Gab es Leben auf dem Mars?
Eine neue Mars-Entdeckung wirft Fragen auf: Woher stammen die organischen Verbindungen? Forscher halten eine Erklärung für möglich, die alles verändern könnte.
Greenbelt – Die Suche nach Anzeichen von Leben auf dem Mars hat einen bedeutenden Fortschritt gemacht. Im März 2025 machte der Rover „Curiosity“ einen bahnbrechenden Fund: Er entdeckte die bisher größten organischen Verbindungen auf dem roten Planeten – Decan, Undecan und Dodecan. Diese Alkane, die möglicherweise aus Fettsäuren entstanden sind, werfen neue Fragen zur Vergangenheit des Mars auf.
Die im Gale-Krater gefundenen Kohlenwasserstoffverbindungen haben besondere Bedeutung für die Astrobiologie. Auf der Erde werden Fettsäuren, aus denen solche Alkane entstehen können, hauptsächlich von Lebewesen produziert, obwohl einige wenige geologische Prozesse ebenfalls zu ihrer Bildung führen können.
Organisches Material gibt wichtigen Hinweis: Gab es früher Leben auf dem Mars?
Eine kürzlich im Fachjournal Astrobiology veröffentlichte Studie eines Forschungsteams um Alexander Pavlov vom NASA Goddard Space Flight Center bringt nun neue Erkenntnisse. Die Wissenschaftler haben berechnet, dass das organische Material etwa 80 Millionen Jahre lang der zerstörerischen kosmischen Strahlung auf dem Mars ausgesetzt war. Die Berechnungen der Wissenschaftler führen zu einer erstaunlichen Schlussfolgerung: Damals müsste mindestens die tausendfache Menge dieser Moleküle vorhanden gewesen sein, um die heute noch nachweisbaren Reste zu erklären. Diese hohe Konzentration stellt die Forschenden vor ein Rätsel.
Das Team untersuchte systematisch mögliche Quellen für diese organischen Verbindungen:
- Eintrag von außen: Meteoriten und kosmischer Staub könnten nicht ausreichend Material geliefert haben
- Geologische Prozesse: Heiße Quellen wären theoretisch in der Lage, solche Moleküle zu erzeugen, doch fehlen Hinweise auf solche Aktivitäten am Fundort
- Biologischer Ursprung: Auf der Erde produzieren Lebewesen genau diese Mengen organischer Moleküle
„Behaupten nicht, dass Beweise für uraltes Leben auf dem Mars gefunden wurden“
„Um es klar zu sagen: Wir behaupten nicht, dass in den Cumberland-Schlammsteinen Beweise für uraltes Leben auf dem Mars gefunden wurden,“ schreiben die Forschenden in ihrer Studie. Sie erinnern an Carl Sagans berühmtes Prinzip: „Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise.“ Die Wissenschaftler zeigen sich bemerkenswert zurückhaltend, obwohl ihre Ergebnisse vielversprechend sind. „Wir sind uns bewusst, dass jede angebliche Entdeckung von Leben auf dem Mars zwangsläufig einer intensiven Prüfung unterzogen wird,“ betont sie und unterstreichen, dass es „mehrere Beweislinien erfordert“, Leben außerhalb der Erde mit Gewissheit zu finden.
Dennoch geben sie zu bedenken, dass es nicht unvernünftig sei, anzunehmen, „dass eine alte Mars-Biosphäre in der Lage gewesen wäre, diese komplexe organische Anreicherung in den Mars-Schlammsteinablagerungen zu bewirken.“ Die Frage nach früherem Leben auf dem Mars bleibt also vorerst weiterhin offen – doch die Indizien verdichten sich.
Experte: „Weiterer Baustein in einer Kette von Indizien“
Das sieht auch Dirk Schulze-Makuch so. Der Professor für Astrobiologie und Bewohnbarkeit von Planeten an der TU Berlin erklärt bei Merkur.de von Ippen.Media: „Diese Studie ist ein weiterer Baustein in einer Kette von Indizien, die immer mehr daraufhin deuten, dass es mikrobielles Leben auf dem Mars gab, und vielleicht noch immer gibt.“ Der Experte hat gerade erst an einer anderen Studie mitgewirkt, in der es ebenfalls um Leben auf dem Mars geht.
Neben den Entdeckungen von „Curiosity“ hat auch der Rover „Perseverance“ im Jezero-Krater Gesteinsbrocken mit einem charakteristischen Leopardenflecken-Muster entdeckt. Diese Muster weisen auf chemische Reaktionen hin, die auf der Erde häufig mit mikrobiellem Leben in Verbindung stehen. (Quellen: NASA, Astrobiology, eigene Recherche) (tab)