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Reisen

Fast 100 Kilometer lang: Der längste Strand Europas liegt an der Ostsee

Jonah Reule
11/02/2026 06:00:00

Die wenigsten kennen ihn

Die Ostsee hat viele schöne Strände zu bieten. Ein Strand gilt sogar als der längste Europas und liegt nicht einmal weit von Deutschland entfernt.

Sonne, Meer und ein bisschen Strand, das wünschen sich die meisten Urlauber, wenn sie an die Ostsee fahren. Je nach Ort und Ziel kommen sie dabei einmal mehr und einmal weniger auf ihre Kosten. Wer Strand en masse haben möchte, ist an der Ostsee ebenfalls richtig. Denn am Binnenmeer liegt auch der längste Strand Europas. Allerdings nicht in Deutschland.

Die Kurische Nehrung mit ihrem Strand lockt zahlreiche Besucher an (Archivbild).

An der Ostsee liegt der längste Strand Europas – doch er gehört nicht einem Land allein

Endlosen Sandstrand bis an den Horizont, das gibt es an der Kurischen Nehrung zu sehen. Die schmale Landzunge erstreckt sich über eine Länge von 98 Kilometern, was sie zugleich zum längsten Strand an der gesamten Ostsee macht. An ihrer schmalsten Stelle ist die Kurische Nehrung nur rund 350 Meter breit, an der breitesten Stelle ganze drei Kilometer. Die Nehrung trennt das Kurische Haff von der offenen Ostsee und reicht von Selenogradsk (ehemals Cranz) im russischen Kaliningrader Gebiet bis kurz vor Klaipėda (ehemals Memel) in Litauen.

Politisch gesehen teilen sich zwei Länder den längsten Strand Europas. 52 Kilometer der Kurischen Nehrung gehören zum EU- und NATO-Staat Litauen. Die übrigen 46 Kilometer gehören zur Oblast Kaliningrad und damit zu Russland. Beide Seiten sind als Nationalparks geschützt. Seit dem Jahr 2000 steht die Kurische Nehrung zudem auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Kurische Nehrung entstand nach der letzten Eiszeit

Geologisch entstand die Ostsee-Halbinsel laut Planet Wissen nach der letzten Eiszeit aus einer Inselkette von Endmoränenhügeln, an die der Westwind über Jahrhunderte stetig Sand wehte. In der litauischen Sagenwelt heißt es dagegen, die schöne Riesin Neringa habe einen riesigen Sandhaufen aufgeschüttet, um die Fischer vor den Stürmen der offenen See zu schützen. So sei schließlich das Haff entstanden.

Bis heute sucht die Landschaft der Kurischen Nehrung ihresgleichen. Riesige Wanderdünen, jahrhundertealte Kiefernwälder und einsame Strände sind fester Bestandteil. Der Nationalpark beherbergt rund 900 Pflanzenarten, etwa 40 Säugetierarten und rund 300 Vogelarten – entlang der Nehrung verläuft ein wichtiger Zugvogelweg zwischen Weißmeer und Ostsee.

Das Feriendomizil von Thomas Mann steht bis heute noch. (Archivbild)

Auch berühmte Besucher durfte die Kurische Nehrung bereits willkommen heißen. Im Jahr 1930 ließ sich der Schriftsteller Thomas Mann (†1955) ein Sommerhaus dort bauen. Von seinem Arbeitszimmer blickte er aufs Kurische Haff und nannte die Aussicht seinen „Italienblick“. Auch Maler wie Max Pechstein und Ernst Mollenhauer suchten am längsten Strand Europas Inspiration. Der Name der Nehrung rührt von den „Kuren“, einem baltischen Volk, das einst die Küste bis nach Lettland besiedelte.

Längster Strand Europas ist auch recht fragil

Abseits ihrer schönen Seiten hat die Nehrung auch ihre Tücken. Sie gilt als zerbrechlicher Ort. An der schmalsten Stelle droht der Nehrung bei Sturm Überflutung und Durchbruch. In den 1980er-Jahren wurde die Nehrung so kurzzeitig zu einer Insel. 2006 verbrannten zudem über 200 Hektar Kiefernwald im nördlichen Teil des Gebiets. Auch an der deutschen Ostsee lauern Naturgefahren. So läuft unter anderem eine Ostsee-Insel Gefahr, bald im Meer zu versinken. (Quelle: Planet Wissen, SKR, Litauen-Balitikum, eigene Recherche) (jr)

Artikel von Kreiszeitung