Politisch motiviert
Die Paralympics stehen in den Startlöchern. Bei der Eröffnungsfeier werden die deutschen Sportler nicht einlaufen. Aus einem politischen Grund.
Verona – Kurz vor der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele 2026 vollzog der Deutsche Behindertensportverband (DBS) eine spektakuläre Kehrtwende: Team Deutschland Paralympics wird am Freitag nicht in das Amphitheater von Verona einmarschieren. Mit dem Boykott protestiert der Verband gegen die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), russische und belarussische Athleten unter eigener Flagge starten zu lassen.
Verbandspräsident Hans-Jörg Michels hatte einen solchen Schritt zuvor noch klar abgelehnt, da er dem Sport nichts bringe. Nun begründet der DBS seinen Kurswechsel mit Solidarität. Die Entscheidung diene „sowohl der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen, die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen“, schrieb der Verband. Bei der Ukraine sorgte jüngst ein geplantes Paralympics-Outfit für Ärger.
Deutschland bleibt dem Einlauf der Nationen bei den Paralympics 2026 fern
Die Perspektive der eigenen Athletinnen und Athleten habe dabei „höchste Priorität“ gehabt. Ihre Einschätzungen seien „umfassend in die Entscheidungsfindung einbezogen“ worden. Der Boykott ist kein vollständiger: Das Team wird an vorab aufgezeichneten Videoaufnahmen teilnehmen, die während der Zeremonie im Stadion und im Fernsehen eingeblendet werden. Auch Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein wird der Feier fernbleiben.
Der Streit dreht sich um das IPC, das im Februar sechs Wildcards an russische und vier an belarussische Athleten vergeben hat – beide Länder dürfen nun unter eigener Flagge starten. Der DBS kritisiert dies als freiwillige und unnötige Entscheidung: Weder der Beschluss der IPC-Generalversammlung 2025 noch das CAS-Urteil hätten eine Vergabe vorgeschrieben. Die IPC-Entscheidung stelle die Paralympische Bewegung nun vor besondere Herausforderungen.
Die Bundesregierung stellt sich hinter den Protest. Ein Regierungssprecher erklärte, die IPC-Entscheidung weiche „von der Linie des Internationalen Olympischen Komitees ab, hinter die sich die Bundesregierung gestellt hat“. Man teile die internationale Kritik. Deutschland steht dabei nicht allein: Neben der Ukraine haben auch Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, die Niederlande und Tschechien einen Boykott der Eröffnungsfeier angekündigt – insgesamt neun Nationen.
Pro Nation waren ohnehin nur zwei Sportler für die Zeremonie zugelassen. Der DBS mahnt, die Grundwerte des Parasports zu wahren: faire Wettkämpfe in einem friedlichen Umfeld, in dem Athleten aus aller Welt ihre Leistungen zeigen können. Es sei eine gemeinsame Aufgabe, die paralympischen Werte sichtbar zu leben und die Integrität des Sports zu schützen. Derweil überraschte die Deutsche Sporthilfe mit hohen Paralympics-Prämien. (fpt)