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Technik

36 Jahre „Hubble“: Das Teleskop, das den Blick der Menschen auf das Universum veränderte

Tanja Banner
24/04/2026 05:00:00

Weltraumteleskop

Vor 36 Jahren startete „Hubble“ mit einem fatalen Fehler – und wurde trotzdem zum bedeutendsten Teleskop der Geschichte. Doch seine Zeit läuft ab.

Washington D.C. – Vor 36 Jahren – am 24. April 1990 – brachte das Space Shuttle „Discovery“ ein Weltraumteleskop in den Erdorbit, das den Blick der Menschen auf das Universum verändern sollte. Es war die Geburtsstunde des „Hubble“-Weltraumteleskops. Doch mit dem heute berühmten Teleskop lief zu Beginn längst nicht alles glatt: Ursprünglich sollte „Hubble“ bereits im Oktober 1986 in die Erdumlaufbahn geschossen werden, doch das „Challenger“-Unglück verschob den Start um mehrere Jahre.

Das „Hubble“-Weltraumteleskop hat den „Trifidnebel“ (M20) zu seinem 36. Geburtstag im Jahr 2026 aufgenommen.

Kurz nachdem das Teleskop im Erdorbit angekommen war, stellte sich zudem heraus, dass es einen Fehler im Hauptspiegel gab – die „Hubble“-Bilder waren unbrauchbar. Bei einer teuren Reparaturmission im Dezember 1993 behoben Astronauten diesen Fehler und das Teleskop wurde endlich einsatzbereit.

„Hubble“-Weltraumteleskop von NASA und ESA liefert unglaubliche Weltall-Bilder

Seitdem liefert „Hubble“ unglaubliche Bilder und Daten aus dem Weltall – und hat das Verständnis der Forschung vom Universum nachhaltig verändert. So war das Teleskop unter anderem an dem Beweis beteiligt, dass im Zentrum der meisten Galaxien ein supermassereiches schwarzes Loch existiert. Es hat dabei geholfen, das Alter des Universums zu bestimmen, und detailliert dokumentiert, wie Sterne entstehen und sterben. Auch bei der Identifizierung der ältesten Sterne und Galaxien des Universums hat „Hubble“ mitgeholfen und auch die Planeten des Sonnensystems hat das Weltraumteleskop immer wieder im Blick.

Die Daten, die das „Hubble“-Weltraumteleskop sammelt, führten auch schon zu einem Nobelpreis: 2011 erhielten die Forscher Saul Perlmutter, Brian P. Schmidt und Adam Riess den Physik-Nobelpreis für eine auf „Hubble“-Daten basierende Arbeit, die zeigte, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt. Für Laien sind die bunten Bilder aus dem Weltall wohl das Spannendste, was „Hubble“ liefert.

Mitte 2033 soll das „Hubble“-Teleskop auf die Erde stürzen

Doch die Zeit des Teleskops endet langsam. 2009 besuchten Astronauten das „Hubble“-Teleskop zum letzten Mal, um die technische Ausstattung zu warten und zu verbessern. Seit dem Ende des Shuttle-Programms 2011 sind keine weiteren Reparaturmissionen mehr möglich. Das Teleskop umkreist die Erde in einer Höhe von knapp 500 Kilometern und wird ständig von der Erde angezogen. Derzeit trägt das Maximum der Sonnenaktivität dazu bei, dass „Hubble“ schneller in Richtung Erde sinkt. Den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre sagen Fachleute für Mitte 2033 vorher.

In den vergangenen Jahren hatte das Teleskop immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen. Seit 2024 sind beispielsweise nur noch zwei von ursprünglich sechs Gyroskopen funktionsfähig. Um diese möglichst lange nutzen zu können, wird künftig nur noch eines beim Ausrichten des Teleskops verwendet, teilte die NASA mit. Mehrmals schaltete sich das Gerät außerdem in einen „Safe Mode“ – wissenschaftliche Beobachtungen mussten pausieren. Derzeit läuft das „Hubble“-Teleskop wieder voll, doch man spürt, dass es altert.

„Hubble“-Teleskop hat schon einen Nachfolger

Bereits seit 2021 hat „Hubble“ einen Nachfolger: Das „James Webb“-Weltraumteleskop kann noch tiefer ins Universum blicken als „Hubble“ und liefert ebenfalls atemberaubende Bilder und Daten, die das Verständnis des Universums auf den Kopf stellen. Doch auch „Hubble“ ist für die Forschung nach wie vor interessant und wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weiter genutzt, um Himmelsobjekte zu beobachten.

Den 36. „Geburtstag“ des Weltraumteleskops feiern die Betreiberinnen NASA und ESA mit einem neuen, farbenprächtigen Bild aus den Tiefen des Universums. Der abgelichtete Trifidnebel (M20) befindet sich etwa 5.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Schütze. Es handelt sich um eine Sternentstehungsregion, die „Hubble“ zuletzt 1997 beobachtet hatte. Entstanden ist dabei nicht nur ein schönes Bild, sondern auch wissenschaftlicher Mehrwert für die Forschung: Schaut man genau hin, kann man sehen, dass sich der Nebel seit 1997 etwas verändert hat. Das erlaubt es Forschenden, zu bestimmen, wie viel Energie ein entstehender Stern ins Weltall abgibt.

Rettung für das „Hubble“-Teleskop?

Im September 2022 unterzeichneten NASA und SpaceX eine Vereinbarung, um die Machbarkeit einer privaten Mission zu untersuchen: Der Milliardär Jared Isaacman bot an, das „Hubble“-Teleskop mit einem „Crew Dragon“-Raumschiff kostenlos in eine höhere Umlaufbahn zu bringen – ein sogenannter „Reboost“, der die Lebensdauer um bis zu 20 Jahre verlängern könnte. Im Juni 2024 lehnte die NASA das Vorhaben nach Abschluss der Studie ab – die Risiken überwogen aus Sicht der Behörde den Nutzen. Ironischerweise wurde Isaacman im Dezember 2025 selbst zum NASA-Administrator ernannt, hat die Mission bisher aber nicht wieder aufgegriffen.

„Hubble“-Teleskop steht für unglaubliche Beobachtungen und Einblicke ins Universum

Der schwierige Start im April 1990, der Spiegelfehler und die aufwendige Reparatur – all das ist längst Geschichte. Was bleibt, ist ein wissenschaftliches Vermächtnis, das seinesgleichen sucht: Das „Hubble“-Teleskop steht für zehntausende Beobachtungen, unzählige Entdeckungen und Bilder, die Generationen von Menschen für das Universum begeistert haben. In wenigen Jahren wird „Hubble“ verglühen, doch sein Blick auf den Kosmos wird der Menschheit noch lange erhalten bleiben – in Datenbanken, Lehrbüchern und in der Erinnerung an ein Teleskop, das trotz aller Widrigkeiten zu den Sternen blickte. (Quellen: eigene Recherche, NASA, ESA) (tab)

Artikel von KaiK.ai