Elektrowende
In Deutschland sind Verbrennerautos weiter gefragt: Über 600.000 Benzin- und Diesel-Pkw wurden 2025 neu zugelassen, während die Branche Richtung Elektromobilität steuert.
Frankfurt – Es ist kein Geheimnis, dass deutsche Automarken nicht nur hierzulande produzieren. Viele Fahrzeuge auf unseren Straßen enthalten Bauteile aus China, Polen oder den USA. In der Bundesrepublik wird die Elektrowende jedoch immer weiter angetrieben und das Verbrenner-Aus ist mittlerweile jedem ein Begriff. In einem Land, wo ursprünglich in ein paar Jahren keine neuen Benzin- und Dieselmotoren mehr fahren sollten, werden sie aber noch fleißig gekauft. Wo werden sie gebaut? Und wie lange noch?
So viele Verbrenner kaufen die Deutschen
So viele Pkw wie aktuell gab es in Deutschland noch nie. Das geht aus einer ADAC-Studie hervor. Die Zahl der Neuzulassungen von Pkw mit Verbrennungsmotor ist im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres zwar gesunken, doch Benzin- und Dieselautos bleiben auf deutschen Straßen gefragt.
Zwischen Januar und Juni 2025 wurden laut dem Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) 608.841 Fahrzeuge mit klassischem Verbrennungsmotor neu zugelassen. Darunter 397.459 Benziner, was einem Rückgang von 27,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die Zahl der verkauften Dieselautos belief sich auf 211.382 – ein Minus von 23,2 Prozent. Der Anteil der Benzinfahrzeuge an den Gesamtzulassungen lag bei 28,3 Prozent, Dieselautos kamen auf 15,1 Prozent. Allein im Juni entfielen 73.041 Neuzulassungen auf Benziner (minus 34,6 Prozent im Vergleich zum Juni 2024) und 35.665 auf Diesel (minus 32,3 Prozent). Insgesamt machten Verbrenner damit 56,6 Prozent des deutschen Pkw-Marktes aus, während Elektroautos einen Anteil von 27,6 Prozent hatten.
Mercedes-Benz treibt Verbrennerautos und E-Antriebe voran
Nach wie vor sind Volkswagen und Mercedes-Benz die wichtigsten Produzenten von Verbrennungsmotoren in Deutschland. VW hält in Salzgitter ein traditionsreiches Werk, das Benziner und Diesel für verschiedene Konzernmarken fertigt. Die Jahresproduktion lag laut Informationen des Handelsblatts zuletzt bei mehreren Hunderttausend Aggregaten. Gleichzeitig wird der Standort Schritt für Schritt zu einem Zentrum für Batterien und E-Antriebe umgebaut. Chemnitz bleibt ein weiterer Standort für die Fertigung von Otto- und Dieselmotoren.
Mercedes-Benz stationiert die Motorenproduktion in Baden-Württemberg. Untertürkheim entwickelt sich zunehmend zum Standort für elektrische Antriebe, während in Bad Cannstatt weiterhin klassische Verbrennungsmotoren gebaut werden. Ergänzt wird die Fertigung offenbar durch MDC Power in Thüringen, das besonders größere Motoren für Mercedes produziert.
Rückzug der Verbrenner aus Deutschland
Andere Hersteller setzen dem Bericht zufolge stärker auf Standorte außerhalb Deutschlands. BMW hat die Produktion von Benzin- und Dieselmotoren im Inland bereits eingestellt. Die Aggregate kommen nun aus Österreich und Großbritannien. Auch Opel und Ford haben ihre deutschen Motorenwerke geschlossen, beziehungsweise auf E-Antriebe umgestellt. Audi bezieht einen Teil der Motoren aus Ungarn, während Porsche Verbrenner und E-Motoren am Stammsitz Zuffenhausen kombiniert.
Neue Märkte für Zulieferer von Verbrennerautos
Der Strukturwandel in der Autoindustrie trifft nicht nur die großen Fahrzeughersteller, sondern vor allem auch die Zulieferer. Viele mittelständische Betriebe, die sich über Jahrzehnte auf Komponenten für klassische Antriebe spezialisiert haben, sehen sich gezwungen, ihr Geschäft neu auszurichten oder ganz andere Märkte zu erschließen.
Eine aktuelle Befragung zeigt, dass rund drei Viertel der Zulieferer aktiv neue Branchen ansteuern, etwa in der Rüstungs-, Energie- oder Medizintechnik, weil der schrumpfende Markt für Verbrennungsteile allein keine Perspektive mehr bietet. Die Befragung wurde vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch durchgeführt. (Verwendete Quellen: Handelsblatt, VDIK, ADAC, FTI-Andersch)