Diversität und Geschlechtergerechtigkeit
Bei der Feinbäckerei Heberer mit Hauptsitz in Mühlheim besetzen weibliche Führungskräfte mehrere Schlüsselbereiche. Eine gelernte Architektin verantwortet dort den Filialbau.
Mühlheim – Wenn die Geschwister Sandra und Georg Heberer mit Melisa Güven morgens im Café-Bereich einer der etwa 200 Filialen der Wiener Feinbäckerei Heberer sitzen, geht es um andere Dinge als einen Caffè Crema oder eine der vielen Leckereien des Unternehmens. Sie beraten über den Umbau und die Modernisierung der Filiale. Gerade die Café-Bereiche in den Heberer-Filialen sind zu einem wichtigen Umsatzträger für das Unternehmen mit Hauptsitz in Mühlheim geworden.
Das Unternehmen
Die Wiener Feinbäckerei Heberer wurde 1891 in Offenbach gegründet und wird heute in der fünften Generation geführt. Das Geschäftsmodell der Wiener Feinbäckerei Heberer besteht aus den eigenen Filialen, betrieben mit Kommissionären, dem Franchise-Geschäft an Verkehrsknotenpunkten sowie dem Großkundengeschäft mit gastronomischen Einrichtungen, LEH-Partnern und der Belieferung anderer Bäcker. Hinzu kommt ein Master-Franchise-Vertrag mit SSP Deutschland – dem nach eigenen Angaben führenden Dienstleister in der Verkehrsgastronomie in Deutschland – mit dem aktuell 24 Standorte unter der Heberer-Flagge betrieben werden. Mit etwa 200 Filialen in den Kernregionen Rhein-Main, Berlin und Thüringen sowie an Hochfrequenz Standorten wie Bahnhöfen und Flughäfen gehört Heberer auch bundesweit zu den Marktführern der Branche.
Während das Thema „Frauen in Führungspositionen“ noch für viele Unternehmen einen neuen Trend darstellt, handelt es sich bei der Wiener Feinbäckerei Heberer um eine ganz natürliche Entwicklung. „Stellen werden bei uns nach Kompetenzen, Motivation und Leistung besetzt“, sagt Geschäftsführerin Sandra Heberer. Melisa Güven etwa ist gelernte Architektin und verantwortet als Teamleiterin Filialbau den Look und die Inneneinrichtung der Filialen bei Heberer. Sie hat ihr Architekturstudium an der TU München absolviert und später einen Doktor an der Bursa Technical University gemacht. Güven berichtet direkt an die Geschäftsführung des Unternehmens, das in fünfter Generation von den Geschwistern Sandra und Georg Heberer geleitet wird.
„Durch Melisa Güven ist dieser wichtige Aufgabenbereich bei uns professionalisiert worden und wird durch eine Person geführt, die technisches Können mit dem richtigen Blick für Gestaltung und räumliche Strukturen vereint“, betont Sandra Heberer. Und was hat die promovierte Architektin zu Heberer geführt? Dazu Melisa Güven: „Heberer hat mich gereizt, weil hier vieles zusammenkommt, was mir wichtig ist: ein traditionsreiches Unternehmen, echte Produkte, Menschen mit Erfahrung und die Möglichkeit, Strukturen aktiv mitzugestalten.“
Frauen besetzen Führungspositionen bei Bäckerei Heberer in Mühlheim
Aber das Unternehmen hat auch in einem Wirtschaftsbereich eine Spitzenposition, die bei Familienunternehmen gar nicht so häufig zu finden ist, wie eine aktuelle Studie der deutsch-schwedischen AllBright-Stiftung zu Führungspositionen von Frauen in Unternehmen deutlich macht. Diese besagt, dass der Frauenanteil in Führungspositionen großer Familienunternehmen weiterhin nur langsam wächst beziehungsweise sogar in Teilen stagniert. Besonders in traditionellen Branchen und familiengeführten Unternehmen seien Frauen in Geschäftsführungs- und Leitungsfunktionen nach wie vor unterrepräsentiert.
Heberer sieht sich hier bewusst als modernes Gegenbeispiel innerhalb des Mittelstands und des Bäckerei-/Handwerksumfelds. Neben der von Sandra Heberer gemeinsam mit ihrem Bruder Georg Heberer besetzten Geschäftsführung wurden bei Heberer in den vergangenen Jahren viele weitere weibliche Führungskräfte eingestellt oder aufgebaut. So werden auch das Qualitätsmanagement, der Projekteinkauf, das Personalwesen und Marketing von weiblichen Führungskräften gemanagt.
Unternehmen setzt auf flexible Arbeitsmodelle für Vereinbarkeit von Familie und Karriere
Die AllBright-Studie verweist auch auf strukturelle Hürden für Frauen in Führungspositionen – insbesondere hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Heberer setzt hier als Familienunternehmen bewusst auf flexible Arbeits- und Führungsmodelle – so gibt es auch im Führungsbereich Teilzeitmodelle.
Aber nicht nur beim Thema Frauenförderung ist Heberer Vorbild. In dem Unternehmen arbeiten Mitarbeiter aus mehr als 35 Nationen gut zusammen. „Das Unternehmen sieht Diversität nicht als Selbstzweck, sondern als wichtigen Erfolgsfaktor für Innovation, Mitarbeiterbindung und Zukunftsfähigkeit. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels wird eine moderne und offene Unternehmenskultur zunehmend entscheidend“, ist sich Geschäftsführer Georg Heberer sicher. (vum)