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Trinkwasserversorgung in Stadt und Kreis Offenbach vorerst gesichert – Wasserampel bleibt auf Rot

Martin Kuhn
29/06/2026 06:27:00

Hitzewelle

Not, genauer gesagt: Hitze kennt kein Gebot. Die Stadtwerke haben in Bürgel erstmals aus dem Main Wasser für Jungbäume gezogen. Die Diskussion über die Nutzung von Mainwasser könnte somit wieder aufflammen.

Die Wasserampel des Zweckverbands Offenbach zeigt Rot. Durch Zukäufe bei anderen Versorgern konnten die Hochbehälter nachts wieder aufgefüllt werden.

Offenbach – Ein Ausfall der Wasserversorgung ist für Stadt und Kreis Offenbach noch nicht völlig ausgeschlossen. Über das Wochenende hat sich die Lage jedoch zumindest stabilisiert. Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) erläutert: „Einerseits fahren jetzt, wie vermutet, viele Menschen in den Urlaub, andererseits haben wir den Eindruck, dass viele Bürger unseren Sparaufruf ernst nehmen. Dafür danke ich diesen Menschen sehr.“ Der Verbrauch ist am Samstag gegenüber dem Freitag leicht zurückgegangen. Allerdings steht die „Wasserampel“ des Zweckverbandes Wasserversorgung (ZWO) auf Rot. Der Verband versorgt elf der 13 Kommunen im Kreis teilweise oder ganz mit Trinkwasser.

„Dem ZWO gelang es aber bislang, durch kurzfristige Zukäufe bei anderen Versorgern – über die ohnehin schon vereinbarten Mengen hinaus – den Bedarf decken zu können“, berichtet Schwenke. Durch diese Zukäufe konnten auch die Hochbehälter in den Nächten wieder aufgefüllt werden. Sie dienen als Speicher und stabilisieren das Netz in Spitzenzeiten, also dann, wenn zur selben Zeit besonders viel Wasser benötigt wird – morgens und abends. Sie speisen die benötigte Menge dann zusätzlich ins Leitungsnetz.

Astbrüche und Wasserrohrbruch

Mehr als 30 Mal waren die Frauen und Männer der Feuerwehren innerhalb von rund 36 Stunden gefordert. Es mussten Personen aus stecken gebliebenen Aufzügen befreit, Astbrüche in Folge von Trockenheit beseitigt und diverse Tierrettungen vorgenommen werden. Auch ein Pkw-Brand und mehrere aufgrund von technischen Defekten ausgelöste Brandmeldeanlagen forderten die Wehren. Weiterhin wurden Unterstützungen für den Rettungsdienst der Stadt, welcher ebenfalls stark frequentiert war, geleistet. Besonders personal- und zeitintensiv: ein massiver Wasserschaden nach einem Wasserrohrbruch in einer Tiefgarage sowie ein Kältemittelaustritt in einem Verbrauchermarkt. „Die Bewältigung gelang durch die bewährte und engagierte Zusammenarbeit von Berufsfeuerwehr, Freiwilligen Feuerwehren und dem Rettungsdienst“, heißt es aus der Leitstelle.

Zukäufe sichern Wasserversorgung

Nach Angaben des ZWO ist der Verbrauch im Versorgungsgebiet am Samstag, 27. Juni, so weit zurückgegangen, dass die Tagesspitzen – auch dank der nächtlichen Auffüllung der Wasserspeicher – abgefangen werden konnten. „Nach Auswertung aller uns vorliegenden Daten können wir derzeit sagen: Die Lage hat sich seit Freitag nicht mehr verschlechtert, bleibt aber angespannt“, sagt Bürgermeister Andreas Bruszynski (CDU) und betont: „Noch sagt uns der Versorger, dass es zu früh ist, um Entwarnung geben zu können. Wir bitten deshalb eindringlich, dass weiterhin alle Menschen ihren Verbrauch auf das absolut Nötigste reduzieren. So heiß es auch ist: Bitte befüllen Sie keine Pools, verzichten Sie auf das Autowaschen sowie die Bewässerung des Gartens.“

Seit Mittwoch tagt der städtische Krisenstab unter der Leitung des Oberbürgermeisters, um die außergewöhnlich starke und lange Hitze zu bewältigen. Der Stab koordinierte alle Maßnahmen, um einen Ausfall der Wasserversorgung möglichst zu verhindern, „aber auch darauf vorbereitet zu sein, wenn es doch dazu kommen sollte“. Gleichzeitig stellte er die Weichen, um auf ähnliche Lagen in der Zukunft besser vorbereitet zu sein.

„Wir analysieren derzeit, welche Daten wir bislang haben und welche uns noch fehlen, um künftig exaktere Prognosen über die Leistungsfähigkeit der Wasserversorgung erstellen zu können. Etwa durch den geplanten Einbau digitaler Zähler, etwa bei Großverbrauchern, zu denen ausdrücklich nicht nur Rechenzentren zählen. Damit legen wir die Grundlage, um künftig mehr Echtzeitdaten zu erhalten. Ich muss aber betonen, dass der Verbrauch nicht allein von Großverbrauchern abhängt, sondern auch die Bürger eine entscheidende Rolle einnehmen“, sagt Gerrit Kania, Geschäftsführer des Zweckverbands.

Schwenke: „Unser Ziel ist es, die Daten des ZWO mit Daten des Deutschen Wetterdienstes zu verschneiden. Das gilt sowohl für die Daten früherer Hitzeperioden als auch zukünftig mit möglichst vielen Echtzeitdaten.“ Umweltdezernentin Helena Wolf (SPD) macht deutlich: „Um mit solchen Lagen umzugehen, benötigen wir einerseits eine gute und ernsthafte Klimaschutzpolitik sowie Maßnahmen zur Anpassung an Hitze und Extremwetterlagen. In dieser akuten Hitzephase hat die Stadt erstmals sehr kurzfristig Angebote für kühle Orte geschaffen. Solche und weitere Angebote werden wir auch in Zukunft machen und optimieren. In die jetzt folgende Ausarbeitung der Struktur dieses Angebots werden wir die Erfahrungen und Rückmeldungen der Bevölkerung von diesem ersten Mal einfließen lassen.“

Es gibt bereits kritische Stimmen zur Qualität der kühlen Orte. Stadtsprecher Fabian El Cheikh ordnet aber am Sonntag ein: „Es ist uns bewusst, dass das jetzt beim ersten Mal noch nicht einwandfrei funktioniert hat. Wir haben zwar über die Presse, über unsere Social-Media-Kanäle, über die digitalen Stadtinformationsanlagen und E-Mail-Verteiler auf das kurzfristige neue Angebot aufmerksam gemacht. Auch heute Morgen nochmals auf Facebook und Instagram. Aber das muss sich natürlich erst weiter herumsprechen, und die Anzahl der Orte ist noch gering.“

Artikel von Offenbach-Post