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Bildung

KiKA-Moderator macht mit Präventionsprogramm zu Mobbing Halt in Dietzenbach

09/10/2026 04:00:00

Mobbing an Schulen

KiKA-Moderator Tom Lehel bringt das Thema Mobbing mit Hip-Hop und Rap auf die Bühne und nimmt die Kinder musikalisch mit.

KiKA-Moderator Tom Lehel besucht bis zu 100 Mal pro Jahr Schulen, um Kinder gegen Mobbing zu sensibilisieren. In Dietzenbach sprach er vor 100 Grundschülern.

Dietzenbach – „Was ist Mobbing?“ Tom Lehel blickt in den Saal. Zahlreiche Hände gehen nach oben. Manche erzählen von eigenen Erfahrungen mit Rassismus, andere von Ausgrenzung und Streit unter Mitschülern. Im Capitol Dietzenbach sitzen etwa 100 Dritt- und Viertklässler der Aue-Grundschule. Gemeinsam überlegen sie, wann aus einem Streit Ausgrenzung wird und was sie dagegen tun können. Mit Humor, Hip-Hop und nachgespielten Alltagssituationen zeigt der KiKA-Moderator im Präventionsprogramm „Wir wollen mobbingfrei!“, wie Gruppendruck entsteht und welche Folgen das eigene Verhalten haben kann. Die Kinder machen mit und hinterfragen dabei auch ihr eigenes Verhalten.

„Mobbing“ bezeichnet die systematische Erniedrigung einer Person über längere Zeit. Wie verbreitet es an hessischen Schulen ist, lässt sich nicht genau beziffern. Eine jüngere bundesweite Studie zeigt jedoch: Rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler gaben an, bereits Mobbing erlebt oder selbst ausgeübt zu haben. Das Phänomen gehört für viele zum Alltag. Laut dem Deutschen Schulbarometer gaben 30 Prozent der 11- bis 17-Jährigen an, im Schuljahr 2024/25 mindestens monatlich schlecht behandelt worden zu sein. Besonders häufig betroffen waren 14-Jährige. Wie hoch die Dunkelziffer ist, bleibt unklar: Manche Betroffene trauen sich möglicherweise nicht, über ihre Erfahrungen zu sprechen, während auch Mobbende aus Scham schweigen könnten. Mobbing findet vor allem im direkten Kontakt statt, spielt aber auch in sozialen Medien und über das Handy eine bedeutende Rolle.

KiKA-Moderator mit Mobbing-Präventionsprogramm zu Gast in Dietzenbach

Tom Lehel weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht: Als Kind wurde er selbst gemobbt. „Ich habe acht Jahre lang Mobbing erlebt, von der Grundschule bis zur weiterführenden Schule“, erzählt er. Als später auch sein Sohn Mobbing erlebte, wurde ihm das Ausmaß des Problems noch deutlicher. Seine Bekanntheit wollte er nutzen, um das Thema anzugehen.

Seit 2018 setzt sich Lehel gegen Mobbing ein – inzwischen hauptberuflich. „Das Problem ist einfach sehr verbreitet. Ich mache es, solange ich noch auf meinen Beinen stehe“, sagt er. Seine Erfahrungen und das Thema Mobbing hat er zudem in drei Kinderbüchern aufgegriffen. Nach eigenen Angaben ist Lehel mittlerweile bis zu 100 Mal pro Jahr an Schulen im Einsatz.

Was auf der Bühne im Capitol beginnt, soll im Schulalltag weiterwirken: Die Veranstaltung ist Teil eines dreiteiligen Präventionsprogramms, das der Fachbereich Bildung, Kultur und Ehrenamt der Stadt Dietzenbach gemeinsam mit der von Tom Lehel gegründeten Stiftung gegen Mobbing und Cybermobbing auf die Beine gestellt hat. Entwickelt wurde es mit einer Arbeitsgruppe von Mechthild Schäfer von der Universität München.

Lehrkräfte lernen fundierte Methoden zum Thema kennen

Während Tom Lehel die Kinder für Mobbing sensibilisiert und sie ermutigt, Verantwortung für ihr Miteinander zu übernehmen, lernen Lehrkräfte wissenschaftlich fundierte Methoden kennen. Damit können sie die Situation an ihrer Schule analysieren und die Ansätze an den eigenen Bedarf anpassen. Eine digitale Wissensdatenbank liefert ihnen zudem laufend Informationen, Arbeitsmaterialien und Möglichkeiten zum Austausch. Beim ersten Durchlauf waren zwei Dietzenbacher Grundschulen dabei. Wegen der positiven Resonanz soll das Programm erneut angeboten werden und zwei weitere Schulen der Stadt erreichen, sagt Tim Kath vom Fachbereich Bildung, Kultur und Ehrenamt.

Zum Abschluss stimmt Lehel gemeinsam mit den Kindern „Wir wollen mobbingfrei“ an. Der ganze Saal singt mit. Die Botschaft ist klar: hinschauen statt wegsehen, zusammenhalten und füreinander einstehen. Denn auch ohne Erwachsene können Kinder etwas bewirken. „Mobbing wird nie ganz verschwinden, aber wir können es alle zusammen kleiner machen“, sagt Tom Lehel. (Aïda El Yassem-Mastari)

Artikel von Offenbach-Post