps steht gut auf den Feldern in der Region. Die Bauern setzen auf Biodiesel und bessere Erlöse. Doch die Kosten belasten sie weiter.
Wolf – Zumindest in der Region sind Landwirte, die im vergangenen Jahr Raps ausgesät haben, sehr zufrieden. Fast mannshoch stehen die Pflanzen an manchen Stellen auf den Feldern von Mathias Mäser. „Der Raps ist sehr gut durch den Winter gekommen. Er hat schöne Blüten“, freut sich der Landwirt aus Wolf. „Das macht Spaß.“ Auf 40 Hektar hat er die Ölfrucht angebaut. „Wir hoffen auf einen guten Ertrag“, erklärt er. Mäser rechnet mit fünf Tonnen je Hektar.
Damit ist sein Lindenhof ein idealer Ort für das Pressegespräch des HBV. Dessen Präsident Karsten Schmal hebt die Bedeutung der Pflanze angesichts der geopolitischen Lage hervor. „Die aktuellen Krisen zeigen deutlich, wie verletzlich internationale Energieabhängigkeiten sind“, stellt er fest. „Jeder Liter Biodiesel aus heimischem Raps reduziert unsere Abhängigkeit von importierten fossilen Energien und stärkt unsere Versorgungssicherheit.“
Fläche gestiegen
Aktuell wird in Deutschland auf rund 1,11 Millionen Hektar Raps angebaut. In Hessen ist die Winterrapsfläche nach einem starken Einbruch im Jahr 2019 in den vergangenen Jahren wieder deutlich gestiegen. 2025 wurden in Hessen rund 51 500 Hektar Raps angebaut und damit deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Raps hat eine lange Tradition in der heimischen Landwirtschaft und spielt eine zentrale Rolle in vielen Betrieben. Er verbindet Ackerbau, Ernährung, Energie und Umwelt.
Auf einem Hektar könnten rund 1600 Liter Rapsöl erzeugt werden, rechnet Schmal vor. „Es ist am Ende des Tages eine politische Entscheidung, ob wir sechs oder sieben Prozent beimengen oder zehn Prozent oder mehr.“
Preise stabil auf hohem Niveau
Die Preise seien derzeit auf einem stabil hohen Niveau von 475 Euro je Tonne Raps. „Ich denke, dass die Energiekrise dazu führen wird, dass die Preise fester werden“, sagt Schmal. Er erwartet rund 500 Euro je Tonne. Damit biete Raps Landwirten die Möglichkeit, ihre Erlöse zu verbessern. In den vergangenen Jahren hätten viele unter niedrigen Preisen bei Weizen und Schweinefleisch sowie unter Tierseuchen gelitten, erläutert Schmal.
Der HBV will den Raps aber nicht auf seine Qualitäten als alternativer Energieträger reduzieren. Er sei auch eine wichtige Zwischenfrucht, die den Boden auflockere, erläutert Mäser.
Durch Wurzelreste trage er zur Humusbildung bei. Rapsschrot sei ein hochwertiges Futtermittel. Und nicht zuletzt böten die Rapsfelder Nahrung für Bienen und trügen damit zur Honigproduktion bei.
1200 Betriebe aus Hessen und angrenzenden Regionen sind in der Hessischen Erzeugergemeinschaft Raps (HERA) zusammengeschlossen. Rund 60 000 Tonnen Raps werden jährlich über die Organisation vermarktet. Entsprechend betont der Vorsitzende Thomas Eller die Möglichkeiten, durch Rapsöl fossilen Diesel zumindest teilweise zu ersetzen.
Derzeit würden mit dem Raps der HERA jährlich 12 000 Tonnen Biodiesel erzeugt. Dadurch könnten bis zu 45 000 Tonnen Rohölimporte ersetzt werden. Bis zu 60 Prozent der Treibhausgasemissionen von fossilem Diesel könnten vermieden werden.
Branche hat auch Probleme
Den Konflikt „Teller oder Tank“, den Kritiker der Energieerzeugung aus landwirtschaftlichen Produkten oft ansprechen, sehen weder Schmal noch Eller. „Ich glaube, das geht beides“, erklärt Schmal. Eller verweist auf rund 35 000 Tonnen Rapsschrot, die aus den 60 000 Tonnen Raps, die HERA vermarktet, erzeugt werden. Dazu würden in den Ölmühlen 12 000 Liter Rapsöl für Lebensmittel und Industrie hergestellt. „Damit steht Raps exemplarisch für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft vom Acker über die Verarbeitung bis in Futtertrog, Lebensmittel und Tank“, erklärt Eller.
Bei aller Freude über die verbesserten Erlöse durch die zu erwartende gute Ernte und stabil hohe Preise spricht der HBV aber auch Probleme der Branche an. Denn die durch den Krieg gegen den Iran und die Blockade der Straße von Hormus stark gestiegenen Dieselpreise belasten auch die Landwirtschaft. Auch die Düngerpreise seien durch die Krisen stark gestiegen. „Wir brauchen Dünger, um gute Ernten einfahren zu können“, betont Schmal.
Von der Politik wünschen sich die Landwirte deshalb neben Kostenentlastungen weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen. „Eine restriktive Biokraftstoffpolitik passt nicht mehr in diese Zeit“, sagt Schmal und fordert bessere Vermarktungschancen. „Wenn wir unabhängiger werden wollen, müssen wir die Potenziale unserer eigenen Landwirtschaft nutzen – für Lebensmittel ebenso wie für erneuerbare Energie.“