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Automobilindustrie

Reifenwechsel selbst machen: Wenn aus 30 Euro 700 Euro werden – das raten Experten

Hannah Decke
22/10/2026 20:00:00
Den saisonalen Reifenwechsel kann man selber durchführen – doch es ist wichtig, einige Sicherheits-Tipps zu beachten. (Symbolbild)

Tipps von Profis

Viele Autofahrer wechseln jetzt auf Winterreifen, manch einer macht es sogar selbst. Fehler können dabei schnell teuer werden. Experten geben Tipps.

Hamm – Wenn die Temperaturen sinken, steht für viele Autofahrer in NRW der Wechsel auf Winterreifen an. Eine Werkstatt berechnet dafür in der Regel zwischen 30 und 50 Euro. Wer am Wechsel spart und selbst Hand anlegt, geht ein Risiko ein. Experten erklären, worauf zu achten ist.

Den saisonalen Reifenwechsel kann man selber durchführen – doch es ist wichtig, einige Sicherheits-Tipps zu beachten. (Symbolbild)

Wenn der Reifenwechsel zu Hause schiefgeht, wird es schnell teuer. Zum Beispiel, wenn man den Wagenheber an der falschen Stelle ansetzt oder Schrauben zu lose angezogen werden. Der Inhaber einer Kfz-Werkstatt im bayrischen Bad Tölz berichtet jüngst von einem Fall, bei dem ein Reifenwechsel für eigentlich 30 Euro zu einer Reparatur für 700 Euro geworden sei. Wer die Reifen selbst wechseln möchte, braucht das nötige Wissen, das passende Werkzeug und die nötige Sorgfalt, sagt auch der TÜV Nord.

Reifenwechsel in Eigenregie kann teuer werden – was Fachleute raten

Entscheidend seien die korrekte Montage, das Anziehen der Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment und die anschließende Kontrolle des Reifendrucks, erklärt TÜV-Sprecher Claas Alexander Stroh auf Anfrage von wa.de. Wer unsicher sei oder keine passende Ausstattung habe, solle den Wechsel einer Fachwerkstatt überlassen. „Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen“, so Stroh.

Auch ATU empfiehlt den Wechsel in der Werkstatt. Wer Reifen selbst wechseln möchte, könne das zwar grundsätzlich tun. Bei modernen Fahrzeugen mit Reifendruck-Sensoren müssten diese aber oft angelernt werden, was zu Hause in vielen Fällen nicht möglich sei.

Wer dennoch selber auf Winterreifen wechseln möchte, sollte laut TÜV Nord folgende Dinge beachten:

Wann die Winterreifen drauf müssen

Als Faustregel gilt „O bis O“, also Winterreifen von Oktober bis Ostern. Entscheidend sind jedoch die tatsächlichen Witterungsverhältnisse, erklärt der TÜV Nord. In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch oder Reifglätte dürfen Fahrzeuge nur mit geeigneten Winterreifen fahren. „Wir empfehlen außerdem, den Reifenwechsel rechtzeitig zu planen und nicht bis zum ersten Wintereinbruch zu warten“, sagt Stroh. Vor allem im Bergland von NRW können Glatteis und Schnee bereits Ende Oktober auftreten.

Achten sollten Autofahrer bei den Winterreifen auf das Alpine-Symbol, also das Bergpiktogramm mit Schneeflocke (3PMSF – steht für „Three Peak Mountain Snowflake“). Seit dem 1. Januar 2018 neu hergestellte Winter- und Ganzjahresreifen müssen es tragen. Reifen, die nur die M+S-Kennzeichnung (Matsch und Schnee) haben, erfüllen die Anforderungen seit Ablauf der Übergangsfrist am 30. September 2024 nicht mehr.

Profil und Alter im Blick behalten

Gesetzlich vorgeschrieben ist in Deutschland eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern, erklärt Claas Alexander Stroh. Sicherer sei es, Sommerreifen spätestens bei drei Millimetern und Winter- oder Ganzjahresreifen bei vier Millimetern zu ersetzen. Bei Nässe, Schnee und Matsch verlängere sich der Bremsweg bei geringerem Profil deutlich, und das Aquaplaning-Risiko steige.

Auch das Alter zählt. Gummi altert und härtet aus, der Grip lässt nach. ATU rät, Winterreifen nach sechs Jahren, spätestens aber nach acht Jahren zu ersetzen, unabhängig vom Profil. Eine feste Kilometerangabe gibt es laut TÜV Nord nicht, denn die Lebensdauer hängt von Fahrstil, Fahrzeug, Reifendruck, Achsgeometrie und Lagerung ab. ATU nennt als groben Richtwert 30.000 bis 50.000 Kilometer für Pkw-Reifen.

Ganzjahresreifen als Option in NRW

Für Wenigfahrer, die sich vor allem in schneearmen Ballungsgebieten bewegen, können Ganzjahresreifen laut ATU eine Alternative sein. Sie dürfen auch bei Schnee und Matsch gefahren werden – allerdings mit entsprechendem Alpine-Symbol. Dafür würden sie durch die ganzjährige Nutzung schneller verschleißen.

Artikel von Westfälischer Anzeiger