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Automobilindustrie

„Das Oktober-O ist das Wichtigere“ – Was Autofahrer beim Reifenwechsel beachten sollten

Sarah Hanke
10/10/2026 06:30:00

Tipps für den Reifenwechsel

Wann sollten Autofahrer die Reifen wechseln und worauf kommt es dabei an? Ein Werkstattchef aus Welver gibt Tipps – von der richtigen Bereifung bis zu häufigen Fehlern.

Welver – Der erste Frost kommt selten mit Termin. Für den Reifenwechsel dagegen braucht es dann genau den. Viele orientieren sich dabei an der alten Faustregel „von O bis O“, von Oktober bis Ostern. Für Daniel Herrmann hat vor allem das erste „O“ Gewicht.

In der Werkstatt von Daniel Herrmann läuft die Reifenwechselsaison langsam an.

„Das Oktober-O, das ist das Wichtigere“, sagt der Welveraner Werkstattinhaber. Im Frühjahr sei es weniger problematisch, wenn die Sommerreifen nicht pünktlich zu Ostern aufgezogen werden. „Wenn das jetzt Ostern noch nicht drauf ist, ist das nicht ganz so dramatisch. Da es ja höchstens wärmer.“

Warum Autofahrer nicht auf den ersten Frost warten sollten

Im Herbst sieht das anders aus. Deshalb rät Herrmann auch seinen Kunden, sich weiterhin am Oktober zu orientieren, obwohl es draußen vielleicht noch vergleichsweise mild ist. Denn das Wetter kann schnell umschlagen. Morgens habe er vor zwei Wochen bereits vier Grad gemessen. „Bei Temperaturen unter acht Grad hat so ein Winterreifen eine bessere Haftung“, sagt Herrmann. Und sobald die Temperaturen deutlich sinken oder der erste Frost kommt, wollen erfahrungsgemäß viele Autofahrer gleichzeitig einen Termin. „Dann haben wir aber drei bis vier Wochen Vorlauf. Danach wird es eng“, so der Inhaber.

Noch ist die Lage in seiner Werkstatt entspannt. Seit etwa zwei Wochen wechseln Herrmann und seine Mitarbeiter die ersten Räder. In der Hochphase kommen bei ihm etwa zehn bis 15 Radwechsel am Tag zusammen, rund 600 sind es über die Saison. Gleichzeitig läuft das übrige Werkstattgeschäft weiter. „Es geht ja hier nicht nur um Reifen.“

Wann Winterreifen ausgedient haben

Bevor die eingelagerten Winterreifen wieder ans Auto kommen, lohnt ein genauer Blick. In der Werkstatt zeigt Herrmann die Verschleißmarkierungen im Profil. Auch das Alter spielt eine Rolle. „Ein Winterreifen sollte nach etwa acht Jahren ersetzt werden“, empfiehlt er. Dann werde die Gummibeschaffenheit härter und die Haftung schlechter.

 Bei Temperaturen unter acht Grad hat so ein Winterreifen eine bessere Haftung.

Daniel Herrmann, Kfz‑Werkstatt-Inhaber

Wie viele Lebensjahre so ein Reifen tatsächlich auf dem Buckel hat, lässt sich an der vierstelligen DOT-Angabe auf der Reifenflanke erkennen. Die ersten beiden Ziffern stehen für die Produktionswoche, die letzten beiden für das Produktionsjahr.

Ganzjahresreifen oder doch lieber zweimal wechseln?

Einen Anhaltspunkt beim Kauf biete zudem das EU-Reifenlabel, auf dem unter anderem Nasshaftung und Kraftstoffverbrauch angegeben sind. Müssen neue Reifen her, sollte auch die Kennzeichnung stimmen. „Er muss auf jeden Fall diese Winterkennung haben“, sagt Herrmann. Gemeint ist das Alpine-Symbol, der Berg mit Schneeflocke. Bei winterlichen Straßenverhältnissen reicht eine alleinige M+S-Kennzeichnung nicht mehr aus. Das Alpine-Symbol ist auch bei Ganzjahresreifen für Versicherungen und Polizei entscheidend, wenn sie im Winter gefahren werden.

„Da bin ich auch Fan von“, sagt der Welveraner Werkstattinhaber. „Wenn die Senioren hier einmal die Woche zum Bäcker fahren, dann wird das vollkommen reichen.“ Wer dagegen viele Kilometer fährt, sei nach seiner Einschätzung mit klassischen Sommer- und Winterreifen besser beraten.

Für Ganzjahresreifen sprechen vor allem die praktischen Vorteile: „Keine Wechselkosten zweimal im Jahr. Keine etwaigen Lagerkosten.“ Rund 400 Radsätze seiner Kunden hat der Inhaber nach eigenen Angaben in mehreren Lagern untergebracht.

Ein wichtiger Handgriff nach dem erfolgten Reifenwechsel

Und wenn zwei Reifen noch besser sind als die anderen? „Es steckt noch so in den Köpfen, dass das Bessere auf die Antriebsachse muss“, sagt Herrmann. Er rät zum Gegenteil: „Man sollte die besseren Reifen auf die Hinterachse montieren, weil das tatsächlich die spurführende Achse ist.“ Ganz aus den Augen verlieren sollte man Ganzjahresreifen am Auto trotzdem nicht. An der Antriebsachse sei der Verschleiß höher. Deshalb empfiehlt Herrmann, die Räder hin und wieder zwischen den Achsen zu tauschen, damit sie sich gleichmäßiger abnutzen.

Nach dem Wechsel bleibt schließlich noch eine Sache zu tun. Nach 50 bis 100 Kilometern sollten die Radschrauben kontrolliert beziehungsweise noch einmal nachgezogen werden. Dies nicht zu tun, ein großer Fehler: „Wir hatten schon mal welche, die kamen dann auf drei Rädern hierher. Aber dann auf so einem gelben Abschleppwagen“, berichtet er. Ein Szenario, das sich mit der Kontrolle nach dem Reifenwechsel vermeiden lässt. Und auch davor lohnt es sich, rechtzeitig zu handeln: Wann der erste Frost kommt, lässt sich nicht planen. Ein Termin zum Reifenwechsel dagegen schon.

Artikel von Soester Anzeiger