Viraler Life-Hack
Babys zahnen oft mit Schmerzen. Ein viraler Trick soll helfen. Doch Experten warnen vor möglichen Risiken bei falscher Anwendung.
Frankfurt – Etwa zwischen dem vierten und achten Monat bekommen Babys ihre ersten Milchzähne. Ein kleiner Meilenstein, der jedoch oft mit Schmerzen einhergeht: Die Kleinen schreien mehr, schlafen schlechter und stecken ständig die Finger in den Mund. Um das Zahnen angenehmer zu gestalten, kursiert in den sozialen Medien ein Trend, der zunehmend an Beliebtheit gewinnt.
Viraler Trend: Gefrorener Waschlappen gegen Zahnungsschmerzen bei Babys
Mehr als 20 Millionen Menschen (Stand: 08. Januar) haben das Video der Momfluencerin Mallory Grimaudo angeschaut. In einem kurzen Clip zeigt die Mutter, wie ihr Kind nicht an einem Schnuller herumkaut, sondern auf einem Handtuch. „Einen Dank an die Mutter, die mir geraten hat, meinem zahnenden Baby einen feuchten, gefrorenen Waschlappen zu geben“, heißt es im Video auf Instagram. Der Trick sei das „einfachste Mittel gegen Zahnbeschwerden“, schreibt Grimaudo.
Ihr Sohn liebe den kühlen Waschlappen – und ihre Follower scheinbar auch. In der Kommentarspalte tummeln sich Eltern und Experten, die den Trick befürworten. „Die beste Methode, besser als alle Beißspielzeuge! Ich habe deshalb immer gefrorene, feuchte Waschlappen im Gefrierschrank“, schreibt eine Nutzerin. Mehrere Nutzerinnen, die sich als Zahnarztfachangestellte vorstellen, bezeichnen das Vorgehen als „Nummer-Eins-Empfehlung“ und „Tipp für alle Eltern mit zahnenden Kleinkindern“.
Ist der Trick wirklich so hilfreich, wie im Video und dessen Kommentaren angepriesen? In den sozialen Medien verbreiten sich häufig Erziehungs-Trends, die auf den ersten Blick plausibel erscheinen, letztlich aber nutzlos oder sogar gefährlich sind. Die beiden Kinderärztinnen Catharina Amarell und Nele Marie Peters haben sich das Video für die Frankfurter Rundschau von Ippen.Media angeschaut und eingeordnet.
Kinderärztin über Waschlappen-Trick: Ist „wirklich sehr effektiv“
Die Logik hinter dem Waschlappen-Trick ist simpel: Kälte lindert Schmerzen und hilft Kindern beim Zahnungsprozess. „Im Allgemeinen tut es den Babys gut, wenn bei Zahnungsbeschwerden das Zahnfleisch massiert und gekühlt wird. Das passiert bei diesem Tipp auch“, sagt Kinderärztin Amarell. Die Methode sei deshalb „wirklich sehr effektiv“ und könne „helfen, die Beschwerden des Babys zu lindern“ – allerdings nur, wenn man sie richtig anwende. Denn zu intensive Kälte könne das empfindliche Zahnfleisch verletzen.
„Daher darf der Waschlappen nur kalt und angefroren sein“, ergänzt die Kinderärztin. Eltern, die sich bei der Temperatur unsicher sind, können den Waschlappen an der Innenfläche des eigenen Unterarms testen. Amarell nutzt den viralen Trick selbst bei ihren Kindern und hat einen Tipp für Eltern, die es auch einmal ausprobieren möchten: „Ich empfehle zusätzlich noch einen Knoten in den Waschlappen zu machen. So kann das Baby entscheiden, ob es die harte oder die weichere Seite zum Kauen nehmen möchte.“ Zudem könne man den Waschlappen für den Geschmack auch in Kamillentee statt in Wasser tränken.
Worauf Eltern beim Waschlappen-Trick aufpassen sollten
Ihre Kollegin Nele Marie Peters rät hingegen ganz von gefrorenen Waschlappen ab. „Gefrorene Gegenstände bergen das Risiko, das empfindliche Zahnfleisch durch zu intensive Kälte zu verletzen“, warnt Peters. Bei Kindern sollte weder Haut noch Mundschleimhaut direkt mit Eis gekühlt werden. Zudem können spitze Ecken oder harte Kanten eine Gefahr darstellen, wenn der Waschlappen direkt aus dem Eisfach kommt.
„Außerdem ist mir auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass bei harten Gegenständen, auf denen ein Baby kaut, sei es Eis oder auch eine Möhre, Stückchen abbrechen können, die in die Atemwege gelangen und zu Luftnot führen können“, sagt Peters. Auch Peters empfiehlt bei Zahnungsbeschwerden, dass das Baby auf etwas Kaltem herumkaut – allerdings ausschließlich mit gekühlten aus dem Kühlschrank, nicht gefrorenen Gegenständen, sei es ein nasser Waschlappen oder ein Kühlbeißring. (Quelle: eigene Recherche, Instagram)