Fund der Hallstattzeit
Eine Zwölfjährige hatte den bronzenen Armreif am Rand eines Ackers bei Aulendiebach entdeckt. Die Analyse zeigt nun einen ungewöhnlich hohen Bleianteil – und wirft neue Fragen auf.
Konradsdorf – Ein fast 2800 Jahre alter Armreif, ein moderner Analysator und sechs wissbegierige Nachwuchsarchäologen: An der Gesamtschule Konradsdorf sind dieser Tage Geschichte, Chemie und Technik aufeinandergetroffen, als das Schmuckstück untersucht wurde, das die zwölfjährige Schülerin Lilly Then am Rand eines Ackers bei Aulendiebach entdeckt hatte. Fachleute ordnen den Armreif der frühen Hallstattzeit, etwa 750 bis 650 vor Chr., zu. Damit ist es älter als der berühmte Keltenfürst vom Glauberg.
Bestimmung in wenigen Sekunden
Nach Bekanntwerden des Fundes bot das in Rosbach ansässige Unternehmen Analyticon Instruments der Keltenwelt am Glauberg eine erste Materialanalyse an. Das Unternehmen produziert und vertreibt handgehaltene Analysegeräte und hat auch einen eigenen Analysator für die Metallanalyse entwickelt.
Durch persönliche Verbindungen zur Gesamtschule Konradsdorf und gemeinsame Aktivitäten mit der Keltenwelt fühlt sich Analyticon beiden Einrichtungen seit Langem verbunden.
An der Untersuchung nahmen Vertreter der Keltenwelt und von Analyticon sowie sechs Schülerinnen und Schüler der Archäologie-AG teil. Zunächst erläuterte Toni Walter, Schulungsreferent und technischer Berater bei Analyticon, den Jugendlichen die Funktionsweise der Röntgenfluoreszenzanalyse.
Mit dieser Methode lässt sich die Zusammensetzung eines Materials innerhalb weniger Sekunden bestimmen, ohne eine Probe zu nehmen oder das Fundstück zu beschädigen.
Dr. Axel G. Posluschny, Archäologe und Leiter des Forschungszentrums an der Keltenwelt, hatte das wertvolle Original zur Untersuchung mitgebracht. Normalerweise wird das Artefakt sicher im Tresor verwahrt.
„Mit dem Armreif ist noch nichts passiert. Er wurde lediglich gesäubert“, berichtete der Archäologe. Armreife dieser Art seien typische Grabbeigaben, erklärte er. Ungewöhnlich sei, dass der Reif an der Oberfläche eines Feldes gefunden wurde. Durch die landwirtschaftliche Bearbeitung des Bodens könnten archäologische Gegenstände jedoch gelegentlich nach oben gepflügt werden.
Für die Messung wurde das Schmuckstück vorsichtig auf dem Messfenster des Analysators in einer geschlossenen Probenkammer positioniert. Wenige Sekunden später lag das Ergebnis vor: Es handelt sich um eine Bronze mit relativ hohem Bleianteil. Das bestätigten mehrere Messungen an verschiedenen Stellen des Armreifs.
Da das Metall wahrscheinlich nicht gänzlich homogen ist und durch die lange Zeit im Erdboden Veränderungen an der Oberfläche des Reifs aufgetreten sein können, wollen sich die Archäologen im Nachgang näher mit den Ergebnissen auseinandersetzen.
Besonders interessant ist dabei der Vergleich mit anderen archäologischen Objekten. Dadurch könnten sich Hinweise auf die Herkunft der Metalle oder auf frühere Handelswege ergeben.
Im Anschluss wurden noch mehrere kleine Fibeln untersucht, die Posluschny ebenfalls mitgebracht hatte. Bei der Analyse zeigte sich, dass eine vermeintliche Versilberung tatsächlich aus Zinn besteht.
Für die Mitglieder der Archäologie-AG wurde die Materialuntersuchung zu einer besonderen Unterrichtsstunde. Sie erlebten unmittelbar, wie Kenntnisse aus dem Chemie- und Physikunterricht helfen können, archäologische Funde zu erforschen und Geschichte messbar zu machen.
red