Vorsitzender der Wirtschaft
Die Kurstadt wächst, und auch der Wirtschaftsverein legt zu. In den vergangenen zwei Monaten sind zehn Prozent neue Mitglieder beigetreten.
Bad Bevensen – Sinkende Übernachtungszahlen, Konkurrenz durch den Onlinehandel und Leerstände in der Innenstadt: Es gibt genug Probleme für die Bevenser Gewerbetreibenden, doch René Tillmann, neuer Vorsitzender des Vereins Bad Bevensen Wirtschaft und Tourismus, sieht es als Herausforderung. Was er sich vorgenommen hat, verrät er im Gespräch mit der AZ.
Grundsätzlich ist das Glas aus Sicht des 49-Jährigen eher halb voll als halb leer. „Unser Standort ist nicht schlecht“, betont Tillmann, der selbst Inhaber einer Versicherungsvertretung ist. „Der Magnet ist die Therme. Wir sind sehr gut an Lüneburg angebunden, Hamburg und Hannover sind mit dem Zug erreichbar.“
Wir wachsen weiter. Warum sollten sich Unternehmer nicht ansiedeln?
René Tillmann, Vorsitzender
Nicht nur ältere Menschen, sondern auch Familien sind in den vergangenen Jahren nach Bad Bevensen gezogen. Die Kurstadt hat die 10.000-Einwohner-Marke geknackt. „Wir wachsen weiter. Warum sollten sich Unternehmer nicht ansiedeln?“, fragt Tillmann.
Wichtig ist es aus seiner Sicht, dass an den verkaufsoffenen Sonntagen viele Geschäfte öffnen und mit Veranstaltungen Menschen in die Stadt gezogen werden. Dabei ist die Wirtschaft bereit, sich auch finanziell zu beteiligen. Das Kinderfest etwa habe die Innenstadt deutlich belebt.
Leerstände seien ein allgemeines Phänomen in den Städten. „Es ist zu kompliziert geworden, ein neues Gewerbe aufzumachen“, kritisiert Tillmann. So gebe es hohe Auflagen, wenn Gastronomen ehemalige Restaurants übernehmen wollen. Allein Brandschutzauflagen bringen manches Projekt zu Fall. Hinzu kommen Probleme bei der Finanzierung. „Auch die Kreditvergabe ist sehr viel restriktiver geworden“, moniert der Vorsitzende.
Für Bad Bevensen im Allgemeinen und um Übernachtungsgäste im Speziellen wirbt die städtische Bad Bevensen Marketing GmbH, an der Bad Bevensen Wirtschaft und Tourismus mit 40 Prozent beteiligt ist. Hier will Tillmann Wirtschaftskompetenz einbringen. „Auf die sozialen Medien muss ein großes Augenmerk gelegt werden“, ist der Vorsitzende überzeugt. Im Übrigen gibt er BBM-Geschäftsführer Ulrich Langer recht, der sich von der defizitären Tourist-Info im Bahnhof getrennt und den Wandelgang geschlossen hat.
Eine positive Entwicklung sieht Tillmann, der sich zuvor bereits als zweiter Vorsitzender engagierte, auch in seinem Verein. In den beiden vergangenen Monaten hat der Verein Bad Bevensen Wirtschaft und Tourismus, der vor drei Jahren mit der Werbegemeinschaft fusionierte, zehn Prozent Mitglieder hinzugewonnen. Gut 90 sind es aktuell.
„Ich versuche, alte Strukturen aufzubrechen“, sagt Tillmann. Er legt Wert auf den regelmäßigen Klönschnack und auf den runden Tisch, bei dem die Mitglieder sich austauschen und Projekte anschieben. So hätten sich innerhalb kürzester Zeit 25 Betriebe gefunden, die Patenschaften für die Lichterketten in der Weihnachtszeit übernehmen. „Das Engagement ist da. Wir müssen es nur auf die Straße bringen“, ist Tillmann überzeugt. „Gemeinsam ist man stärker.“