Kontroverse um Tiere
Viele fürchten sich vor Spinnen, doch ihr Nutzen ist gewaltig. Beim Umgang mit den nützlichen Plagegeistern scheiden sich im Netz die Geister.
Hamm – Herbst in Deutschland: Die Temperaturen fallen, die Heizungen gehen an – und die Spinnen ziehen ein. Denn es ist Paarungszeit. Was folgt, ist jedes Jahr dasselbe: In den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke bricht ein Kulturkampf aus, der in seiner Leidenschaft so manchen politischen Streit übertrifft. Töten oder schonen? „Das eigene Unbehagen über ein anderes Lebewesen rechtfertigt natürlich nicht dessen Tötung“, sagt PETA – und trifft damit auf zwei Lager, die sich gegenseitig kaum verstehen.
Auf der einen Seite: Menschen, die ihre achtbeinigen Mitbewohner nicht nur tolerieren, sondern ihnen Namen geben. „Bei uns wohnte eine fette Spinne in der Garage. Wir haben sie ‚Annabelle‘ getauft. Ich war froh, sie zu sehen“, berichtet eine Nutzerin unter einem Peta-Beitrag. Eine andere geht noch weiter und versorgt ihre Hausspinne aktiv mit Futter: „Hab hier eine große dicke im Wohnzimmer überm Bücherregal. Die fütter ich ab und zu mit ner dicken Mücke.“ Manche haben sogar ein ausgefeiltes Klassifizierungssystem entwickelt: „Kellerponys fliegen sanft raus... alles andere, vor allem die Zittis in den Schränken, dürfen bleiben. Die holen sich nämlich die Mehlmotten!“
Diese Tipps helfen gegen Spinnen – und so bringt man sie richtig nach draußen
Auf der anderen Seite: Menschen, denen solche Überlegungen schlicht egal sind. „Spinnen werden platt gelatscht und fertig. Lass mir doch nicht von irgendwelchen zurückgebliebenen sagen, was ich zu tun und zu lassen habe“, schreibt ein Nutzer ohne Umschweife. Ein anderer hält es noch kürzer: „Ich mache die immer platt. Mir doch latte.“ Staubsauger, Handfeger, erledigt. Was diese Fraktion vermutlich nicht weiß: Laut PETA ist der Staubsauger keine schnelle, saubere Lösung – je nach Modell und Sogstärke sterben Spinnen darin qualvoll oder werden mit hoher Geschwindigkeit gegen die Innenwände des Schlauchs geschleudert.
Dazwischen – und vermutlich in der Mehrheit – eine dritte Gruppe: Menschen, die sich ekeln oder fürchten, aber trotzdem nicht töten. „Ich sterbe vor Angst, wenn ich sie sehe, dennoch habe ich noch nie eine mit Absicht getötet und werde es auch in Zukunft nicht tun“, schreibt eine Nutzerin. Eine andere kennt ihre Grenzen: „Das ist halt nicht so einfach als Arachnophobiker. Glas und Papier wäre für mich einfach nicht möglich.“ Für diese Gruppe gibt es Hilfe aus der Drogerie: Lebendfallen wie der „Insekten-Retter“ oder der „Schnappi“ ermöglichen das berührungslose Einfangen. Eine Nutzerin urteilt knapp: „Und das Ding ist richtig gut.“
PETA ist in dieser Debatte eindeutig positioniert. Das Töten von Spinnen ist für die Organisation keine Option – nicht mit dem Schuh, nicht mit dem Spray und schon gar nicht mit dem Staubsauger. Insektensprays und Biozid-Produkte schaden nicht nur den Tieren, sondern auch der menschlichen Gesundheit und lagern sich in der Umwelt ab. Angesichts des weltweit größten Insektensterbens der Geschichte wiegt das schwer. Spinnen sind Teil desselben ökologischen Netzes: Sie fressen Mücken, Fruchtfliegen und Mehlmotten – wer sie schont, schützt ein kleines, aber wirksames Stück Natur.
Wer Spinnen dauerhaft fernhalten will, muss dafür laut PETA nicht zur Chemiekeule greifen. Es gibt wirksamere und verträglichere Wege – und einer riecht sogar angenehm.
So bleiben Spinnen draußen – und kommen lebend raus:
- Lebend einfangen: Glas drüber, Papier drunter, raus damit – am besten in einen kühlen, feuchten Keller statt direkt nach draußen. Trockene Heizungsluft in Wohnräumen kann für Spinnen auf Dauer tödlich sein.
- Insekten-Retter nutzen: Für alle, die keinen direkten Kontakt wollen: Lebendfallen aus der Drogerie wie der „Insekten-Retter“ oder der „Schnappi“ funktionieren ohne Anfassen – auch für Arachnophobiker.
- Pfefferminzöl aufstellen: Laut PETA die wirksamste Präventionsmethode. Einige Tropfen auf Wattepads, platziert an Fensterbänken, Türschwellen und dunklen Ecken, halten Spinnen zuverlässig fern. Auch Kastanienöl, Minzöl und eine Essig-Wasser-Mischung sollen helfen.
- Lavendelöl weglassen: Klingt gut, wirkt aber nicht nachweislich. Für Lavendelöl gibt es keine belastbare Studienlage, die eine dauerhafte Wirkung belegt.
- Insektengitter anbringen: Hält nicht nur Spinnen, sondern auch die Mücken und Fliegen fern, von denen sich Spinnen ernähren – und damit den Hauptanreiz, überhaupt ins Haus zu kommen.
- Türen und Fugen abdichten: Gut verschlossene Außen- und Kellertüren sowie abgedichtete Mauerritzen sind eine einfache, dauerhafte Barrieren.
- Biomüll schnell entsorgen: Fruchtfliegen ziehen Spinnen an. Wer organische Abfälle zügig entsorgt, entzieht den Achtbeinern ihre Nahrungsgrundlage – und damit den Grund, sich einzunisten.
- Staubsauger und Sprays meiden: Beides ist laut PETA keine humane Option. Sprays schaden Gesundheit und Umwelt, der Staubsauger ist für Spinnen alles andere als ein schneller Tod.
Häufig mit der Spinne verwechselt und teils für gefährlich gehalten: Es gibt einige Mythen um den Weberknecht.