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Universum

Forschungsteam identifiziert die besten Orte, um nach außerirdischem Leben zu suchen

Tanja Banner
08/04/2026 13:42:00

Exoplaneten

Wo beginnt Leben – und wo endet es? Forscher haben 45 Exoplaneten identifiziert, die Antworten liefern könnten. Einige davon sind gar nicht weit entfernt.

Ithaca – Mehr als 6.000 Exoplaneten kennt die Wissenschaft mittlerweile – doch welche davon könnten tatsächlich Leben beherbergen? Ein Forschungsteam der Cornell University hat jetzt eine Art Hitliste erstellt: 45 Welten, auf denen außerirdisches Leben am wahrscheinlichsten ist.

Die „Trappist-1“-Exoplaneten sind für die Forschung besonders spannend. (Künstlerische Darstellung)

„Wir wollten etwas schaffen, das anderen Wissenschaftlern eine effektive Suche ermöglicht“, sagt Lucas Lawrence, einer der Autoren und heute Masterstudent an der Universität Padua. Die im März 2026 in der Fachzeitschrift Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlichte Studie nutzt neue Daten der europäischen Raumfahrtbehörde ESA und des NASA-Exoplaneten-Archivs.

Welche Exoplaneten könnten Leben beherbergen? Forschungsteam nennt Namen

Das Team um Professorin Lisa Kaltenegger vom Carl Sagan Institute identifizierte 45 Gesteinsplaneten in der sogenannten habitablen Zone – jenem Bereich um einen Stern, in dem flüssiges Wasser existieren könnte. Weitere 24 Planeten liegen in einer engeren, konservativeren Zone. Zehn Welten erhalten eine Strahlungsmenge, die der Erde besonders ähnlich ist.

Darunter finden sich bekannte Namen wie Proxima Centauri b, der unserem Sonnensystem am nächsten gelegene Exoplanet, sowie Kepler 186f. Besonders interessant sind laut den Forschenden die Planeten TRAPPIST-1 d, e, f und g, die 40 Lichtjahre von der Erde entfernt sind, sowie LHS 1140 b in 48 Lichtjahren Entfernung.

Unser Sonnensystem gibt Orientierung: Die Erde ist bewohnbar – Erde und Mars nicht

Die Strategie der Forschenden orientiert sich an unserem eigenen Sonnensystem. „Wir wissen, dass die Erde bewohnbar ist, während Venus und Mars es nicht sind“, erklärt Co-Autorin Abigail Bohl. „Wir können unser Sonnensystem als Referenz nutzen, um nach Exoplaneten zu suchen, die stellare Energie zwischen dem erhalten, was Venus und Mars bekommen.“

Besonders vielversprechend sind zwei Kandidaten, die bereits beobachtet werden können: TRAPPIST-1 e und TOI-715 b. Beide kreisen um kleine rote Sterne, was es erleichtert, die erdgroßen Planeten zu erkennen. „Nur durch Beobachtung dieser kleinen Planeten können wir bestätigen, ob sie Atmosphären und flüssiges Wasser haben“, erklärt Co-Autorin Gillis Lowry.

Extreme Exoplaneten testen die Grenzen der Bewohnbarkeit

Die Forschenden haben gezielt auch Extremfälle ausgewählt, um die Grenzen der Bewohnbarkeit zu testen. Planeten am inneren, heißen Rand der habitablen Zone wie K2-239 d, TOI-700e und K2-3d sollen zeigen, ab wann es zu heiß wird. Am äußeren, kalten Rand können TRAPPIST-1g, Kepler-441b und GJ 1002 c Aufschluss geben, wo es zu kalt für Leben wird. „Die Beobachtung dieser Planeten kann uns helfen zu verstehen, wann Bewohnbarkeit verloren geht, wie viel Energie zu viel ist und welche Planeten bewohnbar bleiben – oder es vielleicht nie waren“, so Bohl.

Die Liste soll Astronomen helfen, ihre begrenzten Beobachtungszeiten optimal zu nutzen – etwa mit dem „James Webb“-Weltraumteleskop oder künftigen Instrumenten wie dem Nancy Grace Roman Space Telescope und dem Extremely Large Telescope. „Auch wenn es schwer zu sagen ist, was die Wahrscheinlichkeit von Leben erhöht, ist es doch der erste entscheidende Schritt, herauszufinden, wo man suchen muss – daher war es das Ziel unseres Projekts, zu sagen: ‚Hier sind die besten Beobachtungsziele‘“, betont Lowry.

Wo beginnt und endet die Bewohnbarkeit von Planeten?

Der Erfolg der Arbeit zeigt sich bereits: Noch vor der offiziellen Publikation wurde die Studie von anderen Forschenden zitiert. Eine Forschungsgruppe begann bereits vor Monaten damit, die Muttersterne der identifizierten Planeten zu charakterisieren. „Es ist definitiv aufregend, dass die Leute es bereits sehen und zitieren“, sagt Bohl.

Die Frage, wo Bewohnbarkeit beginnt und endet, ist zentral für die Suche nach Leben im Kosmos. Planeten am Rand der habitablen Zone oder mit ungewöhnlichen elliptischen Umlaufbahnen können dabei helfen, die Grenzen der Bewohnbarkeit zu bestimmen – und vielleicht eines Tages die Frage zu beantworten, ob wir allein im Universum sind. (Quellen: Pressemitteilung der Royal Astronomical Society, Cornell Chronicle, Studie) (tab)

Artikel von Allgemeine Zeitung