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Wirtschaft

„Wird blockiert“: Gen Z-Regel auf der Arbeit sorgt für Empörung

Jana Stäbener
03/03/2026 19:40:00

„Nervt einfach“

In der Chat-Kommunikation zwischen den Generationen entstehen leicht Missverständnisse. Ältere Kollegen „verstehen die Welt nicht mehr“.

Frankfurt – „Wer mir den ‚Daumen hoch‘ schickt, wird blockiert“ – mit diesem Satz hat eine junge Teilnehmerin in einem Job-Seminar für Irritation gesorgt, erzählt die Unternehmenstrainerin Katharina Fagerer auf Linkedin. „Wie, warum? Ich verschicke die ständig, das heißt bei mir, es passt alles“, habe ein Anfang 60-Jähriger darauf geantwortet. Bei Teambuilding-Events erlebt sie regelmäßig, wie im Arbeitskontext verschiedene Generationen aufeinandertreffen.

Emojis interpretiert die Gen Z vollkommen anders, als andere Generationen. Auch im Job. (Symbolbild)

Für ältere Generationen (Millennials, Gen X, Babyboomer) bedeute der Daumen hoch schlicht „passt“, schreibt Fagerer. Die Generation Z hingegen lese ihn häufig als passiv-aggressiv oder ironisch. In ihren Kommunikationsseminaren höre sie von vielen jungen Menschen „wirklich auffallend häufig“ negative Aussagen über das Daumen-Emoji. „Der nervt einfach – das klingt so abwertend“, sagt Fagerer der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Ältere könnten das häufig „gar nicht nachvollziehen“. Das sei „natürlich keine wissenschaftliche Studie, sondern meine persönliche Wahrnehmung aus der Zusammenarbeit mit Menschen verschiedener Generationen“.

Linkedin-Reaktionen auf Gen-Z-Regel: „Muss man jetzt ein Emoji-Diplom ablegen?“

Der Beitrag von Fagerer löst auf Linkedin sowohl Belustigung als auch Empörung aus. Einige Nutzer zeigen sich verärgert darüber, dass ihr nett gemeinter Daumen hoch bei der Gen Z so schlecht ankomme. „Emojis sind schon was Komisches, also wirklich. Muss man jetzt ein Emoji-Diplom ablegen, um sie richtig zu verwenden?“, ärgert sich ein Nutzer. „Wer Daumen hoch als passiv-aggressiv liest, darf mich gerne blockieren“, schreibt ein anderer.

„Ich verstehe die Welt nicht mehr!“, schreibt eine Person fassungslos. „Was können wir dafür, wenn die Jungen nicht lesen können?“, regt sich ein anderer auf. „Ich finde, man darf hier auch von der jungen Generation ein Mitdenken einfordern“, schreibt ein User. „Es ist allgemein bekannt, dass Emojis unterschiedliche Bedeutungen je nach Alter des Senders haben, und da muss man sich halt kurz gedanklich in die Position des Absenders versetzen.“

Generationen-Experte: „Blockieren wirkt etwas mehr pathologisch als zeitgemäß“

Psychologe Rüdiger Maas, der Sachbücher über die Generation Z geschrieben hat, gibt Entwarnung: Junge Leute seien durchaus in der Lage, den Kontext einzuordnen. Er hat mit seinem Team immer wieder die nonverbale und piktografische Kommunikation der Generationen untersucht. Das mit dem Daumen-hoch-Emoji sehe er anders. „Schließlich machen die Boomer das ja immer und so sollte es auch der einfach-gestrickteste Generation Z‑ler verstehen“, sagt er der Frankfurter Rundschau. „Blockieren wirkt dann doch etwas mehr pathologisch als zeitgemäß.“

So nutzt die Generation Z Emojis im Arbeitsalltag

„Prinzipiell benutzen viele Menschen aus der Generation Z und Generation Alpha Emojis, um den Kontext zu setzen und nochmal eine zusätzliche Stimmungsebene hereinzubringen“, sagt Maas der Frankfurter Rundschau. In Deutschland geschehe das oft ironisch oder um verschiedene Gefühlslagen auszudrücken. Im Job nehme diese gefühlsbetonte Verwendung der Emojis allerdings ab – auch, weil es nicht viele professionelle Business-Emojis gebe.

„Gäbe es diese Emojis, würden die Menschen aus der Gen Z diese wahrscheinlich intuitiv benutzen.“ So wie es mit dem Lach-Emoji bereits passiere. Den könnten sich viele ab 1995 geborene Menschen im Business-Kontext vorstellen – „einfach, um eine Nachricht lockerer wirken zu lassen“, sagt Maas. Auch das Setting spiele eine Rolle: Auf Whatsapp oder Instagram seien Emojis völlig normal, in einer E-Mail hingegen selten. (Quellen: eigene Recherche, Linkedin)

Artikel von Hallo München