Exklusive Auswertung
Eon hat den Solarstromertrag privater Photovoltaikanlagen im ersten Halbjahr 2026 ausgewertet. Bayern führt, Baden-Württemberg folgt knapp.
München – Deutschland hat einen neuen Solarstrom-Spitzenreiter. Hausbesitzer in Bayern konnten im ersten Halbjahr 2026 rechnerisch mehr Strom mit ihrer Photovoltaikanlage erzeugen als in jedem anderen Bundesland. Das zeigt eine Eon-Auswertung auf Grundlage aktueller Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes, die Ippen.Media vorab exklusiv vorliegt.
Demnach kam eine für ein Einfamilienhaus typische Solaranlage mit einer Leistung von zehn Kilowattpeak in Bayern von Januar bis Ende Juni auf einen Ertrag von 6089 Kilowattstunden. Damit verdrängt der Freistaat das Saarland von der Spitze, das die entsprechende Halbjahresauswertung 2025 noch angeführt hatte.
Auf dem zweiten Platz liegt Baden-Württemberg. Dort erzeugte eine vergleichbare Anlage rechnerisch 6035 Kilowattstunden – lediglich 54 Kilowattstunden weniger als in Bayern. Mit etwas größerem Abstand folgen das Saarland mit 5790 Kilowattstunden und Schleswig-Holstein mit 5770 Kilowattstunden.
Solaranlage deckt rechnerisch Strombedarf und Tausende Autokilometer
Wie viel Energie in dem Solarertrag steckt, verdeutlicht eine Modellrechnung von Eon: Die in Bayern erzeugten 6089 Kilowattstunden würden rechnerisch ausreichen, um eine vierköpfige Familie in einem neueren Einfamilienhaus ein halbes Jahr lang mit Haushaltsstrom und Strom für ihre Wärmepumpe zu versorgen.
Anschließend bliebe noch genügend Energie übrig, um mit einem Elektroauto rund 9400 Kilometer zurückzulegen. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass der erzeugte Solarstrom vollständig genutzt oder zwischengespeichert werden könnte.
Das komplette Solarstrom-Ranking
| Platz | Bundesland | Ertrag einer 10-kWp-Anlage | CO₂-Einsparung |
|---|---|---|---|
| 1 | Bayern | 6089 kWh | 4,2 Tonnen |
| 2 | Baden-Württemberg | 6035 kWh | 4,2 Tonnen |
| 3 | Saarland | 5790 kWh | 4,0 Tonnen |
| 4 | Schleswig-Holstein | 5770 kWh | 4,0 Tonnen |
| 5 | Sachsen | 5754 kWh | 4,0 Tonnen |
| 6 | Rheinland-Pfalz | 5748 kWh | 4,0 Tonnen |
| 7 | Mecklenburg-Vorpommern | 5742 kWh | 4,0 Tonnen |
| 8 | Nordrhein-Westfalen | 5693 kWh | 3,9 Tonnen |
| 9 | Sachsen-Anhalt | 5672 kWh | 3,9 Tonnen |
| 10 | Bremen | 5666 kWh | 3,9 Tonnen |
| 11 | Niedersachsen | 5663 kWh | 3,9 Tonnen |
| 12 | Berlin | 5652 kWh | 3,9 Tonnen |
| 13 | Hessen | 5647 kWh | 3,9 Tonnen |
| 14 | Hamburg | 5641 kWh | 3,9 Tonnen |
| 15 | Brandenburg | 5608 kWh | 3,9 Tonnen |
| 16 | Thüringen | 5583 kWh | 3,9 Tonnen |
„Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer nutzen ihren Sonnenstrom zunehmend selbst“, sagt Filip Thon, Deutschlandchef von Eon. Batteriespeicher, Elektroautos und Wärmepumpen könnten nach seiner Einschätzung dabei helfen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen. Durch intelligentes Laden ließen sich zudem die Stromnetze entlasten.
