Kleinkunst in Oberbachern
Das Wirtshaus Oberbachern hat erstmals als Kleinkunstbühne funktioniert. Wie es weitergeht, entscheiden nun die Anregungen der Gäste.
Oberbachern – Mit einem ausverkauften Haus ist das Bacherner Brettl am Samstag, 3. Oktober, in seine erste Saison gestartet. Beim „Urknall“ wurde das Gewölbe des Wirtshauses Oberbachern erstmals zur Kleinkunstbühne – mit Stand-up-Comedy, Musikkabarett und handgemachter Musik. Martin Ladstätter moderierte den Abend unterhaltsam.
Lange war geplant, gebaut, bestuhlt und ausprobiert worden. Am Tag der Deutschen Einheit war es dann so weit: Das Bacherner Brettl öffnete erstmals seine Türen für einen kompletten Veranstaltungsabend. Rund 150 Gäste füllten das Gewölbe im Wirtshaus Oberbachern bis auf den letzten Platz.
Der Abend war bewusst als Probeveranstaltung angekündigt worden. Nicht nur die Künstler standen dabei im Mittelpunkt: Auch das gesamte Konzept musste erstmals unter echten Bedingungen funktionieren – Bühne, Licht, Ton, Bewirtung und Abläufe. Und natürlich ging es um die Frage, ob aus dem Gewölbe tatsächlich eine kleine Kulturbühne werden kann.
Schon vor dem eigentlichen Programm sorgte die Stubenmusi „Ziachseitn 3er plus 1“ unplugged für die musikalische Begleitung zur Brotzeit. Um 20 Uhr gehörte die Bühne dann den beiden Stand-up-Comedians Saki El-Gogo aus Bergkirchen und Markus Beck alias „Becki“. Mit Saki stand gleich zum Auftakt ein Künstler aus der unmittelbaren Umgebung auf der Bühne.
Danach wechselte nicht nur der Künstler, sondern auch die Richtung. Der österreichische Musikkabarettist Christoph Theußl verband Musik, schwarzen Humor und Geschichten und sorgte damit für einen der Höhepunkte des Abends. Den Abschluss übernahm Rick Baltes mit Gitarre, Gesang und bairischen Liedern. So spannte der erste Brettl-Abend einen Bogen von Stand-up über Musikkabarett bis zum Singer-Songwriter.
„Dabei zeigte sich auch, was das Gewölbe als Veranstaltungsort ausmacht. Zwischen Künstlern und Publikum liegen nur wenige Meter. Die alten Säulen und Bögen und die unmittelbare Nähe zur Bühne geben dem Brettl eine Atmosphäre, die mit einem klassischen Veranstaltungssaal wenig gemeinsam hat“, sagte Martin Ladstätter.
Gerade dieses Persönliche und Heimische kam bei den Gästen gut an. Viel Lob gab es auch für das Lichtkonzept, die Brotzeiten und die Mischung der unterschiedlichen Künstler und Stilrichtungen. Ein Gast fasste den Abend später mit den Worten zusammen: „Ehrlich, nah und gemütlich, so wie es sich gehört.“
Zum Gelingen des Abends gehörte auch die Bewirtung: Simon Haas und seine Familie verwöhnten die Gäste mit feinen Brotzeiten und kühlen Getränken und sorgten damit auch kulinarisch für einen gelungenen ersten Brettl-Abend.
Ganz ohne Erkenntnisse für die kommenden Abende ging die Probeveranstaltung nicht zu Ende. Die Anregungen und Verbesserungsvorschläge der Gäste werden nun aufgegriffen und Schritt für Schritt in die nächsten Veranstaltungen einfließen. Genau dafür war der „Urknall“ schließlich gedacht: ausprobieren, zuhören und daraus lernen.
Für Initiator und Veranstalter Martin Ladstätter war das der Sinn des „Urknalls“: „Natürlich war ich vor dem ersten Abend nervös. Wir haben lange an der Idee gearbeitet und wussten trotzdem nicht, wie es sich anfühlt, wenn das Gewölbe voll ist und vorne tatsächlich Künstler auf unserer Bühne stehen. Jetzt wissen wir: Der Raum funktioniert als Kulturbühne. Und wir wissen auch, an welchen Kleinigkeiten wir noch arbeiten müssen.“
Vor allem aber zeigte der erste Abend, dass die ursprüngliche Idee hinter dem Bacherner Brettl funktionieren kann: Kultur nicht nur in die Stadt zu bringen, sondern einen Ort dafür mitten im Dorf zu schaffen. Einen Ort, an dem gemeinsam gelacht, Musik gehört und ein Abend miteinander verbracht wird. Oder, wie es ein Besucher nach der Premiere formulierte: „Das war ein echter Urknall, der noch lange nachhallt.“
Nach dem „Urknall“ geht es am Samstag, 5. Dezember, weiter. Dann steht Christian Bumeder mit seinem Programm „Meister Bumeder“ auf der Bühne des Bacherner Brettls.
Ingrid Koch