Auswertung aus Großbritannien
Eine defekte Antriebsbatterie– das ist der Albtraum jedes E-Auto-Käufers. Doch eine neue Studie zeigt: Das eigentliche Risiko lauert ganz woanders.
Kassel – Wer sich für ein gebrauchtes Elektroauto interessiert, denkt meist zuerst an den Akku. Schließlich steckt im Energiespeicher unter dem Fahrzeugboden das teuerste Bauteil des Stromers. Fällt er aus, droht schnell ein wirtschaftlicher Totalschaden. Doch aktuelle Daten aus Großbritannien zeigen: Diese Sorge ist zwar nachvollziehbar – trifft aber nur selten zu.
Der britische Garantieanbieter Warrantywise hat laut The Independent Schadensmeldungen aus drei Jahren ausgewertet, von Januar 2023 bis Januar 2026. Das Ergebnis überrascht: Unter den fünf häufigsten Defekten bei gebrauchten Elektroautos findet sich die Hochvolt-Batterie nicht. Stattdessen dominieren Bauteile, die auch Verbrenner-Fahrer kennen.
Kaputte E-Auto-Teile: Sensoren und Zentralverriegelung führen die Statistik an
Ganz oben auf der Liste stehen Probleme mit dem elektrischen System – konkret mit Sensoren. Durchschnittlich kostete eine Reparatur hier umgerechnet rund 950 Euro (Stand: Mitte Juli 2026). In Einzelfällen wurden bis zu 3840 Euro fällig. Rang zwei belegt die Zentralverriegelung: Im Schnitt schlägt sie mit etwa 1055 Euro zu Buche, maximal waren es 4762 Euro.
Als einziges E-Auto-spezifisches Bauteil taucht das bordeigene Ladegerät in den Top 5 auf. Der sogenannte On-Board-Charger wandelt Wechselstrom vom Ladepunkt in Gleichstrom für den Akku um. Reparaturen kosten im Durchschnitt rund 2534 Euro – im Extremfall sogar bis zu 12.272 Euro.
Fahrwerk und 12-Volt-Batterie ebenfalls anfällig
Auf den Plätzen vier und fünf folgen der Querlenker als Fahrwerksteil (Durchschnitt: rund 1443 Euro, Maximum: 4836 Euro) sowie die 12-Volt-Starterbatterie (Durchschnitt: 625 Euro). Letzteres überrascht viele Käufer: Doch auch Elektroautos verfügen über eine klassische Starterbatterie – und genau sie ist laut ADAC der häufigste Pannengrund bei E-Fahrzeugen.
Akku-Schäden selten, aber kostspielig
Defekte an der Antriebsbatterie treten vergleichsweise selten auf, wie Carscoops berichtet. Doch wenn es passiert, wird es teuer: Im Schnitt belaufen sich entsprechende Reparaturanfragen auf rund 7553 Euro.
„Die Antriebsbatterie eines Elektroautos ist verständlicherweise das Erste, woran viele Käufer von gebrauchten Elektroautos denken, aber unsere Daten zeigen, dass auch die alltäglichen Komponenten nach wie vor eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Warrantywise-Geschäftsführer Antony Diggins. Sein Rat: Beim Gebrauchtkauf eines Stromers sollten Interessenten dieselben Prüfungen wie bei einem Verbrenner vornehmen – und zusätzlich die Ladesysteme genau unter die Lupe nehmen. (Quellen: The Independent, Carscoops) (sop)