Jubiläum in Seligenstadt
Im Regio-Museum zeigt der Verein seine Geschichte – von selbst gebauten Vergrößerungsapparaten bis zur Diaschau mit fünf Bedienern. Zusammengestellt hat die Ausstellung ein Mitglied, das seit 1960 dabei ist.
Seligenstadt – 75 Jahre ist es her, dass sich neun begeisterte Fotografen zum Verein Fotofreunde Seligenstadt zusammenschlossen. Doch die Ursprünge liegen zwei Jahre eher (1949): Nach den Kriegswirren wollten damals einige die Fotografie wieder aufleben lassen, sie trafen sich zwanglos im Café Gruber in Seligenstadt. Am 6. Mai 1951 war es dann so weit. Eine handgezeichnete Urkunde ist Zeitzeugin, als man sich mit neun Fotobegeisterten als Verein dem Dachverband der Deutschen Amateurfotografen-Vereinigung (VDAV) anschloss. Eine Ausstellung widmet sich der 75-jährigen Geschichte.
Marke Eigenbau statt teurer Ausrüstung
Von den Gründern lebt niemand mehr. Sechs ihrer Original-Fotoapparate sind aber nun im Regio-Museum zu sehen. In Vitrinen sind alte Kameras und Kleinbilddiaprojektoren aus den 1950er/60er-Jahren ausgestellt. Zudem können Besucher den Weg vom Schwarz-Weiß-Negativfilm zur Fotoaufnahme verfolgen. Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Horst Müller, der seit 1960 Mitglied ist.
„Die meisten Mitglieder hatten damals eine Mittelformatkamera – vorwiegend der Marke Rollei“, erinnert sich Horst Müller. „Die SW-Filme wurden in der Küche oder im Fotolabor im Keller entwickelt. Es wurde viel experimentiert. Sogar die Vergrößerungsapparate wurden zum Teil selbst gebaut, da fertige Apparate der Industrie den Fotofreunden zu teuer waren. Die Bilder wurden dann zuhause auf Fotopapier vergrößert, um sie zu zeigen und auszustellen.“
Am Palmsonntag, 3. April 1951, zeigten die Fotofreunde ihre Werke in einer ersten Ausstellung im Saal des Gasthauses „Zum Schwanen“ in Seligenstadt. Diese lockte bereits mehr als 1.000 Besucher an. „Die Aufnahmen wurden in selbst gebauten Rahmen aus Hartfaserplatten ausgestellt, da fertige Rahmen zu teuer waren“, sagt Müller. Doch die Mitglieder fotografierten nicht nur, sie fuhren 1951 auch zur Photokina nach Köln. „Auf dem Fahrzeug montierten sie eine große Silhouette einer Kamera mit dem Schriftzug ‚Fotofreunde Seligenstadt‘, um Werbung für den eigenen Verein zu machen“, sagt Müller schmunzelnd.
Nach und nach kamen die Farbfilme auf den Markt. „Daraus entstand die Idee, einen Diavortrag über Seligenstadt unter der Überschrift ‚Selig sei die Stadt genannt‘ zu erstellen“, sagt Müller. Aus der Idee entstand eine Schau, untermalt von Musik, Geräuschen und Erläuterungen. „Das war damals eine Sensation.“
Für die damals ungewöhnliche Vorführung waren fünf Personen nötig. „Je zwei zum Diawechsel und Scharfstellen sowie eine weitere Person zum Bedienen der Flügelblende.“ Der Aufwand lohnte sich aber. Mehrere Male trugen die Fotofreunde ihre Diaschau vor. Die Apparate, darunter auch das Tonbandgerät von damals, sind ebenfalls Teil der Ausstellung. Eine lange Vorarbeit hat Horst Müller in ihre Zusammenstellung und ihren Aufbau gesteckt.
Die Mitglieder der Fotofreunde nahmen in ihren vielen Jahren an Fortbildungen des VDAV teil, tauschten zur Beurteilung Bildmappen mit benachbarten Vereinen aus, unternahmen Fahrten und Ausflüge. „Von den Mitgliedern wurden immer öfter Diavorträge zu ihren Lieblingsthemen erstellt und gezeigt, dann auch mit automatisierten Geräten“, sagt Müller zurückblickend.
Bei den Jahresausstellungen wurden die Besucher oft mit einem Ratespiel etwa zu Seligenstädter Ansichten miteinbezogen. „Über viele Jahre hinweg wurden die Fotofreunde durch den bekannten Künstler und Lithografen Hans Schmitt geleitet und geprägt“, erinnert sich Müller. Nach den anfänglich im Saal des Schwanen gezeigten Fotoausstellungen ging es später in den Pfarrsaal in der Jakobusstraße sowie den Riesensaal. Auch am alle vier Jahre stattfindenden Geleitsfest beteiligten sich die Fotografen mit Ausstellungen zum Thema Seligenstadt und zeigten Diaschauen. „Seit vielen Jahren stellen wir nun in den Räumen des Regio-Museums aus, seit einigen Jahren mit einem Fotothema speziell für die Ausstellung.“
Zurzeit treffen sich die Fotofreunde Seligenstadt zweimal im Monat in der ehemaligen Hans-Memling-Schule. Die aktuell rund 30 Mitglieder kommen nun nicht nur aus Seligenstadt, sondern auch aus der näheren und weiteren Umgebung. Geöffnet ist die Ausstellung zu „75 Jahren Fotofreunde“ vom 24. Oktober bis 29. November jeweils samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.