Freisinger Wochenmarkt
Rund 60 Jahre war der Krautwagen der Landes GmbH eine feste Institution auf dem Freisinger Wochenmarkt. Doch nun ist Schluss. Gründe gibt es mehrere.
Freising – Er war seit rund sechs Jahrzehnten eine feste Institution auf dem Freisinger Wochenmarkt: der Krautwagen der Landes GmbH. Jetzt beendet die Familie Landes diesen Geschäftszweig, eine Direktvermarktung auf dem Freisinger Wochenmarkt gibt es nicht mehr, der Krautwagen wird nicht mehr beschickt. „Schweren Herzens“, so Marina Landes, habe man sich zu diesem Schritt entschlossen.
Das Konzept der 70er und 80er Jahre war es, die ganzjährige Auslastung des Betriebs zu gewährleisten, blickt Marina Landes zurück. Im Sommer und Herbst wurde Gemüse – vorrangig Weißkraut – verarbeitet und haltbar gemacht, in den Herbst- und Wintermonaten erfolgte dann die Beschickung auf den Wochenmärkten. Inge Landes, die Mutter des Firmengründers Simon Landes, hat Ende der 60er Jahre die Direktvermarktung übernommen und weiter ausgebaut. Zeitweise wurden pro Woche acht Wochenmärkte mit zwei Verkaufsanhängern angefahren. 2013 hat dann Marina Landes, die Ehefrau von Simon Landes, das Geschäftsfeld schrittweise übernommen, 2010 ist Inge Landes aus dem Geschäft altersbedingt ausgeschieden. Aufgrund von Personalmangel musste die Beschickung von Wochenmärkten von acht auf drei reduziert werden. Bis zu diesem Zeitpunkt erfolgte mittwochs und samstags die Beschickung des Freisinger Wochenmarkts, seit 2010 dann nur noch mittwochs.
Mitarbeiterin Maria war es, die seit fast 20 Jahren dafür gesorgt hat, dass der Krautwagen auf dem Wochenmarkt in Freising präsent ist. „Sie ist dem Unternehmen sehr verbunden, sehr zuverlässig und bei den Kollegen und Kunden sehr beliebt“, betont Marina Landes. Aber das half alles nichts, der Krautwagen ist nun Geschichte.
Als Gründe für die Beendigung des Geschäftsfeldes führt Marina Landes an, dass aktuell der Umsatz des Krautwagens nur noch vier Prozent des Jahresumsatzes des Gesamtunternehmens Landes GmbH ausmacht. Man habe sich mit dem Unternehmen breiter aufgestellt und neue, zusätzliche Geschäftszweige geschaffen, die eine ganzjährige Auslastung – auch ohne Direktvermarktung – garantieren. Zudem seien die Arbeitszeiten auf dem Wochenmarkt und Familie schwer vereinbar, wenn die Abfahrt um fünf Uhr morgens in Ingolstadt erfolge und das Arbeitsende erst gegen 15 Uhr.
Und noch ein Grund: „Wir haben mit Personalmangel zu kämpfen“, berichtet Marina Landes. Denn man benötige Mitarbeiter, die – und das auch noch vorrangig in der kalten Jahreszeit – die Wochenmärkte selbstständig beschicken, die ein Gespann aus Pkw und Verkaufsanhänger mit einer Länge von elf Metern fahren können. Zu diesem Schritt bewogen hat die Landes GmbH auch das geänderte Einkaufsverhalten: Mütter seien heutzutage meist berufstätig, und so fehle ihnen die Zeit für einen Besuch unter der Woche vormittags auf dem Wochenmarkt. Geändert habe sich auch das Essverhalten: Die Nachfrage nach fermentierten Produkten sei zwar sehr hoch, allerdings nicht nach traditionellem Sauerkraut oder Salzgurken, sondern nach modernen Varianten wie Kimchi, weiß Marina Landes.
Familiär hat es auch keinen Zwang gegeben, dieses Geschäftsfeld und die Familientradition von Inge Landes fortzuführen. Im Gegenteil. Man sei durch Inge Landes bestärkt worden, „auf uns und unsere Familie zu achten“, betont Marian Landes. „Trotzdem war der Schritt emotional schwer, wirtschaftlich jedoch sehr schnell getroffen.“