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Automobilindustrie

ADAC warnt: Dämmerungszeit birgt Risiken für Autofahrer in Hessen

26/10/2026 05:00:00
ADAC warnt: Mit der dunklen Jahreszeit steigt auch das Risiko für Wildunfälle. Ein verendetes Reh liegt am Rande einer Bundesstraße (Symbolbild).

Zeitumstellung fördert Unfälle

ADAC warnt: Mit der dunklen Jahreszeit steigt auch das Risiko für Wildunfälle. Ein verendetes Reh liegt am Rande einer Bundesstraße (Symbolbild).

In Hessen zählt das Rehwild, mit 12.004 Tieren, zum häufigsten Unfallwild. Der Automobilclub rät, Fahrbahnränder immer aufmerksam zu beobachten.

Hessen – Mit dem Herbst halten wieder kürzere Tage und Nebel Einzug. Doch nicht nur das Wetter stellt Autofahrerinnen und Autofahrer vor Herausforderungen: Insbesondere die anstehende Zeitumstellung am kommenden Wochenende (24. / 25. Oktober) erhöht das Risiko von Wildunfällen schlagartig.

Wenn die Uhren auf die Winterzeit umgestellt werden, verlagert sich der nachmittägliche Berufsverkehr genau in die Dämmerungsstunden – eine Phase, in der Wildtiere besonders aktiv sind. Statisch gesehen ereignet sich in Deutschland bereits alle zweieinhalb Minuten ein Wildunfall. Allein in Hessen wurden im Jagdjahr 2024/2025 insgesamt 13.740 Stück Schalenwild (wie Hirsche, Wildschweine und Rehe) als Unfallwild erfasst. Den größten Anteil macht hier das Rehwild mit 12.004 Tieren aus.

Vor allem in den Morgenstunden zwischen 6 Uhr und 9 Uhr sowie ab 17 Uhr überschneidet sich die Rushhour mit der Hauptaktivitätszeit der Tiere, die auf Nahrungssuche oft Straßen queren. Ludwig Gunstheimer, Präsident des Landesjagdverbandes Thüringen, betont daher, wie wichtig ein angepasstes Fahrverhalten ist: Wer in der Dämmerung und an bekannten Wildwechseln vorausschauend fährt und das Tempo verringert, gewinnt wertvolle Reaktionszeit. Damit schützt man nicht nur die Tierwelt, sondern auch sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer.

Wachsamkeit am Fahrbahnrand: So sollen Fahrer im Ernstfall reagieren

Besondere Vorsicht ist auf Landstraßen geboten, die durch Waldgebiete oder an Feldern entlangführen. Häufig weisen dort Warnschilder auf erhöhten Wildwechsel hin, werden jedoch im Alltag oft übersehen oder unterschätzt. Der ADAC Hessen-Thüringen rät deshalb, die Fahrbahnränder stets aufmerksam zu beobachten. Erblickt man ein Tier am Straßenrand, gilt es, kontrolliert abzubremsen, das Fernlicht unverzüglich abzublenden und mehrmals zu hupen. Da die Augen vieler Wildtiere extrem lichtempfindlich sind, blendet Fernlicht sie und nimmt ihnen die Orientierung. Das akustische Signal der Hupe hingegen hilft den Tieren, die Gefahr einzuschätzen und zu flüchten.

Ein Reh läuft über ein Feld: Die Zeitumstellung erhöht das Risiko für Wildunfälle am Morgen (Symbolbild).

Zudem ist zu bedenken, dass Wildtiere meist nicht allein unterwegs sind. Passiert man ein Tier, muss immer mit nachfolgenden Gruppenmitgliedern gerechnet werden. Ein ausreichender Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ist ebenfalls Pflicht, um auf plötzliche Bremsmanöver des Vordermanns reagieren zu können.

Das sollen Fahrer nach einer unvermeidbaren Kollision tun

Lässt sich ein Zusammenstoß nicht mehr verhindern, sollten Autofahrer keinesfalls riskante Ausweichmanöver versuchen. Ein unkontrolliertes Ausweichen birgt die Gefahr, in den Gegenverkehr zu geraten oder an einen Baum zu prallen – was oft weitaus schlimmere Folgen hat als der Aufprall mit dem Tier. Obwohl bei einer Kollision enorme Kräfte wirken – bei einem Zusammenstoß mit einem Rothirsch bei 60 Kilometern pro Stunde wirken etwa fünf Tonnen auf das Fahrzeug ein –, gehen die meisten Wildunfälle ohne Personenschäden aus.

Sollte es dennoch zu einem Unfall kommen, steht die Absicherung der Unfallstelle an oberster Stelle:

- Unfallstelle sichern: Warnblinkanlage einschalten, am rechten Seitenstreifen anhalten, Warnweste anlegen und das Warndreieck aufstellen.
- Behörden informieren: Die Polizei unter der 110 anrufen (bei Verletzten den Notruf 112). Die Polizei verständigt auch den zuständigen Jagdpächter.
- Abstand halten: Nicht an verletzte Tiere herantreten, um Panik und erneutes Aufspringen auf die Fahrbahn zu vermeiden. Aus Infektionsschutzgründen sollten tote Tiere nie ohne Handschuhe angefasst werden. Eine Mitnahme des Tieres ist verboten und gilt als Wilderei.
- Unfallort markieren: Ein Taschentuch oder eine Plastiktüte am Straßenrand hilft dem Jäger, die Stelle leicht wiederzufinden, falls das verletzte Tier geflüchtet ist.
- Wildunfallbescheinigung: Lassen Sie sich für die Fahrzeugversicherung vor Ort eine Bescheinigung von der Polizei oder dem Jäger ausstellen.

In Nordhessen kam es Anfang Oktober innerhalb weniger Tage zu rund einem Dutzend Unfällen mit Wildtieren.

Artikel von Hessische/Niedersächsische Allgemeine