Wie hoch die tatsächliche finanzielle Ersparnis ausfällt, lässt sich aus dem Solarertrag allein allerdings nicht ableiten. Entscheidend sind unter anderem der Eigenverbrauch, die Größe eines möglichen Batteriespeichers, der Stromtarif und die Vergütung für eingespeisten Strom.
Bayern liegt sechs Prozent über dem Bundesdurchschnitt
Im bundesweiten Durchschnitt erzeugte eine private Zehn-Kilowattpeak-Anlage der Auswertung zufolge im ersten Halbjahr 5735 Kilowattstunden Solarstrom. Bayern lag damit rund 354 Kilowattstunden beziehungsweise gut sechs Prozent über dem Mittelwert.
Auch bei der rechnerischen CO₂-Vermeidung belegen Bayern und Baden-Württemberg die ersten Plätze. Eine durchschnittliche Anlage vermied dort nach Angaben von Eon jeweils rund 4,2 Tonnen CO₂-Äquivalente. Bundesweit waren es etwa vier Tonnen.
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern fallen insgesamt überschaubar aus. Zwischen Bayern an der Spitze und Thüringen auf dem letzten Platz liegen 506 Kilowattstunden. Eine Anlage in Bayern erzielte damit rund neun Prozent mehr Solarstrom als eine vergleichbare Anlage in Thüringen.
Nordrhein-Westfalen landet mit 5693 Kilowattstunden auf dem achten Platz und damit knapp unterhalb des bundesweiten Durchschnitts. Dahinter folgen Sachsen-Anhalt, Bremen und Niedersachsen.
Schleswig-Holstein gewinnt den stärksten Solarmonat
Während der Süden im gesamten Halbjahr vorne liegt, kommt der höchste Monatswert aus dem Norden. Der mit Abstand ertragreichste Solarstrommonat war der Mai. In Schleswig-Holstein erzeugte eine durchschnittliche Anlage allein in diesem Monat rechnerisch 1566 Kilowattstunden.
Auf den weiteren Plätzen folgen Bayern mit 1484 Kilowattstunden und Mecklenburg-Vorpommern mit 1464 Kilowattstunden. Die drei höchsten Monatserträge des gesamten ersten Halbjahres wurden damit jeweils im Mai erreicht.
Das Ergebnis zeigt, dass die Solarstromausbeute nicht allein von der Lage im Süden Deutschlands abhängt. Auch lange Tage, geringe Bewölkung und vergleichsweise niedrige Modultemperaturen können den Ertrag deutlich erhöhen. Bei großer Hitze verlieren Solarmodule dagegen einen Teil ihrer Leistungsfähigkeit.
Fast 1,1 Millionen private Solaranlagen in Bayern
Bayern führt nicht nur beim modellierten Ertrag. Nach einer Auswertung des Marktstammdatenregisters durch Eon sind im Freistaat inzwischen fast 1,1 Millionen private Photovoltaikanlagen als in Betrieb gemeldet. Seit Beginn des Jahres kamen mehr als 37.000 Anlagen hinzu.
Balkonsolaranlagen sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Berücksichtigt wurde ausschließlich das sogenannte Heimsegment, also vor allem Solaranlagen auf privaten Wohnhäusern.
Für die Ertragsberechnung werteten die Datenexperten von Eon die bis Mitte Juli veröffentlichten Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes aus. Als Vergleichsanlage wurde eine private Photovoltaikanlage mit einer Leistung von zehn Kilowattpeak angesetzt.
Die CO₂-Einsparung berechnete Eon mit dem Nettovermeidungsfaktor des Umweltbundesamtes. Für das Elektroauto wurde ein Verbrauchswert des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg verwendet. Beim Vierpersonenhaushalt ging die Modellrechnung von jährlich 4000 Kilowattstunden Haushaltsstrom und weiteren 4500 Kilowattstunden für die Wärmepumpe aus. (Verwendete Quellen: Eon, Deutscher Wetterdienst, Bundesnetzagentur, BSW-Solar, Umweltbundesamt, ifeu)