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Zuhause

Heiztemperatur reduzieren: So viel Energie sparen Sie pro Grad

Annika Flatley
20/01/2026 16:58:00

Heizen

Über zwei Drittel des Energieverbrauchs in deutschen Haushalten entfallen auf das Heizen.

Klar, wer beim Heizen Energie und Ausgaben einsparen möchte, muss weniger heizen. Aber was bringt es tatsächlich, die Temperatur zu senken?

Mehr als zwei Drittel der Energie, die deutsche Haushalte verbrauchen, werden für das Heizen benötigt (siehe Umweltbundesamt). Das Einsparpotenzial für Energie, Geld und Emissionen ist daher enorm. Wie viel ein einzelner Haushalt tatsächlich verbraucht, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Gebäudetyp, Dämmung, Heizungsanlage, Haushaltsgröße. Aber auch von der Frage: Wie warm soll es sein?

Fakt ist: Je wärmer die gewünschte Innentemperatur, desto höher der Energiebedarf – besonders bei niedrigen Außentemperaturen. Umgekehrt bedeutet eine niedrigere Raumtemperatur also Energieeinsparungen. 

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Dieser Artikel erscheint im Rahmen einer Kooperation mit Utopia.de, Deutschlandseinflussreichster Medienmarke für Nachhaltigkeit. Die Utopia-Redaktion bietet unabhängig, kompetent und glaubwürdig Orientierung und Inspiration zu allen zentralen Fragen eines nachhaltigeren Lebens.

Heizung: Wieviel Energie kann man pro Grad Celsius sparen?

Oft liest man: Ein Grad Celsius weniger spart sechs Prozent Energie. Diese Zahl findet sich in unzähligen Publikationen, auch in behördlichen und wissenschaftlichen Texten. Die Recherche von Utopia.de zeigt: Die sechs Prozent Energieeinsparung pro Grad Celsius sind eine gute Faustregel – es kommt aber auf die individuellen Gegebenheiten an. 

Eine Studie der Hochschule Biberach aus dem Jahr 2011 untersuchte die „Sechs-Prozent-Regel“ in einer umfassenden Simulation. Diese konnte – je nach Bauweise – eine Einsparung zwischen rund 7 und rund 8 Prozent pro Grad Celsius nachweisen. Die Simulation zeigte außerdem: Die Höhe der Energieeinsparungen bei einer Temperaturabsenkung um ein Grad hängt auch von der Ausgangstemperatur ab. Offenbar ist die Einsparung bei höheren Temperaturen, z.B. bei einer Absenkung von 22 auf 21 Grad Celsius, etwas geringer als bei niedrigeren Temperaturen, z.B. von 20 auf 19 Grad. 

Die Simulation ergab sogar: Bei einer Absenkung der Temperatur um 2 oder sogar 3 Grad könnte man mit jedem Grad jeweils etwa doppelt so viel sparen – bei 2 Grad rund 15 Prozent, bei 3 Grad rund 30 Prozent gegenüber der Ausgangstemperatur. 

Auch andere Berechnungen kommen auf Werte nahe der Sechs-Prozent-Regel. Das Portal Efahrer.com setzt die Innentemperatur zur Außentemperatur ins Verhältnis und rechnet ganz einfach: Bei einer Außentemperatur von drei Grad Celsius muss eine Heizung, die auf 21 Grad eingestellt ist, einen Temperaturunterschied von 18 Grad ausgleichen.

Ein Grad weniger Innentemperatur – also 20 Grad – bedeutet ein Achtzehntel weniger Wärme und damit ein Achtzehntel weniger Energiebedarf – rund 5,6 Prozent. Auf Basis einer Durchschnittstemperatur von sechs Grad Celsius kommt Öko-Test zum selben Ergebnis. Laut diesen Rechnungen können Sie mit einer Absenkung der Temperatur um zwei Grad Celsius rund 11 Prozent Heizenergie einsparen.

Eine niedrigere Heiztemperatur lohnt sich – und es gibt weitere Sparmöglichkeiten

Wie viel Energie Sie persönlich beim Heizen sparen können, kann höchstens ein Heizungsfachbetrieb oder ein Energieberater feststellen. Denn das hängt eben auch von der Art Ihrer Heizung und Ihres Wohngebäudes ab. Doch die Faustregel „1 Grad weniger spart etwa 6 Prozent Heizenergie“ bietet eine gute Orientierung. 

Die Wohnung nur etwas weniger zu beheizen und lieber warme Socken anzuziehen, hilft bereits, Energie zu sparen. Es gibt aber noch zahlreiche andere Möglichkeiten, Heizenergie einzusparen – etwa durch richtiges Lüften, das Abdichten von zugigen Fenstern oder programmierbare Thermostate.

Welche Kosten spart man durch eine um ein Grad reduzierte Heiztemperatur?

Wie viel Kosten Sie sparen können, wenn Sie Ihre Heizung etwas niedriger einstellen, lässt sich ebenso schwer pauschal beantworten wie die Frage nach der exakten Energieeinsparung. Wenn man der Einfachheit halber von sechs Prozent Energieeinsparung pro Grad Celsius ausgeht, fallen für diese sechs Prozent auch Kosten weg (allerdings nur für den reinen Verbrauch und nicht den im Gas- oder Stromtarif enthaltenen Grundpreis, Netzentgelte etc.). 

Eine vereinfachte Beispielrechnung: Typischerweise liegt bei einer Gasheizung der jährliche Verbrauch bei rund 140 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter. Bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung hätte man entsprechend einen jährlichen Gasverbrauch von rund 14.000 kWh. Laut Verivox zahlen Neukunden und Neukundinnen derzeit rund 10 Cent pro kWh Gas – bei 14.000 kWh im Jahr wären das rund 1.400 Euro im Jahr. Geht man davon aus, dass man die Heizung ein Grad herunterdreht und damit sechs Prozent der 14.000 kWh einspart, also 840 kWh, könnte man in der 100-Quadratmeterwohnung demnach jährlich rund 84 Euro sparen. 

Allerdings: Von diesen Durchschnittswerten kann der Einzelfall deutlich abweichen. Sowohl die tatsächlichen Verbrauchswerte als auch die Gaspreise für Grundversorgungs- oder Bestandskunden und -kundinnen können höher sein.

Wie stellt man überhaupt ein Grad weniger ein?

Entweder Sie haben ein Raumthermometer und experimentieren damit, bis Sie die gewünschte Raumtemperatur eingestellt haben. Oder Sie orientieren sich an den Zahlen auf dem Heizungsthermostat: Diese stehen für ziemlich genaue Raumtemperaturen, vorausgesetzt die Heizanlage in Ihrem Haus ist richtig eingestellt. Wenn die Zahlen auf Ihrem Thermostat noch einmal durch kleine Striche unterteilt sind, steht jeder Strich für ein Grad.

Wer zu wenig heizt, riskiert Schimmel

Auch wenn man mit niedrigeren Raumtemperaturen auf jeden Fall weniger Heizenergie benötigt: Übertreiben sollte man es mit dem Sparen nicht. Wenn es in der Wohnung zu kalt wird, steigt das Risiko, dass sich an den Wänden Schimmel bildet. Laut Fachleuten sollte im Herbst und Winter die Temperatur in genutzten Wohnungen nicht unter etwa 16 Grad Celsius sinken. 

Als ideale Raumtemperatur raten sie, Wohnräume auf etwa 20 Grad aufzuheizen, Schlafzimmer auf etwa 17 Grad, die Küche auf etwa 18 Grad. Im Bad darf es etwa 21 bis 22 Grad haben. 

Artikel von Allgemeine Zeitung