Telekommunikation
Die Gemeinde Wehretal hat den Glasfaserausbau vorerst auf Eis gelegt. Trotz 90‑Prozent-Förderung bliebe ein Eigenanteil von 1,5 Millionen Euro – Geld, das im Haushalt nicht vorgesehen ist.
Wehretal – Der flächendeckende Glasfaserausbau in der Gemeinde Wehretal liegt vorerst auf Eis. Die Gemeindevertretung beschloss am Montagabend einstimmig, von einer kurzfristigen Beantragung von Fördermitteln für das Jahr 2027 abzusehen. Stattdessen soll die Verwaltung die Situation zunächst weiter aufarbeiten und eine spätere Entscheidung vorbereiten.
Zwei Optionen für die Gemeinde Wehretal beim Glasfaserausbau
Hintergrund der Entwicklung ist das Aus des ursprünglich geplanten eigenwirtschaftlichen Ausbaus durch die Unternehmensgruppe Unsere Grüne Glasfaser (UGG). Das Unternehmen hatte der Gemeinde bereits Anfang April mitgeteilt, das Memorandum of Understanding (MoU) für den Glasfaserausbau in Wehretal aufzukündigen (wir berichteten). Als Grund nannte die UGG die veränderte Lage auf dem deutschen Glasfasermarkt. Ein wirtschaftlicher Ausbau ohne öffentliche Förderung sei unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr möglich.
Damit endet vorläufig ein Prozess, der im Jahr 2022 begonnen und auf einen eigenwirtschaftlich finanzierten Glasfaserausbau gesetzt hatte. Nach Einschätzung der Gemeindeverwaltung ist derzeit auch kaum damit zu rechnen, dass ein anderes Telekommunikationsunternehmen das Vorhaben ohne Fördermittel übernimmt. „Eine entsprechende Anfrage bei der Deutschen Telekom hat ergeben, dass auch dort ein Ausbau als wirtschaftlich nicht tragfähig eingestuft wird“, erklärte Wehretals Bürgermeister Frank Kummer.
Für die Gemeinde stehen damit derzeit nur zwei Wege offen: Entweder sie beteiligt sich selbst an einem geförderten Ausbau – oder sie verzichtet zunächst auf eine umfassende Erschließung.
Hohe Kosten für Kommune – trotz Förderung
Eine bereits im Jahr 2021 erarbeitete Zielnetzplanung ging von Gesamtkosten von rund zehn Millionen Euro für einen Ausbau des gesamten Wehretaler Gemeindegebiets aus. Zwar würden nach aktuellen Förderprogrammen zwischen 90 und 95 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen, dennoch müsste Wehretal nach den vorliegenden Schätzungen mit einem Eigenanteil von etwa 1,5 Millionen Euro rechnen.
Aus Sicht der Gemeindeverwaltung wäre eine solche Investition in der gegenwärtigen, sehr angespannten Haushaltssituation mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Hinzu kommt, dass die Kalkulation aus dem Jahr 2021 zwischenzeitliche Kostensteigerungen nicht berücksichtigt.
Ein weiterer Faktor ist die aktuelle Versorgungslage: Nach Angaben der Verwaltung verfügt das Netz der Deutschen Telekom bereits bis zu den Verteilerpunkten über Glasfaseranbindungen. Je nach Standort seien deshalb heute schon Übertragungsraten von bis zu 250 Megabit pro Sekunde möglich. Nach Einschätzung der Telekom decken diese Bandbreiten den Bedarf eines Großteils der potenziellen Kunden ab.
Förderantrag mit Zeitdruck verbunden
Erschwerend kommt hinzu, dass für eine Förderung zunächst in einem aufwendigen Verfahren nachgewiesen werden muss, dass kein eigenwirtschaftlicher Ausbau möglich ist. „Die hierfür notwendigen Vorarbeiten müssten wegen der Frist zur Antragstellung für das Förderjahr 2027 kurzfristig erfolgen“, erklärte Frank Kummer. „Allein die Unterstützung durch externe Dienstleister würde zunächst Kosten von rund 5000 Euro verursachen.“ Zudem ist ungewiss, ob Wehretal tatsächlich Fördermittel erhalten würde. Voraussetzung wäre auch, dass die Gemeinde ihren Eigenanteil verbindlich darstellen kann. Entsprechende Mittel sind im aktuellen Haushalt jedoch nicht vorgesehen.
Ganz aufgeben will die Gemeinde Wehretal das Thema Glasfaserausbau nicht, sondern zu einem späteren Zeitpunkt erneut beraten. Die Verwaltung empfiehlt, die Entwicklung auf dem Telekommunikationsmarkt sowie die Fördermöglichkeiten weiter zu beobachten und die Lage bis zur Antragsfrist für das Förderjahr 2028 neu zu bewerten.