50 Euro pro Termin
Friseurpreise klettern seit Jahren. Für viele ist eine Schmerzgrenze erreicht, wie eine Debatte im Netz zeigt. Die Preiserhöhungen haben aber ihre Gründe.
Hamm – Friseurbesuche werden in Deutschland immer teurer – und das spüren Kunden deutlich. Ein Mann aus Süddeutschland schildert, wie er nach seinem letzten Haarschnitt an der Kasse einen Zettel in die Hand gedrückt bekam: Ab Februar würden die Preise „moderat“ steigen – um etwa zehn Prozent. Aus 40 Euro werden 44 Euro. Zusammen mit seinem üblichen Trinkgeld von fünf Euro landet er bei 49 Euro pro Haarschnitt. Auf Reddit wollte er wissen, ob andere Ähnliches erleben – und traf einen Nerv.
Der Mann besucht denselben Salon seit drei bis vier Jahren. Den etwas höheren Preis gegenüber günstigeren Alternativen hatte er bewusst gewählt: fester Stylist, verlässliche Termine, konstante Qualität. Jährliche Preisanpassungen nahm er hin – doch bei 49 Euro zieht er die Grenze. „Somit ist meine seelische und moralische Grenze beim Spaß erreicht“, schreibt er.
„Finde ich schon sehr happig“: Fast 50 Euro für einen Männerhaarschnitt sind keine Ausnahme mehr
Viele Kommentatoren kennen das Gefühl – oder zahlen sogar noch mehr. Ein Nutzer aus Stuttgart gibt 65 Euro pro Besuch aus, kommt dafür aber nur alle zwei Monate und ist zufrieden: Sein Friseur hat einen Meister, der Termin dauert eine Stunde, die Qualität stimmt, berichtet er.
Ein Mann aus Erlangen – einer Stadt, die er selbst als teuer einschätzt – zahlt 30 Euro für einen einfachen Trockenschnitt bei einem gelernten Friseur. „Fast 50 Euro finde ich schon SEHR happig“, kommentiert er. Ein Berliner Nutzer zahlt inzwischen ebenfalls „ein Fuffie“ – und gibt an, kein Trinkgeld mehr zu geben, was bei 20 Euro noch selbstverständlich war. Doch ein Friseurtermin kann unter Umständen sogar über hundert Euro kosten.
Andere haben längst eigene Konsequenzen gezogen: Ein Münchner kaufte sich 2020 für rund 60 Euro einen Haarschneider und schneidet sich seitdem alle drei bis vier Wochen in zehn bis fünfzehn Minuten selbst. Einige berichten von Preisen zwischen 15 und 35 Euro – doch auch diese sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Auch eine Braut wütete zuletzt vor ihrer Hochzeit über immense Friseurkosten.
Preise beim Friseur für normalen Männerhaarschnitt?
by u/balii28 in FragtMaenner
Zahlen bestätigen Beobachtungen aus Friseur-Debatte: Preise seit 2020 um mehr als 30 Prozent gestiegen
Die persönlichen Erfahrungen spiegeln wider, was Zahlen belegen. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Preise für Herrenfriseurleistungen im Jahr 2025 rund 31 Prozent über dem Niveau von 2020. Frauen zahlten im gleichen Zeitraum etwa 28 Prozent mehr, wie wiwo.de berichtet.
Konkrete Durchschnittswerte veröffentlicht der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks kaum noch. Zuletzt bekannt: 2022 kostete ein Männerhaarschnitt bundesweit im Schnitt 28,25 Euro, nach 27,48 Euro im Vorjahr, wie handwerksblatt.de berichtet. Angesichts weiterer Preissteigerungen dürfte dieser Wert inzwischen deutlich höher liegen.
Mindestlohn-Erhöhung, Energiekosten, Inflation – das sind die Gründe für die steigenden Friseurpreise
Die Ursachen sind vielschichtig. Zunächst trieben Hygienemaßnahmen während der Pandemie die Kosten nach oben. Später kamen hohe Energiepreise und allgemeine Inflation hinzu. Besonders spürbar ist der gestiegene gesetzliche Mindestlohn – in einem so personalintensiven Handwerk wie dem Friseurgewerbe wirkt er sich stark aus.
Gleichzeitig schrumpft die Branche: Nachwuchs fehlt, die Zahl der Auszubildenden ist stark zurückgegangen. Wer qualifizierte Fachkräfte hält, muss sie gut bezahlen – und gibt diese Kosten weiter. Laut Verbandsangaben wuchs der Gesamtumsatz des Friseurhandwerks zuletzt nur dank Preiserhöhungen, nicht dank mehr Kunden. Im Gegenteil: „Kundinnen und Kunden halten sich weiterhin mit Ausgaben zurück, was die Auslastung vieler Salons drückt“, heißt es aus dem Verband. Quellen: reddit.com, wiwo.de, handwerksblatt.de (bk)