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Wirtschaft

Wo im Norden Jobs wegfallen: Studie zeigt enormen Stellenrückgang

Ulrike Hagen
01/03/2026 10:00:00

Arbeitsmarkt

Wer auf der Suche nach einem Job ist, hat in ganz Deutschland inzwischen weniger Chancen als noch vor drei Jahren. Der Norden kommt dabei sogar noch verhältnismäßig gut weg, zeigt eine neue Analyse.

Hannover – Bundesweit sank die Zahl der Stellenangebote für qualifizierte Arbeitskräfte in den vergangenen drei Jahren deutlich. Das zeigt eine aktuelle Arbeitsmarktanalyse einer Karriereplattform. Auch im Norden macht sich dieser Trend bemerkbar – jedoch trotzen Niedersachsen sowie vor allem Hamburg der Jobkrise noch relativ solide.

Wer auf der Suche nach einem Job ist, hat in ganz Deutschland inzwischen weniger Chancen als noch vor drei Jahren. Dennoch kommt der Norden verhältnismäßig gut weg, zeigt eine neue Analyse.

Wer auf der Suche nach einem neuen Job ist, hat inzwischen erheblich weniger Auswahlmöglichkeiten als noch vor drei Jahren, ergeben die Stellenanzeigen-Auswertungen des Portals JobLeads. Doch während ostdeutsche Bundesländer dramatische Stellenverluste verzeichnen, zeigen die norddeutschen Länder etwas mehr Widerstandskraft gegen die aktuelle Arbeitsmarktkrise.

Dramatischer bundesweiter Trend: In vielen Branchen fast 50 Prozent weniger Stellenangebote

Das detaillierte Studienergebnis, das der Redaktion vorliegt, offenbart im Drei-Jahres-Vergleich: Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben sich in vielen Bereichen etwas besser geschlagen als der Bundesdurchschnitt. Doch auch im Norden gibt es Branchen, in denen leicht freundlichere Zahlen den dramatischen bundesweiten Trend nicht verbergen können.

Selbst im verhältnismäßig stabilen Schleswig-Holstein ging die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im Bereich Naturwissenschaft, Geografie und Informatik von 3.410 auf 1.089 zurück, was einem Minus von 68 Prozent entspricht.

Auch Niedersachsen kämpft mit Strukturwandel: Deutlich weniger Angeboten im IT-Bereich

Auch in Niedersachsen, das auf Platz 7 des bundesweiten Vergleichs im Mittelfeld liegt und sogar immerhin keinen Schwund, sondern einen Mini-Zuwachs an Angeboten im Tourismusbereich verzeichnet, ist die Sparte Naturwissenschaft, Geografie und Informatik eine Problemzone, mit 56,8 Prozent weniger Stellen.

Bremen kann hingegen im Drei-Jahres-Vergleich nur im Militärbereich nennenswerte Zuwächse von 60 Prozent verzeichnen, wobei die relativ geringe Zahl der Anzeigen (8) wenig Aussagekraft haben dürfte. In allen anderen Branchen gab es jeweils ein Minus zwischen 47 und 65,7 Prozent.

Jobschwund: So hat sich die Anzahl der Stellenangebote in den vergangenen 3 Jahren verändert (in Prozent)

Bundesland Militär/Bundeswehr Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung Bau,Architektur,Vermessung,Gebäudetechnik\t\t\t Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit Naturwissenschaft, Geografie und Informatik, Buchhaltung, Recht, Verwaltung Geisteswissenschaften, Kultur, Gestaltung\t\t
1 Thüringen -30.00 -56.51 -51.77 -54.74 -55.00 -15.89
2 Brandenburg -25.00 -53.25 -55.31 -50.50 -78.04 -44.09
3 Bremen +60.00 -58.06 -57.00 -59.34 -60.18 -54.62
4 Sachsen -40.91 -52.71 -58.27 -48.47 -66.30 -40.64
5 Saarland -25.00 -58.42 -63.71 -47.96 -53.71 -18.16
6 Rheinland-Pfalz -27.78 -57.34 -53.32 -57.46 -57.11 -42.86
7 Niedersachsen +7.55 -48.64 -47.12 -45.20 -56.81 -21.08
8 Sachsen-Anhalt +37.50 -53.39 -55.48 -45.83 -65.03 -32.67
9 Bayern -33.81 -56.26 -48.12 -53.74 -63.74 -43.74
10 Nordrhein-Westfalen +25.24 -52.93 -48.79 -40.28 -56.98 -19.37
11 Schleswig-Holstein +12.50 -42.25 -55.17 -35.88 -68.06 -44.36
12 Hessen -32.43 -50.80 -48.63 -46.60 -61.78 -34.73
13 Berlin -41.67 -59.95 -51.14 -64.51 -59.99 -46.94
14 Baden-Württemberg -29.03 -57.54 -51.52 -45.30 -61.87 -34.70
15 Mecklenburg-Vorpommern +133.33 -43.93 -51.41 -46.94 -54.69 -21.41
16 Hamburg +33.33 -49.86 -42.40 -41.86 -60.66 -47.26

Quelle: JobLeads, Analyse auf Basis der Daten der Stellenanzeigen von Jobmonitor im 3-Jahres-Vergleich (Stichtag 01.01.2023), 3-Monats-Vergleich (Stichtag 01.10.2025) sowie aktuellen Daten (Stichtag 01.01.2026) 

Bundesweit verzeichnete Thüringen den insgesamt stärksten Rückgang von Jobangeboten über zehn Wirtschaftsbereiche in den vergangenen drei Jahren. Den geringsten Jobangebotsschwund über alle Branchen gab es in Hamburg, hier lag der Rückgang fast durchweg niedriger als in den anderen Bundesländern. Das Minus liegt hier für alle Branchen – ausgenommen Naturwissenschaft, Geografie und Informatik – unter 50 Prozent. 

Naturwissenschaft, Geografie, Informatik: Durchschnittlich 61,25 Prozent weniger Stellen als vor 3 Jahren

Dennoch ist der Trend hier wie in allen anderen Bundesländern auch ein deutlicher Rückgang an Stellenausschreibungen insgesamt, sowohl im Vergleich zu den Zahlen von vor drei Jahren als auch im Vergleich zu denen von vor drei Monaten. Den bundesweit deutlichen Stellenrückgang in IT-Berufen – besonders für hochqualifizierte Experten – zeigte bereits eine Sonderauswertung der Fachkräftedatenbank des Institutes der Deutschen Wirtschaft (IW) im vergangenen Jahr.

Studie zeigt: Nur bei der Bundeswehr deutlich wachsender Stellenmarkt

Dementgegen steht übrigens ein anderer Arbeitsmarkttrend, der sich in ganzen sieben Bundesländern zeigt: Im Militärbereich, sprich: bei der Bundeswehr, gab es deutlich mehr Stellenangebote als noch vor drei Jahren, in Meckenburg-Vorpommern stolze 133 Prozent. Die Personalstärke der Bundeswehr hat bereits Ende 2025 den höchsten Stand seit zwölf Jahren verzeichnet; Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) beabsichtigt jedoch, bis 2035 weiter auf rund 260.000 Kräfte aufzustocken.

Artikel von Allgemeine Zeitung