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Technik

Erste Windräder für Uentrop: Zwei 250-Meter-Anlagen gehen 2028 in Betrieb

Torsten Haarmann
20/10/2026 09:30:00
Im ländlichen Hammer Osten soll ein Windpark entstehen: Der Standort für die Windenergieanlage 1 (weißes Oval rechts) befindet sich geschätzt etwa 600 Meter von der ersten Bebauung in Vöckinghausen entfernt. Die Anlage 2 soll an der Straße Im Gelben Schlot errichtet werden. Zur Orientierung: unten schlängelt sich die Ahse, oben rechts ist die Autobahn 2 und in der Ferne das abgeschaltete Kohlekraftwerk in Schmehausen.

Windpark Vöckinghausen

Im ländlichen Hammer Osten soll ein Windpark entstehen: Der Standort für die Windenergieanlage 1 (weißes Oval rechts) befindet sich geschätzt etwa 600 Meter von der ersten Bebauung in Vöckinghausen entfernt. Die Anlage 2 soll an der Straße Im Gelben Schlot errichtet werden. Zur Orientierung: unten schlängelt sich die Ahse, oben rechts ist die Autobahn 2 und in der Ferne das abgeschaltete Kohlekraftwerk in Schmehausen.

Die Stadtwerke Hamm haben für zwei der vier geplanten Windräder im Windpark Vöckinghausen bereits den EEG-Zuschlag erhalten. Der Baubeginn ist für Ende 2027 vorgesehen.

Vöckinghausen – In Westfalen gibt es kaum einen Horizont, der nicht irgendwo von Rotorblättern großer Windenergieanlagen durchpflügt wird. Der Eindruck kann zumindest entstehen. Umso verwunderlicher ist, dass es im Stadtbezirk Uentrop bislang noch kein großes Windrad gibt. Der ländliche Hammer Osten bietet aber augenscheinlich Potenzial. Das beabsichtigen die Stadtwerke Hamm zu nutzen. Die Pläne für den Windpark Vöckinghausen sind ein Stück weiter.

Der Stadtrat hat in diesen Tagen seiner Tochtergesellschaft grünes Licht für eine neue Investitionsgesellschaft gegeben. Erste Projekte sollen die Windparks in Vöckinghausen und Roggenberg in Bockum-Hövel sein.

Was ist im Hammer Osten geplant?

Vor rund einem Jahr wurden die Pläne der Stadtwerke für vier Windräder in einem Windpark im Hammer Osten öffentlich. Die Anlagen vom Typ Enercon E-175 haben je eine Leistung von sechs Megawatt und eine Gesamthöhe von 250 Metern. Die Standorte liegen auf vier Flurstücken in Landschaftsschutzgebieten, drei davon in der Gemarkung Vöckinghausen und einer in Osttünnen. Zu der Zeit hieß es bereits seitens der Stadtverwaltung, dass laut Gutachter keine erheblichen negativen Auswirkungen auf Natur oder Umwelt zu erwarten seien.

Die Stadtwerke und die Erneuerbaren

Die erneuerbaren Energien, etwa aus Photovoltaik, gelten als eine zentrale Säule der Energiewende. Windenergieanlagen werden unter anderem in Deutschland als ihr wichtigstes und kostengünstigstes Fundament bezeichnet. Sie können im Vergleich zu anderen Technologien große Strommengen auf relativ kleiner Fläche zu niedrigen Erzeugungskosten liefern. Der Anteil der Erneuerbaren am verkauften Strom liegt bei den Stadtwerken Hamm bei 55,4 Prozent, im bundesweiten Durchschnitt aber bei 63,3 Prozent. Nach Angaben der Stadtverwaltung verfügen die Stadtwerke derzeit über ein so genanntes Erzeugungsportfolio von rund 49,1 Megawatt aus regenerativer Energie. Es besteht aus eigenen Anlagen oder aus Beteiligungen. Dieses reiche, um etwa 37000 Kunden ein Jahr lang mit Strom zu versorgen, heißt es. Durch die neuen Gesellschaften sollen weitere Ausbaupotenziale für erneuerbare Energien erschlossen werden.

Wie weit sind die Planungen?

Für Windenergieanlagen gibt es keine feste und gesetzlich garantierte Einspeisevergütung mehr, sondern eine Förderung über Ausschreibungen der Bundesnetzagentur. Für zwei der vier Anlagen haben die Stadtwerke bereits den entsprechenden EEG-Zuschlag erhalten. „Das heißt, diese werden auch gebaut“, sagt Stadtwerkesprecherin Cornelia Helm auf Nachfrage. EEG steht für „Erneuerbare-Energien-Gesetz“. Darüber wird unter anderem die Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Quellen geregelt.

Die anderen beiden Windräder müssen noch warten. „Für weitere Anlagen gibt es noch keinen EEG-Zuschlag“, sagt sie.

Was hat nun der Stadtrat beschlossen?

Kern des Beschlusses ist die Gründung der neuen Stadtwerke Hamm EE-Anlagen GmbH & Co. KG. Über diese Gesellschaft sollen künftige Investitionen in erneuerbare Energien gebündelt werden. Die Beteiligung der Stadtwerke kann dabei bis zu 30 Millionen Euro umfassen.

Als erste konkrete Projekte sollen die Windpark Vöckinghausen GmbH & Co. KG und die Windpark Roggenberg GmbH & Co. KG gegründet werden. Für die Projektgesellschaft Vöckinghausen sind Einlagen von bis zu vier Millionen Euro vorgesehen.

Warum eigene Projektgesellschaften?

Projektgesellschaften minimieren Risiken und erleichtern Beteiligungen. So lassen sich zum Beispiel Haftungsrisiken eingrenzen, etwa bei einem großen, nicht abgesicherten Schaden oder einem wirtschaftlichen Fehlschlag. Außerdem kann eine Projektgesellschaft eine gezielte Beteiligung von Bürgern und Partnern vor Ort ermöglichen. So wird angestrebt, dass die Stadtwerke bei einzelnen Projekten nur 20 bis 30 Prozent einer Investition übernehmen.

Was spricht für die beiden Windparkstandorte?

Vöckinghausen und Roggenberg gehören zu den Vorhaben, die kurzfristig umgesetzt werden können. Laut Verwaltung zeigen die Wirtschaftlichkeitsberechnungen unter konservativen Annahmen eine Eigenkapitalrendite, die die im Gesellschaftsvertrag festgelegten Mindestrenditeanforderungen erfüllt.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Die Gründung der neuen Gesellschaften ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Die operative Tätigkeit der Stadtwerke Hamm EE-Anlagen GmbH & Co. KG soll voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 beginnen. Bereits Ende 2027 könne mit einem Baubeginn der Windräder gerechnet werden, sagt die Stadtwerke-Sprecherin. „Die Inbetriebnahme ist für Ende 2028 geplant.“

Artikel von Westfälischer Anzeiger