Wichtigste Auszeichnung der Buchwelt
Am Donnerstag um 13 Uhr verkündet Stockholm den Literaturnobelpreis 2026. Can Xue gilt als Favoritin, auch Atwood, Carson und Rushdie werden gehandelt. Wer gewinnt?
Stockholm – Das Geheimnis um den prestigeträchtigsten Literaturpreis der Welt wird heute gelüftet: Frühestens um 13.00 Uhr tritt der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie im historischen Börsensaal in der Stockholmer Altstadt vor die internationale Presse, um die diesjährige Preisträgerin oder den diesjährigen Preisträger des Literaturnobelpreises zu verkünden. Der Medizinnobelpreis ging zuletzt nach Deutschland.
Im vergangenen Jahr 2025 war die Wahl auf den ungarischen Schriftsteller László Krasznahorkai gefallen – gewürdigt „für sein unwiderstehliches und visionäres Œuvre, das inmitten apokalyptischen Terrors die Macht der Kunst bekräftigt“. Zu den bekanntesten Werken des 71-jährigen Kultautors zählen Meisterwerke wie „Satanstango“ und „Melancholie des Widerstands“.
Setzt die Jury das Muster fort? Chance auf die erste Nobelpreisträgerin 2026
In den vergangenen Jahren folgte das Nobelpreis-Komitee einem auffälligen Rhythmus: Die Auszeichnung ging nahezu regelmäßig im Wechsel an einen Mann und eine Frau. Vor Krasznahorkai war 2024 die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang („Die Vegetarierin“) geehrt worden.
Sollte sich diese Serie fortsetzen, stünden die Chancen für eine Schriftstellerin glänzend. Es wäre zugleich die allererste Frau unter den diesjährigen Nobelpreisträgern: Bei den bisher in dieser Woche verkündeten wissenschaftlichen Kategorien (Medizin, Physik und Chemie) gingen die Ehrungen ausnahmslos an Forscher. In der gesamten Geschichte des Literaturnobelpreises seit 1901 sind Frauen mit lediglich 18 Auszeichnungen unter 122 Preisträgern noch immer drastisch unterrepräsentiert.
Wettbüros und Kritiker: Atwood, Can Xue oder die ewige „Kaffeesatzleserei“
An hochkarätigen Kandidatinnen mangelt es der Weltliteratur nicht. Literaturkritiker Denis Scheck sieht unter anderem die kanadische Bestseller-Autorin Margaret Atwood („Der Report der Magd“), die US-Schriftstellerin Siri Hustvedt sowie die chinesische Avantgarde-Autorin Can Xue im engsten Favoritenkreis – alle drei verfügten über ein wahrhaft „beeindruckendes Werk“.
Auf den Listen der internationalen Wettbüros rangieren neben Can Xue auch die kanadische Lyrikerin Anne Carson, die australischen Autoren Gerald Murnane und Alexis Wright sowie die aus der Karibik stammende US-Autorin Jamaica Kincaid ganz oben. Auch der Name des US-Postmoderne-Giganten Thomas Pynchon fällt wie in jedem Herbst. Doch Denis Scheck warnt vor voreiligen Wetten: Das Vorhersagen der Stockholmer Entscheidung gleiche alljährlich einer „Kaffeesatzleserei“. Die 18 Akademiemitglieder halten ihre Beratungen 50 Jahre lang streng unter Verschluss und sind berühmt für unberechenbare Überraschungsentscheidungen.
Eine Million Euro Preisgeld – Der weitere Fahrplan
Der Literaturnobelpreis ist – wie alle Kategorien in diesem Jahr – mit zwölf Millionen schwedischen Kronen (umgerechnet rund eine Million Euro) dotiert.
Seit Wochenbeginn stehen bereits die Preisträger der wissenschaftlichen Disziplinen fest, darunter ein doppelter deutscher Erfolg:
- Medizin: Die beiden deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel wurden gemeinsam mit dem US-Wissenschaftler Karl Deisseroth für die Entwicklung der bahnbrechenden Optogenetik ausgezeichnet.
- Physik: Ehrung für den belgisch-amerikanischen Astrophysiker Francis Halzen (IceCube-Neutrino-Observatorium).
- Chemie: Auszeichnung für den Franzosen Henri Kagan und den Japaner Kenso Soai für fundamentale Grundlagen in der asymmetrischen Katalyse und Wirkstoffentwicklung.
Nach dem Literaturpreis richtet sich die weltweite Aufmerksamkeit am Freitag (9. Oktober) nach Oslo, wo der diesjährige Friedensnobelpreis verkündet wird. Die Nobelpreis-Woche schließt am Montag (12. Oktober) mit dem von der Schwedischen Reichsbank gestifteten Preis für Wirtschaftswissenschaften ab. Überreicht werden alle Medaillen traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Quellen: Schwedische Akademie, dpa, Nobelstiftung (bk)