E-Mobilität im Winter
E-Autos gelten vielen als eingeschränkt wintertauglich. Ein Tüv-Experte erklärt, warum die Technik besser ist als ihr Ruf.
Lüdenscheid – Frostig und eisig war der Start ins neue Jahr in Lüdenscheid. Die Temperaturen lagen um, oder teilweise deutlich unter der Null-Grad-Marke. „Tage, an denen die Zweifel in Sachen Elektromobilität zurückkehren. Denn E-Autos gelten bei vielen noch immer als nur eingeschränkt wintertauglich“, heißt es in einer Mitteilung der Lüdenscheider Tüv-Station.
Wird es frostig, gerieten vor allem das Verhalten der Batterie und die damit verbundene Reichweite immer wieder in die Kritik. „Ein genauer Blick zeigt jedoch: Nicht alles, was als Problem wahrgenommen wird, ist auch eines“, so der Tüv. „Diskussionen rund um E-Autos im Winter werden noch immer aus dem Bauch heraus geführt“, sagt Jan Schultheis, Leiter der Lüdenscheider Tüv-Nord-Station am Grebbecker Weg. „Dabei ist die Technik heute deutlich weiter, als ihr Ruf vermuten lässt.“
Tüv-Experte klärt auf: E-Autos nur eingeschränkt wintertauglich?
Der Tüv-Experte beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Winter und E-Mobilität:
Wie steht es um Kurzstreckenfahrten im Winter?
Dass die Reichweite bei Kälte sinkt, ist bekannt. Chemische Prozesse in der Batterie laufen bei niedrigen Temperaturen langsamer ab. Zusätzlich erhöhen Verbraucher wie Innenraum-, Sitz- oder Scheibenheizung den Strombedarf. Doch vor allem Kurzstrecken fallen im Winter überproportional ins Gewicht. Schultheis erklärt: „Ein kalter Akku benötigt zunächst Energie, um seinen optimalen Temperaturbereich zu erreichen. Dieser Aufwand entsteht bei jeder Fahrt neu, während der Fahrweg vergleichsweise wenig Strom verbraucht.“
Wie lässt sich dieses Problem lösen?
Abhilfe können laut Schultheis einfache Routinen schaffen. Viele moderne E-Autos verfügen über eine aktive Batterieheizung, die sich per App oder Timer einschalten lässt. „Idealerweise, beim Aufladen an der Wallbox oder Säule, damit der Strom aus dem Netz kommt“, sagt der Tüv-Experte. „So wird es im Innenraum gemütlich warm und das Fahrzeug startet mit einer günstigen Betriebstemperatur.“
Wie sieht es mit der Energieaufnahme bei der Winterkälte aus?
Bei niedrigen Temperaturen kann eine Batterie Energie nur eingeschränkt aufnehmen. Ist der Akku stark ausgekühlt, begrenzt das Batteriemanagementsystem (BMS) sowohl die Ladeleistung als auch die Rückgewinnung von Bremsenergie über die Rekuperation. „Das dient dem Schutz der Zellen und ist kein Hinweis auf einen Defekt“, sagt Schultheis. Wer nicht über eine automatische Vorkonditionierung verfügt, solle sein Fahrzeug daher idealerweise erst nach einer längeren Fahrt laden. „Und bei glatten Straßen wählt man am besten eine niedrigere Rekuperationsstufe oder einen entsprechenden Fahrmodus, um bei eisigen Temperaturen nicht ins Schlittern zu geraten“, so der Stationsleiter.
Muss die Batterie bei Frost besonders geschützt werden?
Die Sorge vor einer Tiefenentladung der Hochvoltbatterie sei bei modernen E-Autos in der Regel unbegründet. „Ihre Selbstentladung ist auch über längere Zeiträume hinweg gering, zudem überwacht das BMS den Ladezustand kontinuierlich und warnt rechtzeitig bei Auffälligkeiten“, so Schultheis. Unabhängig davon verfügen Elektroautos über eine separate Zwölf-Volt-Batterie. Sie versorgt die Bordelektronik und bringt den E-Motor ins Rollen, reagiert aber empfindlich auf Kälte – insbesondere nach längeren Standzeiten. Schultheis empfiehlt daher zusätzliche Vorsorge: „Eine spezielle, fachgerecht installierte Thermohülle kann die Zwölf-Volt-Batterie vor starker Kälte schützen.“ Wer sein Fahrzeug zudem dauerhaft in einer Garage oder zumindest windgeschützt parke, könne die Belastung der Batterie im Winter spürbar reduzieren.
Gibt es Kontrollmöglichkeiten?
Winterliche Einschränkungen seien in der Regel kein Zeichen für einen geschwächten Akku. „Wer dennoch wissen möchte, wie es um die eigene Batterie tatsächlich steht, kann den Zustand zum Beispiel beim Tüv Nord unabhängig prüfen lassen“, so Schultheis.
Erst im November hatte der Tüv Nord Alarm geschlagen, denn in Lüdenscheid fallen immer mehr Fahrzeuge durch die Hauptuntersuchung.