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Gesundheit

Biologen entdecken Schalter im Kopf, der Heißhunger aktiviert – selbst nach dem Essen

03/03/2026 15:27:00

Peptid im Hypothalamus

Die Zeit, die man sich zum Essen nimmt, kann entscheidend fürs Hungergefühl sein.

Im MRT wiesen Forscher ein Peptid im Hypothalamus nach, das das hemmende Sättigungssignal überdeckt.

London – Eine aktuelle Studie der University of East Anglia zeigt, dass das menschliche Gehirn auch dann noch starke „Belohnungssignale“ sendet, wenn Menschen Bilder von verlockenden Lebensmitteln sehen, obwohl sie bereits satt sind, berichtete EurekAlert. Die Forscher erklären, dass dieser Mechanismus das unwiderstehliche Verlangen nach Snacks nachvollziehbar macht.

An dem Experiment, das in der Fachzeitschrift „Appetite“ veröffentlicht wurde, nahmen 76 erwachsene Freiwillige teil. Zu Beginn erlernte jede Person in einem Computerspiel, Bilder von Süßigkeiten, Schokolade, Chips und Popcorn mit Geldgewinnen zu verknüpfen. Anschließend durften die Teilnehmer ein belohntes Lebensmittel essen, bis sie keinen Hunger mehr verspürten. Während der gesamten Sitzung führten die Forscher Elektroenzephalogramm-Messungen (EEG) durch.

Belohnungssignale trotz Sättigung

Trotz eines deutlichen Rückgangs des selbst berichteten Verlangens und der Bereitschaft, das Essen gegen andere Belohnungen einzutauschen, blieben die Lust- und Motivationskreisläufe im Gehirn ebenso aktiv, wenn die Bilder erneut gezeigt wurden. Die Ergebnisse legen nahe, dass das Signal „Ich bin satt“ aus dem Magen die Reaktion nicht dämpft.

Der leitende Forscher Dr. Thomas Sambrook erklärte, die Daten zeigten, dass das Gehirn „keine Befehle vom Magen entgegennimmt“. Er wies darauf hin, dass Überessen häufig auf mangelnde Willenskraft zurückgeführt wird. Die Daten deuten jedoch auf ein tiefer liegendes physiologisches Tauziehen hin.

Die moderne Umwelt ist von intensiven Reizen geprägt – Werbetafeln, Smartphone-Videos und Produktplatzierungen in Supermärkten aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn und umgehen die natürliche Appetitkontrolle. Sobald diese Reize erlernt sind, erkannte das Forschungsteam keinen Zusammenhang zwischen den exekutiven Funktionen oder der allgemeinen Selbstkontrolle der Teilnehmer und der anhaltenden Belohnungsreaktion.

Streben nach Befriedigung und Genuss

Auch Personen mit ausgeprägten kognitiven Kontrollfähigkeiten können Schwierigkeiten haben, wenn der bloße Anblick eines Snacks einen Kreislauf in Gang setzt, der evolutionär in Zeiten knapper Kalorienversorgung entstand, berichtete die New York Post. Dieser automatische Reiz könnte erklären, warum die weltweiten Adipositasraten weiter steigen.

Menschen essen heute nicht mehr nur zur Energieversorgung, sondern suchen routinemäßig „Befriedigung und Genuss“ – eine Veränderung, die die Forscher als neuronales Rezept für übermäßiges Essen bezeichnen. Das Team betonte, dass die Weigerung des Gehirns, die Attraktivität eines Lebensmittels nach der Sättigung zu reduzieren, eine wesentliche Ursache für die Aufnahme überschüssiger Kalorien darstellt.

Dies erklärt auch, warum viele Menschen am Nachmittag zu Schokolade greifen oder nach dem Abendessen eine Tüte Chips essen. Steuernd für das Verhalten ist nicht der biologische Hunger, sondern das Signal selbst.

Gefahr durch ultra-verarbeitete Lebensmittel

Ultra-verarbeitete Snacks verschärfen das Problem zusätzlich. Lebensmitteltechnologen entwickeln Produkte wie Chips oft so, dass sie sich nahezu sofort im Mund auflösen. Dadurch erreichen sie nicht den Darmabschnitt, der das Sättigungshormon freisetzt. Fehlt diese hormonelle Rückmeldung, erhält das Gehirn keine klare „Stopp“-Botschaft. Größere Portionen können konsumiert werden, bevor das Sättigungsgefühl einsetzt.

Kinder sind besonders anfällig

Forscher stellen fest, dass Kinder besonders schlecht darauf vorbereitet sind, dieses fehlende Signal zu ignorieren. Marketing, das leuchtende Farben und Comic-Maskottchen mit besonders schmackhaften Produkten kombiniert, macht sie besonders anfällig.

Im Gegensatz dazu passieren weniger verarbeitete Lebensmittel wie Popcorn, Haferkekse, Obst- und Gemüsesnacks den Verdauungstrakt auf eine Weise, die den natürlichen Rhythmus von Hunger und Sättigung bewahrt.

Belohnungssystem neu kalibrieren

Die Autoren argumentieren, dass die künstlich veränderten Eigenschaften von Lebensmitteln und die ständige visuelle Stimulation zu gewohnheitsartigen Essreaktionen führen können. Diese Abläufe erfolgen weitgehend unbewusst. Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die ausschließlich auf persönliche Verantwortung setzen, verfehlen möglicherweise die zugrunde liegenden neurologischen Prozesse.

Die Forscher empfehlen deshalb, die Exposition von Kindern gegenüber aufdringlicher Werbung zu begrenzen, den Zugang zu weniger verarbeiteten Lebensmitteln zu fördern und die ständige Reizüberflutung durch kalorienreiche Produkte zu reduzieren. Solche Strategien könnten langfristig das Belohnungssystem des Gehirns neu kalibrieren. (Redaktion)

Artikel von KaiK.ai