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Automobilindustrie

VW einigt sich auf massiven Sparplan: Weitere 50.000 Jobs betroffen – Zukunft von vier Werken offen

Bettina Menzel
04/09/2026 05:26:00

„Paukenschlag“

Der Autobauer Volkswagen beschließt den größten Umbau seiner Geschichte. Weitere 50.000 Stellen sollen wegfallen, mehrere Werkstandorte wackeln.

Wolfsburg – Update vom 4. September 2026, 10:35 Uhr: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht im VW-Sparpaket auch eine Chance. Da der Aufsichtsrat keine Werksschließungen beschlossen habe, bestehe die Möglichkeit zu zeigen, dass Autoproduktion in Deutschland möglich sei, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Ich bin sehr sicher, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Volkswagen Sachsen den Willen und das Wissen haben, um diese Effizienz zu belegen.“ In Zwickau steht eines der vier Werke auf der Kippe, für die VW aktuell keine gesicherte Folgebelegung ab 2031 garantieren kann.

Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) gab sich nach der VW-Einigung kämpferisch: „Wir akzeptieren keine Placebos“, schrieb er auf Facebook. Die Krise sei nicht ausgestanden, die Unsicherheit für die rund 7.700 Beschäftigten im Emder Werk bleibe. Kruithoff machte klar: Es gehe nicht um Ersatzbeschäftigung, sondern um Folgeprodukte, Investitionen und eine langfristige Perspektive für die Automobilproduktion in Emden.

Update vom 4. September 2026, 09:55 Uhr: Nachdem der VW-Aufsichtsrat dem Sparplan zugestimmt hat, von dem 50.000 Stellen betroffen sein werden, zeichnet eine aktuelle infratest-dimap-Umfrage für den ARD-DeutschlandTrend ein deutliches Bild. 62 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, dass der Staat die Autoindustrie gezielt unterstützt. Und das, obwohl knapp drei Viertel der Befragten die Hersteller selbst für die Misere mitverantwortlich machen.

VW einigt sich auf massiven Sparplan: Weitere 50.000 Jobs betroffen

Originalmeldung vom 4. September: Volkswagen will weitere 50.000 Stellen streichen – zusätzlich zu dem bereits im Jahr 2024 beschlossenen Stellenabbau von 50.000 bis 2030. Der zweitgrößte Autokonzern der Welt gab das am Donnerstagabend (3. September) in einer Pressemitteilung bekannt. Die Einigung zwischen dem VW-Vorstand sowie der Arbeitnehmerseite und dem Land Niedersachsen kam überraschend. Ein Konzerninsider sprach von einem „Paukenschlag“, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtete. Auch die Zukunft von vier deutschen Werken steht auf dem Spiel.

Vor der VW-Aufsichtsratssitzung am Freitag (3. September 2026) verschärfte sich die Spardebatte bei VW.

Der Nettogewinn des Konzerns war 2025 um fast die Hälfte eingebrochen, vor allem die Konkurrenz aus China macht dem deutschen Autobauer zu schaffen. In Europa gebe es eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen im Volkswagen-Konzern, hieß es in einer Mitteilung des Konzerns. Für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm bestehe „aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung“. Anders gesagt: Diese Standorte sind nicht profitabel. Die vier Werke seien zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen 2031 und 2034 betroffen, hieß es weiter. Geprüft würden aber „alternative Verwendungsmöglichkeiten“, so der Konzern.

Was diese Alternativen sein könnten, sagte der Konzern in der Pressemitteilung nicht. Vorstandsvorsitzender Oliver Blume hatte aber in einem Interview im Juli betont: „Intelligente Lösungen sind immer besser, als ein Werk zu schließen.“ Als Beispiel für alternative Verwendungsmöglichkeiten hatte er das Werk in Osnabrück genannt. Dort sei man gerade „mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie in fortgeschrittenen Gesprächen“, so Blume damals. NDR erfuhr aus VW-Kreisen, dass der Konzern unter anderem mit dem deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS im Gespräch war.

Das „tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group“

Weltweit waren laut Konzerninformationen Ende 2025 628.893 Menschen bei Volkswagen angestellt, 286.505 davon in Deutschland. Wie viele Stellen laut dem Sparplan „Zukunftsplan 2030“ hierzulande wegfallen, teilte VW zunächst nicht mit. Betont wurde in der Pressemitteilung, dass auch Management-Positionen betroffen seien. Grundsätzlich sind betriebsbedingte Kündigungen bei VW in Deutschland bis 2031 ausgeschlossen. Denkbar wären hierzulande beispielsweise Altersteilzeit oder Abfindungen, um Jobs abzubauen. Dafür müsste VW aber zunächst Geld ausgeben, bevor sich Ausgaben senken lassen.

Der Vorstand dürfte mit dem Beschluss zufrieden sein. Einem Insider zufolge liege der Sanierungsplan sehr nah an dem, was der Vorstand gefordert habe, wie Reuters berichtete. Zudem ist mit der jetzigen Einigung eine weitere Eskalation zwischen Vorstand, dem Land Niedersachsen als maßgeblichen Anteilseigner und der Arbeitnehmerseite vom Tisch. „Der Zukunftsplan 2030 schafft die Voraussetzungen, um die Volkswagen Group und ihre Marken leistungsfähiger, wettbewerbsstärker und zukunftsorientierter aufzustellen“, hieß es vom Konzern. Es sei „das strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group.“ (Quellen: Pressemitteilung VW, dpa, Reuters, Süddeutsche Zeitung, NDR) (bme)

Artikel von Werra Rundschau