Deutlich überbewertet?
Elon Musk hat den weltweit größten Börsengang hingelegt. Doch Experten hegen teils große Zweifel daran, ob SpaceX sein Geld überhaupt wert ist.
Starbase, Texas – Elon Musks Unternehmen SpaceX hat bei seinem Börsengang deutlich mehr Geld eingesammelt als erwartet. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, strich der Raumfahrtkonzern am Freitag (12. Juni) rund 86 Milliarden US-Dollar (74 Milliarden Euro) ein. Die mindestens erwarteten 74 Milliarden sind damit deutlich übertroffen worden. Grund dafür sei, dass die beteiligten Banken ihre Optionen ausgeübt und deutlich mehr Aktien verkauft hätten, als geplant war, teilte SpaceX mit.
SpaceX geht an die Börse – Aktie steigt sofort um 19 Prozent
Verkauft worden seien insgesamt 639 Millionen Aktien. Der Preis pro Aktie hatte je 135 Dollar betragen. Abzüglich der für die Banken anfallenden Gebühren von 500 Millionen Dollar würden für SpaceX noch rund 85,7 Milliarden übrig bleiben. Der große Ansturm auf die Aktien des Raumfahrtunternehmens hatte am ersten Handelstag sofort zu einem Anstieg von mehr als 19 Prozent geführt. So habe der Preis am Montag rund sieben Prozent über dem Ausgabepreis gelegen.
Der Börsengang des Tech-Giganten Elon Musks stellt den größten jemals dar. Der umstrittene Chef des Unternehmens wurde dadurch theoretisch zum ersten Billionär der Welt. Laut Forbes-Liste stieg sein Vermögen symbolisch auf die Marke von „1.000.000.000.000“ an.
Mittlerweile ist der Preis pro Aktie sogar noch gestiegen. Aktuell wird eine einzige SpaceX-Aktie laut dem Aktienindex Nasdaq Composite mit rund 181,5 US-Dollar gehandelt (Stand: 15. Juni, 19:18 Uhr).
SpaceX überbewertet? Finanzunternehmen hegt Zweifel am historischen Börsengang
Aber ist dieser riesige Börsengang überhaupt gerechtfertigt? Das US-amerikanische Finanzinformations- und Analyseunternehmen Morningstar glaubt, dass SpaceX zum Börsenstart massiv überbewertet wurde. Nach eigenen Berechnungen dürfe die Aktie des Raumfahrtunternehmens lediglich bei jeweils 63 US-Dollar liegen. Statt der erhaltenen 86 Milliarden würden die Einnahmen aus dem ersten Börsentag um mehr als die Hälfte auf rund 40 Milliarden sinken.
Die Berechnung von 63 Dollar sei zudem bereits wohlwollend. Denn die setze voraus, dass das Unternehmen schnell eine wiederverwendbare „Starship“-Rakete erfinden und KI-Rechenzentren im All errichten könne. Jedoch sei aktuell keines dieser technischen Probleme gelöst. Entsprechend bewertet Morningstar die Aktien von SpaceX mit einer „sehr hohen Unsicherheit“.
Hauptsparte von SpaceX macht bislang Verluste
Hinzu kommt, dass SpaceX in seiner Hauptsparte, nämlich der Raumfahrt, bislang nur Verluste einfährt. Wie die Tagesschau berichtet, stehe dort das operative Ergebnis für 2025 bei einem Minus von 657 Millionen US-Dollar. Auch die KI-Sparte fuhr 2025 Verluste von rund 6,4 Milliarden US-Dollar ein. Einzig das Satelliteninternet-Geschäft mit „Starlink“ konnte ein Plus von 4,4 Milliarden Dollar vorweisen.
Musks Firma konnte beim Börsenstart also Rekordwerte einfahren. Dabei sind zwei der drei Hauptgeschäftsfelder des Konzerns teils deutlich im Minus. Zudem fußt die hohe Bewertung auf spekulativen Zukunftswetten, die bislang noch große technische Fragen aufwerfen. Ob SpaceX den Kurs halten kann, wird sich noch zeigen. Derweil warnen Experten bereits vor Parallelen zur Dotcom-Blase. (Quellen: AFP, Morningstar, Tagesschau)