menu
menu
Kindererziehung

„Fehlt Gehirnentwicklung“: Psychologe warnt vor beliebtem Kinder-Hobby

Sophia Sichtermann
10/10/2026 08:53:00

„Für Kinder schädlich“

Eine Lehrerin warnt vor einem beliebten Hobby vieler Kinder. Ein Experte erklärt, worauf Eltern achten sollten.

Hamburg – Videospiele sind mittlerweile seit Jahrzehnten bei Kindern und Jugendlichen verschiedener Generationen beliebt. Während in den Achtziger- und Neunzigerjahren vor allem auf Spielekonsolen wie dem Nintendo oder der PlayStation gespielt wurde, kamen später Computerspiele hinzu, und heute spielen viele Menschen auch gern am Smartphone. Für viele ist das Spielen ein Hobby und ein Ausgleich vom Alltag. Gerade bei jungen Kindern kann das Spielen allerdings auch mit negativen Folgen einhergehen.

Eltern sollten jedes Computerspiel ihrer Kinder selbst getestet haben, sagt ein Experte. (Symbolbild)

Eine Grundschullehrerin berichtet in einem Beitrag auf Instagram, welche Spiele sie für ungeeignet hält. Insbesondere warnt sie vor Roblox – einer Onlineplattform, auf der Nutzer auf verschiedene Spiele zugreifen können. „Sie sind unkontrollierbar. Fremde können die Kinder online jederzeit anchatten“, sagt sie. Zudem beinhalteten die Spiele meist Gewalt und Monster. Auch Minecraft bewertet die Lehrkraft kritisch: Dadurch, dass das Spiel kein definiertes Ende habe, könne eine Sogwirkung entstehen. In den Kommentaren stimmen einige zu: „Roblox ist ein Albtraum und nicht für Kinder.“ Wie gefährlich sind die Spiele wirklich für Kinder? Das haben wir einen Experten gefragt.

Professor: Spiele ohne klares Ende können Kinder gedanklich vereinnahmen

„Spiele ohne klares Ende konfrontieren Kinder mit einer virtuellen Welt, in der es unbegrenzt Dinge zu tun gibt und man nie das Gefühl hat, fertig zu sein“, sagt Florian Rehbein, Professor für Suchthilfe und Suchtprävention an der FH Münster, der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Dies könne „exzessives Spielverhalten und gedankliche Vereinnahmung“ zur Folge haben. Je jünger die Person, desto überfordernder könnten die Spielwelten wirken: „Grundschulkindern fehlt schlicht die ausgereifte Gehirnentwicklung, um diesen Impulsen zu widerstehen.“

Ein erster Indikator, den es zu prüfen gelte, sei die Frage: Hat das Spiel eine abgeschlossene Handlung? Dies müssten nicht einmal die klassischen „Level“ sein, die nach dem Absolvieren eine Ausstiegsmöglichkeit geben – „es kann auch einfach eine Geschichte sein, die ein Ende hat.“

Welche Spiele sind für Kinder besonders bedenklich? Oft wird etwa vor Roblox gewarnt. Dabei handelt es sich um eine Plattform mit nutzergenerierten Einzelspielen, wie Rehbein erklärt. Die Eignung für bestimmte Altersgruppen könne deshalb nicht pauschal ausgesprochen werden. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) hat Roblox mittlerweile von 12 auf 16 Jahre hochgestuft. „Das muss man wirklich ernst nehmen. Für Grundschulkinder lautet die Empfehlung eindeutig: nicht nutzen“, sagt Rehbein.

Die Gefahren für Kinder auf Roblox seien vielfältig: Die Spiele könnten Gewaltdarstellungen beinhalten, zudem gebe es Interaktionsrisiken wie Cybergrooming. Hinzu kämen In-Game-Käufe, also die Möglichkeit, im Spiel reales Geld auszugeben, mit glücksspielähnlichen Mechanismen. „Das gesamte Paket möglicher Entwicklungsbeeinträchtigungen ist in dieser Plattform potenziell vorhanden.“

Experte: Viele Eltern sind überfordert

Was können Eltern tun, wenn sie ihren Kindern Spiele ermöglichen wollen? „Gerade bei jüngeren Kindern sollten Eltern nie Spiele erlauben, die sie sich nicht selbst angeschaut haben. Im besten Fall spielen sie mit den Kindern zusammen“, rät Rehbein. Das zeigt sich besonders am Beispiel von Minecraft: Das Spiel lässt sich stark verändern – je nachdem, ob es im Kreativmodus als Singleplayer gespielt wird oder im Survival-Modus mit Monstern. Der Kreativmodus sei dabei der harmlosere der beiden, da dort alle Ressourcen sofort zur Verfügung stehen und Kinder einfach losbauen können. „Ganz problematisch wird es im Survival-Modus, wenn Spielerinnen und Spieler ständig von Monstern attackiert werden, Gegenstände verlieren und alles, was aufgebaut wurde, wieder verloren geht“, erklärt Rehbein.

Nicht nur Kinder, auch Eltern stehen bei der Entscheidung über die richtigen Spiele oft unter Druck. „Die vorherrschenden Gefühle bei vielen Eltern sind Überforderung und das Gefühl, überrannt zu werden – nach dem Motto: Die anderen dürfen das ja auch alle, ich will mein Kind nicht ausschließen“, beschreibt Rehbein die Situation. Dem stellt der Experte eine klare Haltung entgegen: „Die Norm, also das, was alle machen, ist kein Naturgesetz.“ Wer sein Kind also nicht Roblox spielen lasse, bewirke, dass sich die Norm in die richtige Richtung verschiebe – anstatt sich an etwas anzupassen, von dem man wisse, dass es „für Kinder schädlich“ sei. (Quellen: Instagram, eigene Recherche)

Artikel von Soester Anzeiger