Handwerk in Unterschleißheim
Sabrina und Michael Pezala gehören zu den letzten Buchbindern im Landkreis München. In ihren Kursen lernen Teilnehmer, wie sie Notizbücher binden oder Schachteln bauen.
Unterschleißheim – Sie zählen zu den letzten Buchbindern im Landkreis München: Sabrina und Michael Pezala aus Unterschleißheim. Ihre kleine Firma „Herz & Tinte“, jahrelang im Gartenhäuschen ihres Wohnhauses untergebracht, ist umgezogen in die Edisonstraße. Noch immer stellen sie unzählige Produkte aus Papier her, doch nun bieten sie auch Workshops an.
Sabrina Pezala machte nach der FOS eine Lehre bei der Uni-Buchbinderei in der Schellingstraße, einem der letzten Ausbildungsbetriebe in der Region. Dort, wo viele Tausend Studenten ihre Seminar-, Magister- und Doktorarbeiten binden lassen. Im gleichen Betrieb war ihr heutiger Ehemann Michael Azubi. Er wollte Buchhändler werden, doch überall, wo er anrief, erhielt er Absagen. „So kam ich zufällig zu den Buchdruckern – und habe es nicht bereut“, sagt er.
Sie beide verbindet die Liebe zu Büchern, dem Handwerk und zueinander. Seit 2020 sind sie ein Paar, seit 2023 verheiratet, mittlerweile mit Nachwuchs. Beide lieben es, Neues aus Pappe und Papier zu erschaffen, sich dabei kreativ auszutoben. Sabrina Pezala hatte die Idee zum Namen „Herz & Tinte“ für die gemeinsame Firma, inspiriert vom Buch Tintenherz von Cornelia Funke.
Begonnen haben sie mit Lesezeichen, heute ist das Sortiment umfangreicher: farbige, mit speziellem Papier gestaltete Schreibblöcke und Wochenpläne, die Notizbuch-Kollektion „Hilda“, ein buntes Klebezettel-Büchlein und Mini-Buchanhänger. Und natürlich eine riesige Auswahl an Schachteln und Boxen, die sie selbst herstellen: für Servietten, Stifte und Schmuck oder als Erinnerungsboxen zur Hochzeit oder Geburt. „Beliebt sind Sammel- und Zeugnismappen, Hochzeits- oder Stammbücher, die bei uns eben ganz individuell sind“, sagt Michael Pezala. Gut laufen auch ihre Reisetagebücher: Diese erhalten als Einband keine hochwertigen Papiere aus Italien, Motiv-Papier oder selbst handmarmorierte Blätter, sondern Landkarten. „Wenn wir da welche mit München haben, sind die sofort ausverkauft. Diese Bücher nutzen die Menschen, um Reiseerinnerungen reinzuschreiben oder Bilder von Reisen einzukleben“, sagt Sabrina Pezala.
Mehrfach im Jahr steht das Ehepaar auf Handwerker-Märkten, vieles verkauft es über seinen Online-Shop, aber auch über Mundpropaganda. „Wir machen Einzelstücke: Wenn einer ein spezielles Reisetagebuch möchte, die Oma eine Piratenschachtel für ihren gerade geborenen Enkel oder eine Frau eine Hunde-Box mit Andenken ihres verstorbenen Lieblings“, berichtet Sabrina Pezala.
Viele Jahre war ihre Werkstatt im engen Gartenhäuschen, jetzt sind sie in ein größeres Büro in einem Gewerbebau in der Edisonstraße umgezogen. „Wir haben hier deutlich mehr Platz, endlich können wir auch Workshops anbieten, die richtig gut laufen“, berichtet Sabrina. In den Kursen lernen die Teilnehmer, wie sie Fotoalben, Reisetagebücher oder Notizbücher binden, aber auch, wie sie Schachteln gestalten und bauen. Natürlich sind ihre Blöcke, Bücher oder Schachteln etwas teurer als beim Büro-Discounter. „Aber es gibt immer mehr Menschen, die Wert auf hohe Papierqualität legen, dass Notizbücher ganz flach aufschlagbar oder sehr langlebig sind. Das geht nur mit faden- oder handgehefteten Blättern, nicht maschinell geklebt“, sagt Michael Pezala.