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50 Liter Regen treffen auf trockene Böden: Stationäre Gewitter werden am Wochenende zur Sturzflut-Falle

Dominik Jung
02/05/2026 11:30:00

Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Erst Sommer-Wonne mit 30 Grad, dann der Knall: Wo stationäre Gewitter am Wochenende gefährlich werden könnten. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Der Mai legt einen Bilderbuchstart hin: Bis zu 28 Grad, strahlender Sonnenschein, perfektes Eisdielen-Wetter. Doch wer denkt, das geht so weiter, wird am Samstagnachmittag (2. Mai) eines Besseren belehrt.

Regional bis Donnerstag (7. Mai) viel Regen. Es kann lokal zu kleinräumigen Überflutungen kommen.

Eine südwestliche Strömung schaufelt feuchtwarme Luft aus dem Mittelmeerraum heran, gleichzeitig schickt ein Tief über Frankreich seine Vorboten Richtung Westen. Die Folge: Quellwolken schießen in den Himmel, die ersten Blitze zucken. Und das ist erst der Anfang.

100 Liter? Theoretisch möglich – aber unwahrscheinlich

Jetzt zum Punkt, der alle nervös macht: Können stationäre Gewitter wirklich 100 Liter pro Quadratmeter abladen? Die ehrliche Antwort: Ja, das gab’s schon – beispielsweise in Braunsbach 2016. Wenn eine Zelle komplett stehenbleibt und sich selbst nachfüttert, sind solche Mengen drin.

Am Wochenende sieht’s aber anders aus. Die Höhenfeuchte reicht für die ganz krassen Extremwerte nicht. Realistisch sind 20 bis 40 Liter in einer Stunde, vereinzelt mal 50. Klingt harmlos? Ist es nicht. Auf den knochentrockenen Böden nach dem viel zu trockenen April läuft das Wasser oberflächlich ab – Sturzflutgefahr besteht trotzdem.

Warum gerade jetzt die Sturzflutgefahr so groß ist

Am Samstag (2. Mai) trifft‘s zuerst Eifel, Hunsrück, Pfalz, Schwarzwald, später Bodensee und Alpenrand. Lokal sind Hagel bis 2 Zentimeter und Sturmböen um 75 km/h möglich. Am Sonntag zieht das Tief näher heran, die Atmosphäre wird richtig brisant: Vom Rheinland bis Bayern, am Abend auch im Osten – flächendeckend kann‘s krachen. Die Zellen ziehen langsam, manche bleiben fast stehen. Genau dann werden die 40-Liter-Grenze und mehr punktuell überschritten. Hagel bis 3 Zentimeter möglich. Zuvor werden im Osten knapp 30 Grad erwartet.

Der Höhenwind ist schwach – die Zellen kriechen wie Schnecken durch die Landschaft. Wo eine Zelle hängt, kommt eine halbe Stunde Tropentempo runter. Auf Beton, Asphalt und ausgedörrten Wiesen läuft das Wasser ungebremst ab. In Bachtälern, Senken und an Hanglagen kann das innerhalb von Minuten brenzlig werden. Wetter-App aufs Handy, Warnungen ernst nehmen, Unterführungen meiden – fertig ist die Wochenendplanung.

Artikel von Oberhessische Zeitung