menu
menu
Universum

„Krise abgewendet“: Das Universum expandiert weiter – doch ein Rätsel bleibt

Tanja Banner
17/06/2026 08:27:00

Kosmologie

Zwei Nobelpreisträger haben eine Gegenstudie widerlegt: Das Universum dehnt sich weiter beschleunigt aus. Doch die größte Frage bleibt offen.

Frankfurt – Das Universum expandiert seit dem Urknall – und diese Ausdehnung beschleunigt sich bis heute. Das hat ein internationales Forschungsteam unter der Beteiligung zweier Nobelpreisträger in einer neuen Arbeit festgestellt. Die Erkenntnis ist nicht neu, doch im Herbst 2025 wurde eine Studie veröffentlicht, die an dieser weithin akzeptierten Theorie Zweifel weckte. Die Studie erklärte, dass die Expansion des Universums sich verlangsamt, und löste eine große Debatte aus.

Die Supernova SN 1572 im Sternbild Cassiopeia im Jahr 1572 war eine Supernova vom Typ Ia, die heute in der Kosmologie unter anderem zur Entfernungsbestimmung genutzt werden.

Die dürfte mit der Veröffentlichung der neuen Arbeit im Fachjournal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society nun jedoch beendet werden. „Die bisherigen, allgemein anerkannten Messungen waren in der Tat einwandfrei, und unser derzeitiges Verständnis vom Schicksal des Universums ist nach wie vor fundiert“, betont Phil Wiseman von der Universität Southampton, Hauptautor der Studie, die im Juni 2026 veröffentlicht wurde. Der Forscher gibt sich erleichtert: „Glücklicherweise haben wir diese Krise abgewendet, doch das Rätsel, warum sich das Universum weiterhin immer schneller ausdehnt, bleibt bestehen.“

Beschleunigte Expansion des Universums: Zwei Nobelpreisträger widerlegen Gegenstudie

An der Studie beteiligt waren auch Adam Riess und Brian Schmidt, die 2011 gemeinsam mit Saul Perlmutter den Physik-Nobelpreis für die Entdeckung gewannen, dass die Expansion des Universums sich beschleunigt. Dafür studierten sie Supernovae vom Typ Ia – brutale und helle Sternenexplosionen, die den Forschern die bis dahin unbekannte Beschleunigung verrieten. Seitdem ist diese Theorie weltweit anerkannt – und wurde auch durch die Studie des zweiten Forschungsteams aus dem Herbst 2025 nur kurz erschüttert.

„Außergewöhnliche Behauptungen erfordern besonders sorgfältige Überprüfungen“, unterstreicht Nobelpreisträger Riess, der gemeinsam mit dem Forschungsteam daran gearbeitet hat, die Studie aus dem Herbst 2025 zu widerlegen. „Wir stellen fest, dass die Hinweise auf eine kosmische Beschleunigung bemerkenswert konsistent bleiben, wenn wir diese Supernovae unter Berücksichtigung unterschiedlicher Wirtsumgebungen und Populationen kalibrieren.“

Ein der größten Fragen des Universums hängt mit dessen Expansion zusammen

Die beschleunigte Expansion des Universums hat für die Forschung noch genügend ungelöste Rätsel parat. Eine der größten Fragen der Kosmologie ist die, warum es – je nachdem, wie man misst – zwei verschiedene Expansionsraten gibt. Die sogenannte „Hubble-Spannung“ ist weiterhin ungelöst.

Wie Supernovae vom Typ Ia Entfernungen im Weltall messbar machen

Dass ein Forschungsteam akzeptierte Theorien und Beobachtungen herausfordert, ist für das Autorenteam der neuen Studie kein Problem, wie Mitautor Mark Sullivan betont: „So entsteht Fortschritt. Auch wenn sich diese Idee letztlich als falsch herausgestellt hat, hat sie doch neue Denkansätze darüber eröffnet, wie Supernovae explodieren und wie wir die dunkle Energie genauer messen können.“

Supernovae vom Typ Ia

Supernovae vom Typ Ia entstehen, wenn ein weißer Zwergstern in einem Doppelsternsystem so viel Material von seinem Begleitstern aufnimmt, dass er eine kritische Masse erreicht und in einer thermonuklearen Explosion zerbirst. Das Besondere daran: Supernovae vom Typ Ia explodieren alle bei etwa der gleichen Masse und setzen daher ungefähr die gleiche Energiemenge frei. Deshalb werden sie von der Forschung als „Standardkerzen“ eingesetzt. Die Astronomie meint damit Objekte, deren Helligkeit genau bekannt ist.

Diese Objekte können beispielsweise zur Entfernungsmessung genutzt werden, denn wenn man weiß, wie hell ein Objekt tatsächlich ist (absolute Helligkeit) und misst, wie hell es erscheint (scheinbare Helligkeit), dann kann man berechnen, wie weit es entfernt ist. In der Kosmologie werden mit Standardkerzen verschiedene Entfernungen gemessen, um so mehr über die Expansion des Universums zu erfahren.

Co-Autor Brodie Popovic ergänzt: „Das war eine gute Gelegenheit, noch einmal alle unsere Annahmen zu überprüfen – und wie sich herausstellt: Ja, wir verstehen diese Zusammenhänge tatsächlich und berücksichtigen sie bei unseren kosmologischen Messungen.“ (Quellen: Mitteilung, Studie) (tab)

Artikel von Wetterauer Zeitung