Tour d'Energie in Göttingen
5500 Radfahrer starteten bei der 20. Tour d'Energie. Ein Fahrer musste bereits bei Kilometer drei wiederbelebt werden.
Göttingen – Mit einem neuen Teilnehmerrekord hat die Tour d´Energie am Sonntag ihre 20. Auflage gefeiert: Rund 5500 Radfahrerinnen und Radfahrer gingen beim Jedermannrennen in Göttingen an den Start. Auf zwei Strecken über 45 und 101 Kilometer kämpften sich die Sportler durch Stadt und Landkreis, begleitet von Tausenden Zuschauern am Straßenrand.
Für das Großereignis mussten zahlreiche Straßen in Göttingen sowie im Landkreis gesperrt werden. Wegen mehrerer Baustellen wich der Streckenverlauf in diesem Jahr an mehreren Stellen von der bekannten Route ab. Die längere Strecke führte erstmals sogar für rund zwei Kilometer durch Hessen, weil eine Baustelle bei Atzenhausen die gewohnte Route unmöglich machte.
Vor dem Start im Sandweg am Jahnstadion gab Oberbürgermeisterin Petra Broistedt zum vierten und letzten Mal in ihrer Amtszeit den Startschuss. Sie dankte vor allem den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Mit Blick auf die kleine Hessen-Passage sagte sie: „Das ist Sightseeing.“ Und: „Wir haben Kaiserwetter bestellt.“ Obwohl die Sonne schien, war es am Morgen allerdings nicht allzu warm. Kurz nach dem Start war aus dem Fahrerfeld zu hören, dass es „ganz schön kalt“ sei.
Schiri auf Motorrad
Seit mehreren Jahren als Schiedsrichter mit dabei ist Carsten Wolter. Er ist einer von rund 20 „Schiris“ bei der Tour d´ Energie und der einzige Schiri auf einem Motorrad, weil das Feld später Geschwindigkeiten von bis zu 90 Kilometern pro Stunde erreicht. „Es wird sehr eng gefahren, es wird gedrängelt“, sagt der erfahrene Rennradfahrer vom Tuspo Weende. Seit mehr als 30 Jahren sitzt er selbst auf dem Rennrad. Im Ernstfall organisiert er auch den Rettungsdienst.
Schwere Stürze
Überschattet wurde das Rennen von mehreren teils schweren Stürzen, so zwischen Wiershausen und Hann. Münden oder zwischen Hemeln und Glashütte. Bereits bei Kilometer drei auf dem Wartbergring in Höhe Rosdorf musste sogar ein Fahrer wiederbelebt werden. Dazu landete auch der Göttinger Rettungshubschrauber Christoph 44 an der Einsatzstelle. Nach rund einer halben Stunde zeigten Herzdruckmassage und Elektroschocks Wirkung. Mit schwachem Herzschlag wurde der Mann in ein Göttinger Krankenhaus gefahren und im Herzkatheterlabor weiterbehandelt. Viele Teilnehmer passierten die Unfallstelle und reagierten bestürzt. Jörn Lührs, Geschäftsführer der Göttinger Sport und Freizeit GmbH, erklärte später: „Es handelte sich um einen medizinischen Notfall, wir drücken die Daumen, dass er schnell wieder auf die Beine kommt.“
Sportlich setzte sich auf der langen Strecke erneut Moritz Palm vom Team Strassacker durch und gewann bereits zum dritten Mal in Folge. „Göttingen ist immer das erste Rennen im Jahr. Nach dem Winter ist es schön, viele Radfreunde wiederzutreffen“, sagte der Mainzer im Ziel. Er komme immer gern nach Göttingen: „Das Rennen ist toll und nicht zu anspruchsvoll.“
Auch auf der 45-Kilometer-Strecke war die Begeisterung groß. Marco Meyer vom Team EAM nahm erstmals teil und war beeindruckt von der Stimmung. Besonders der Hohe Hagen blieb ihm in Erinnerung: „Kinder haben einen abgeklatscht, es gab Musik und sogar namentliche Anfeuerungsrufe. Das war motivierend.“ Für die Strecke benötigte er rund anderthalb Stunden, und das auf einem Gravel-Bike statt auf einem klassischen Rennrad.
Im Zielbereich sorgten unterdessen Horst und Christa Brucker am Stand der Göttinger Stadtwerke für Erfrischung. Seit 15 Jahren verteilen die beiden ehrenamtlich Göttinger Leitungswasser an Fahrer und Besucher. „Wir machen das, solange wir können“, sagen die beiden 76-Jährigen, die auch privat nur Leitungswasser trinken.
Im Zielbereich an der Göttinger Bürgerstraße wurden neben all den Siegerehrungen auch jene Teilnehmer geehrt, die alle 20 Rennen der Tour d´Energie gefahren sind. (Stefan Rampfel)