Streaming-Dienst verschärft Kontrollen
Wer sich ein Spotify-Familienabo mit Freunden außerhalb der eigenen vier Wände teilt, muss nun aufpassen: Der Streaming-Dienst führt eine QR-Code-Prüfung ein.
Kassel – Für Spotify-Nutzer, die gemeinsam mit Freunden über mehrere Haushalte hinweg ein „Premium Family“-Abo genutzt haben, könnte Ärger drohen. Offiziell war die Regelung schon immer eindeutig: Bis zu sechs Personen können bei Spotify das „Premium Family“-Abo gemeinsam nutzen. Aber nur, wenn sie an derselben Wohnadresse gemeldet sind. In der Praxis reichte es bislang jedoch völlig aus, bei der Anmeldung einmalig dieselbe Anschrift einzutippen. Standortdaten glich Spotify aus Datenschutzgründen nicht ab. Entsprechend weit verbreitet ist das Teilen der Zugänge über Haushaltsgrenzen hinweg.
Spotify-Family-Verifizierung: QR-Code vor Ort – so läuft die neue Prüfung ab
Damit soll nun schrittweise Schluss sein. Auf seinen Support-Seiten beschreibt Spotify ein neues Verifizierungsverfahren:
- Gemeinsames Scannen: Der Hauptnutzer (Abo-Verwalter) ruft in der Spotify-App einen QR-Code auf. Das jeweilige Familienmitglied muss diesen Code mit der eigenen Smartphone-Kamera direkt vor Ort einscannen.
- Kein Screenshot-Trick: Der angezeigte Code aktualisiert sich Berichten von heise online und Bild sowie Nutzererfahrungen zufolge alle paar Sekunden dynamisch. Ein simpler Screenshot per Messenger reicht zur Verifizierung also nicht aus.
- Knappe Frist: Sobald Spotify zur Überprüfung auffordert, bleiben den Nutzern lediglich sieben Tage Zeit.
Das Verfahren wird schrittweise ausgerollt und ist derzeit noch nicht für alle Konten oder App-Versionen aktiv. Spotify behält sich jedoch vor, den Nachweis jederzeit stichprobenartig einzufordern.
Die Spotify-Abo-Modelle im Überblick
Free: Kostenlos mit Werbeunterbrechungen, eingeschränkte Shuffle-Wiedergabe auf Smartphones.
Premium Individual (11,99 €/Monat): 1 Konto, werbefrei, Offline-Modus, inkl. 12 Std. Hörbücher.
Premium Student (6,99 €/Monat): 1 Konto für eingeschriebene Studierende.
Premium Duo (17,99 €/Monat): 2 Konten – Bedingung: Gleiche Wohnadresse.
Premium Family (21,99 €/Monat): Bis zu 6 Konten – Bedingung: Gleiche Wohnadresse, inkl. Spotify Kids.
Spotifys neue Regel fürs Familienabo: Was passiert, wenn die Frist verstreicht?
Wer die Verifizierung innerhalb der siebentägigen Frist nicht abschließt oder falsche Angaben macht, wird aus der Familiengruppe entfernt. Die Konsequenzen sind spürbar:
- Rückstufung auf Gratis-Konto: Betroffene Konten werden automatisch auf die werbefinanzierte Spotify-Version zurückgesetzt. Wer weiterhin werbefrei hören will, muss ein eigenes Einzel-Abo zum regulären Monatspreis abschließen. Wer Geld sparen will, kann alternativ auf Jahres-Guthabenkarten für Spotify zurückgreifen.
- Einjährige Sperre: Ausgeschlossene Nutzer können zwölf Monate lang keinem anderen Family- oder Duo-Abo mehr beitreten.
Spotify macht es Abo-Tricksern schwerer: Kritik an kurzer Frist – und erste Schlupflöcher
In Online-Foren wie Reddit sorgt die Neuerung bereits für Unmut. Wie RTL schreibt, stößt vor allem das knappe Zeitfenster von sieben Tagen auf Kritik: Wer gerade im Urlaub, auf Geschäftsreise oder auf Schullandheim-Fahrt ist, riskiert unfreiwillig den Verlust seines Zugangs. Ganz lückenlos ist die technische Hürde allerdings noch nicht. Erste Nutzer berichten laut Bild, dass sich die Verifizierung auch aus der Ferne überlisten lässt – etwa per Live-Bildschirmfreigabe in Videoanrufen (z. B. via Microsoft Teams), indem der Code direkt von einem zweiten Monitor abfotografiert wird.
Ob Spotify diese Lücke technisch noch schließt, ist derzeit offen. Mit dem verschärften Vorgehen folgt der Musikriese dem Vorbild von Video-Streamingdiensten: Auch bei Netflix und Disney+ wird gegen Account-Sharing vorgegangen, um Nutzer in eigene Abonnements zu bewegen. (Quellen: heise, Bild, RTL) (fbu)