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Automobilindustrie

Studie zeigt: So könnten E-Autofahrer 600 Euro im Jahr zusätzlich sparen

Markus Hofstetter
02/02/2026 14:43:00

Entscheidender Faktor fehlt

Mit einer Kaufprämie will Deutschland den Absatz von Elektroautos steigern. Laut einer Studie könnten E-Autofahrer sogar wesentlich mehr Geld sparen.

München – Die Bundesregierung möchte Privatpersonen beim Kauf von Elektroautos unterstützen. Dafür gibt es eine einkommensabhängige Prämie von bis zu 6.000 Euro. Dadurch werden Elektroautos in der Anschaffung teilweise günstiger als Autos mit Verbrennungsmotor.

Die Prämie ist ein wichtiger Faktor, um die Verbreitung von Elektroautos zu fördern. Doch Fahrer von E-Autos können auch von den im Vergleich zu Verbrennern deutlich günstigeren Betriebskosten profitieren. Dies zeigt eine Analyse der Initiative Klimaneutrales Deutschland und der britischen Energy & Climate Intelligence Unit (ECIU).

Deutsche E-Auto-Fahrer könnten 600 Euro zusätzlich sparen: höhere Anschaffungskosten werden amortisiert

Laut der Studie ist das Fahren eines E-Autos deutlich günstiger. Im Betrieb, also bei den Kosten für das Tanken, die Steuern und die Wartung, können im Schnitt rund 1.100 Euro pro Jahr im Vergleich zu Verbrennermodellen eingespart werden. Dadurch werden die eventuell höheren Anschaffungskosten innerhalb weniger Jahre amortisiert.

Ein Elektroauto an einer Ladesäule (Symbolbild)

Allerdings könnte das Einsparpotenzial in Deutschland noch weit höher sein, wie ein Vergleich mit Großbritannien zeigt. Dort sparen E-Autofahrer im Schnitt rund 600 Euro mehr. Insgesamt können sie somit 1.700 Euro pro Jahr einsparen. Bei einer angenommenen Haltedauer von 14 Jahren sind das 23.800 Euro – ein beträchtlicher Teil des Preises für einen Neuwagen.

Deutsche E-Auto-Fahrer könnten 600 Euro zusätzlich sparen: Viel zu wenig Smart Meter verbaut

Der Hauptgrund dafür ist das deutlich digitalere Stromsystem in Großbritannien. Laut der Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) ist dort bei 62 Prozent der Endverbraucher ein Smart Meter verbaut, in Deutschland liegt dieser Wert bei einem Prozent (die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2023).

Der flächendeckende Einsatz von Smart Metern ermöglicht flexible Stromtarife und günstiges Laden in Zeiten niedriger Nachfrage und hoher Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Daher können die Briten ihre Elektroautos zu Hause für acht Cent pro Kilowattstunde laden, während es in Deutschland ohne einen dynamischen Stromtarif 33 Cent pro Kilowattstunde sind.

Deutsche E-Auto-Fahrer könnten 600 Euro zusätzlich sparen: Wirtschaftliches Argument für Anschaffung

„Der Marktanteil von Elektro­autos steigt in Großbritannien rasant an, im vorletzten Jahr haben wir sogar Deutschland überholt“, sagt Colin Walker, Leiter der Abteilung Verkehr bei der ECIU. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass die Rahmen­bedingungen stimmen.

„Unser ‚Zero Emission Vehicle Mandate‘ treibt die Verkaufszahlen nach oben, indem es die Preise senkt: Hersteller konkurrieren darum, ihre Verkaufsziele für Elektrofahrzeuge zu erreichen. Gleichzeitig ermöglicht die großflächige Verbreitung intelligenter Stromzähler, Elektrofahrzeuge nachts zu sehr günstigen Tarifen zu laden. Dadurch entscheiden sich immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer aus wirtschaftlichen Gründen für ein Elektroauto.“

Deutsche E-Auto-Fahrer könnten 600 Euro zusätzlich sparen: Ergänzung zur Kaufprämie

„Deutschen Autofahrern entgehen große Einsparungen, weil unser Energiesystem zu langsam modernisiert wurde“, ergänzt Adrien Pagano, Referent für Verkehrspolitik bei der IKND. „Obwohl Elektrofahrzeuge bereits viel gün­sti­ger im Betrieb sind als Benzin- oder Dieselautos, können Autofahrer aufgrund des Mangels an intelligenten Zählern und fle­xi­blen Tarifen in Deutschland noch nicht in vollem Umfang von günstigem und sauberem Strom profitieren. Dabei wäre die Senkung der laufenden Kosten eine sinnvolle Ergänzung zur Kaufprämie.“

In Deutschland sind Smart Meter und dynamische Tarife aufgrund fehlender intelligenter Stromzähler kaum verbreitet. Ohne diese Infrastruktur haben viele Haushalte keinen Zugang zu günstigem Ladestrom, obwohl dies technisch längst möglich wäre. Laut den Studienautoren ist ein beschleunigter Rollout von Smart Metern jedoch ein entscheidender Faktor für den Markthochlauf der Elektromobilität. (Quellen: Initiative Klimaneutrales Deutschland, Energy & Climate Intelligence Unit, Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden)

Artikel von Gießener Allgemeine